07.03.2008

Über den Geiz der Schweiz

Wir Schweizerinnen und Schweizer verfügen über eine Eigenheit, die uns von allen Anderen wohltuend abhebt:
Wir sind enorm geizig!
Wir geben nur Geld aus, wenn es uns persönlich Nutzen bringt. Wenn wir spenden, dann nur aus einem diffusen Schuldgefühl heraus. Ich habe bis heute noch keinen Schweizer/keine Schweizerin getroffen, der/die aus Freude am Geben, um damit etwas zu ermöglichen, was direkt keinen persönlichen Nutzen verspricht, Geld oder auch andere Werte entäussert hätte.

Die paar wenigen Philantropen, die es als die Ausnahme dieser Regel glücklicherweise auch gibt, werden zumeist argwöhnisch beaugapfelt. Wir SchweizerInnen können es einfach nicht glauben, dass es ein Geben aus Freude gibt!

Dieser Geiz ist übrigens auch im Internet klar ersichtlich. Obwohl im Netz (und nicht nur dort) gilt: Zuerst geben, dann ernten, sind sämtliche Weberzeugnisse einseitig auf Nehmen ausgerichtet. Auch die verschiedenen Weblogs drücken das aus. Ich sehe selten, wenn überhaupt, nützliche (kostenlose) Informationen, die mir weiterhelfen könnten - v.a. bei sog. Experten-Blogs.

Da surfe ich halt lieber auf US-Blogs und Websites 'rum, wenn ich nützliche Informationen finden möchte. Die wissen, dass zuerst Vertrauen aufgebaut werden muss, eben beispielsweise mit kostenlosen nützlichen Informationen, um dann erfolgreich verkaufen zu können. Das heisst dann im Fachjargon: Verkaufsenergie aufbauen.

Doch hier in der Schweiz möchten alle direkt und ohne Umwege verkaufen. Weil dies jedoch nicht geht, können sich die selbsternannten Experten aufspielen und lauthals trompeten: Im Internet ist KEIN Geschäft zu machen. Ja natürlich - so eben nicht.

7 Kommentare:

Christian hat gesagt…

Die Frage ist doch immer, was man überhaupt als "Geschäft" versteht, wenn man sich auf das Internet einlässt? Möchte ich direkt etwas verkaufen, also konkrete Produkte, oder erwarte ich, dass über das Internet potenzielle KundInnen auf mich aufmerksam werden?

Eine andere Frage ist auch, was wir unter "nützlichen" Informationen verstehen? Sind das die bekannten to-do-Listen, die man dann abarbeiten kann? Oder sind es inhaltliche Inputs, die mich dazu bringen, mir Gedanken zu für mich relevanten Themen zu machen und mich auf diese Weise "weiterbringen"?

Und Du hast Recht, in den USA funktioniert das teilweise anders, vor allem die BetreiberInnen von Marketingsblogs beherrschen ihr Geschäft perfekt. Da lohnt es sich wirklich, nicht nur die jeweiligen Inhalte anzuschauen, sondern auch ihre Strategien zu analysieren und davon zu lernen.
Allerdings sind das auch nur wenige Bereiche. Ich lese auch sehr viele Blogs, die im Bereich arts management angesiedelt sind und da schaut die Sache schon wieder ganz anders aus.

Aber gut, dass Du dieses Thema ansprichst. Als Blogbetreiber muss ich mich da immer wieder selbst überprüfen, ob ich noch dran bin an meinen LeserInnen. Oder ob ich von der Linie abgekommen bin. Die Gefahr besteht jeden Tag...

Ugugu hat gesagt…

Interessante These, sollte man glatt an einige Verlagshäuser in der Schweiz verschicken. Die sind ja momentan eher am Verkaufsenergie abbauen. Übrigens, dein Blog ist seit heute in meiner Blogroll unter dem Stichwort "Kulturtester" zu finden, ich hoffe, du kannst dich ein Stück weit damit identifizieren ;-)

Hanspeter Gautschin hat gesagt…

Auch wenn ich nur potentielle Kunden/Kundinnen ansprechen möchte, dann gilt das gleiche Prinzip: Vertrauen aufbauen, Vertrauen aufbauen und nochmals: Vertrauen aufbauen. Auf die Schnelle läufts nämlich nicht.

Nützliche Informationen können natürlich in verschiedenster Form abgegeben werden: Als Ratgeber, To-do-Liste, eBook, E-Mail-Kurs, Videolip.

Hanspeter Gautschin hat gesagt…

@ugugu: Merci vielmals. Das freut mich schon. 'Kulturtester' find' ich übrigens eine ausgezeichnete Bezeichnung (Deine Wortschöpfungen sind einfach genial!), v.a. weil ich Kultur ja als gesellschaftliches Phänomen verstehe.

Ugugu hat gesagt…

"Beta-Kulturtester", wär auch noch frei ;-)

Hanspeter Gautschin hat gesagt…

...wäre auch nicht schlecht, denn ich bin ja immer noch am Rumpröbeln.

Christian hat gesagt…

Man kann euch Schweizern sicher eine Reihe mehr oder weniger liebenswürdiger Macken nachsagen, aber Geiz gehört in meinen Augen definitiv nicht dazu. Sonst hätte z.B. Aldi sicher auch mehr Erfolg auf dem Schweizer Markt.