11.12.2007

Über die Notwendigkeit von Museumsschliessungen


Wieder einmal muss ein Museum mangels Finanzen bzw. öffentlicher Unterstützung schliessen. Dies zwar im 'fernen' Burgenland in Österreich, doch scheint es mir auch symptomatisch für die Schweiz zu sein.

Das Ethnographische Museum in Schloss Kittsee schliesst seine Pforten. Der Trägerverein wird aufgelöst. Das ist das Ergebnis der Vorstandssitzung des Vereins am Montag. Bei Präsidentin Barbara Tobler mischen sich Enttäuschung und Betroffenheit. „Unsere jetzige finanzielle Situation kann für das Land keine Überraschung sein, die Subventionen wurden stetig gekürzt.“

Das Museums hat sich auf Volkskultur aus Ost- und Südosteuropa spezialisiert und hat laut Rechnungsprüfung keine Schulden. Aber: Das Geld für eine zeitgemässe Infrastruktur fehlt an allen Ecken und Enden. Der Finanzbedarf beläuft sich auf 2,5 Millionen Euro für die Umbauarbeiten bzw. die Sanierung.

Die Schweiz verfügt wohl über die grösste Dichte an Museen in Europa. Es ist deshalb absehbar, dass in den nächsten Jahren einige Häuser mangels öffentlicher Unterstützung schliessen müssen. Doch den 'schwarzen Peter' einfach der öffentlichen Hand zuzuschieben, greift wohl zu kurz. Zu lange haben sich etliche Häuser an selbstgefälliger Eigenschau geweidet. Ausstellungen ohne klare Zielsetzung konzipiert (Produkt, Markt), strukturelle Probleme ignoriert, die ehrenamtliche Einmischung ins operative Geschäft auf die Spitze getrieben, versäumt, das wichtigste Kapital eines Museums zu pflegen: die Besucher.

Im erwähnten Schliessungsfall im Burgenland haben sich die Verantwortlichen wohl nie gefragt, ob ihre Ausrichtung auf die Volkskultur aus Ost- und Südosteuropa auf genügend Besucherinteresse stösst. Einfach eine Nische zu besetzen, genügt halt nicht. Es müsste schon eine gewisse Nachfrage festzustellen sein, um eine solche Nische erfolgreich zu bearbeiten - fast wie in der 'richtigen' Welt.

Verwandter Beitrag: Die Kulturbürokratie ist kein verlässlicher Partner

PS: Einmal ganz ketzerisch gefragt: Was befähigt eigentlich einen Geisteswissenschafter - immerhin bekleiden sie praktisch zu hundert Prozent den Posten eines Museumsdirektors - zur Geschäftsführung einer Institution mit einem Millionenbudget?

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nichts. Akademiker kommen meist seminargestählt in solche Häuser, wo sie dann schnell merken, dass sie weniger schöngeistig kuratieren und konservieren können und viele Themen einfach nur lästige Kulturmanagement-Themen sind und das dann auch noch ein Publikum angesprochen werden sollte...Oft führt das zu einer Bunker-Mentalität sondergleichen mit einem elitären Habitus, der an den breiten Massen, die angesprochen werden wollen, völlig vorbeiziehlt.

Hanspeter Gautschin hat gesagt…

Ja, dergleichen stellte ich auch immer wieder fest, deshalb meine sog. ketzerische Frage.

Anonym hat gesagt…

Die Frage ist doch aber dann, wer dazu in der Lage ist, ein Museum zu führen? Der Betriebswirt alleine ja wohl auch nicht unbedingt.

Aber zusammen vielleicht, was ja doch des öfteren vorkommt.

Christian Henner-Fehr