25.04.2008

Ruhe sanft Helvetia

Der Beitrag im Tagi von Pius Knüsel wird derzeit auf Facts 2.0 diskutiert. Nicht üppig zwar, denn gerade mal drei Kulturinteressierte schalteten sich in die Diskussion ein. Darunter zwei Schweizerinnen und ein Österreicher. Bezeichnend.

Das gewerkschaftliche Anspruchsdenken und das sich Balgen am Futtertrog scheinen den Kultur- und Kunstschaffenden in der Schweiz vorrangiges Tun zu sein. Sie überhören die doch lauten Töne des Pro Helvetia-Direktors, welcher immer wieder versucht, eine Diskussion anzuregen. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass das Fördermodell Schweiz lediglich zu einer dumpfen Masse von Geldempfängern geführt hat. Warnzeichen gibt es ja viele, beispielsweise, dass Schweizer KünstlerInnen ausserhalb ihres Gärtchens kaum wahrgenommen werden. Das scheint jedoch dieselbigen kaum zu stören. Man hat sich arrangiert, denn Kulturgeld ist in der Schweiz Schweigegeld. Kunst findet anderswo statt.

Dass ich auf meinem Blog vielmals darauf hingewiesen habe, dass Kunst sich nur in einem kulturellen Biotop entwickeln kann, scheint wenigstens in Österreich seinen Widerhall gefunden zu haben. Christian Henner-Fehr schreibt nämlich in einem Kommentar (auf Facts 2.0) dazu:

"... Und all die Kunst, die da mit der Giesskanne oder einem Exzellenzprogramm gefördert wird, bedarf der Kultur, die das Gefäss darstellt, aus dem heraus sich Kunst entwickeln kann. Das ist der Bereich, in dem die "Tradition" angesiedelt ist mit all den Aktivitäten, die hier immer als "Volkskultur" bezeichnet werden. Auch die muss gefördert werden, denn eine kulturlose Gesellschaft kann keine Kunst hervorbringen ..."
Doch auch hier: Die traditionelle Kultur in der Schweiz wird argwöhnisch (geistige Landesverteidigung, völkische Ideologie) von Politik und Kulturelite beaugapfelt, mehr noch: ausgegrenzt. Entsprechende Institutionen werden zugemacht oder nur marginal unterstützt:

Das Ende 2005 zugesperrte Kornhaus Burgdorf/Haus der Volkskultur in Burgdorf erhielt vom Bund, obwohl seit Beginn dieser Institution Stiftungsträger, keine noch so kleine Subvention. Das 'Haus der Volksmusik' wird nur marginal vom kleinen Kanton Uri und dessen Hauptort Altdorf unterstützt. Die Pflege des musischen Erbes - von einer Weiterentwicklung kann hier aus verständlichen Gründen nicht die Rede sein - wird vollumfänglich den Verbänden überlassen, um dann grossspurig argumentieren zu können, dass diese Kultur zur inszenierten Tourismusfolklore verkomme...
Wir schlafen tief, wir SchweizerInnen! Na denn: Ruhe sanft Helvetia!

3 Kommentare:

Christian hat gesagt…

Kultur sollte zwar gefördert werden, aber auch finden Entwicklungen statt, die dazu führen, dass Institutionen, die in der Kulturverankert sind, verschwinden, weil sie keine Förderung mehr bekommen.

Nach Aleida Assmann wandern sie vom Funktionsgedächtnis in das Speichergedächtnis. Dort werden die Dinge "aufbewahrt", zu denen wir den unmittelbaren Bezug verloren haben.

Wichtig ist, dass Kultur überhaupt gefördert wird.

Hanspeter Gautschin hat gesagt…

Das sind tröstliche Worte aus Österreich mit gut dotierten Volksultur-Referaten...

Ich glaub', ich wandere aus!

Christian hat gesagt…

Das würde ich mir gut überlegen. :-)