Dienstag, 27. Mai 2008

Das Geheimnis des Volkstons


Die Volksmusik an sich hat nichts Reaktionäres, sie hat etwas Traditionelles, das ist DER Unterschied. Und urwüchsige Volksmusik hat auch immer etwas Rebellisches. Als jedoch die Erfinder der "schweizerischen Eigenart" - in der Regel waren's "Gstudierte" - auf den Plan traten, wurde die Volksmusik weichgeklopft, später für die "Geistige Landesverteidigung" fit gemacht und für Jahrzehnte konserviert. Diese "Volkserzieher" schrieben in ihren ergötzlichen Abhandlungen über des "Volkes Kultur" gerne, dass die Volksmusik im "Volkston" zu halten sei.

Dieser "Volkston" wurde im ausgehenden 18. Jahrhundert zu volkserzieherischen Zwecken formuliert. Weg von den ungehobelten, schrägen und aufmüpfigen Tönen und hin zum wohltemperierten Volkslied/-musikstück - gefühlvoll im "Volkston" gehalten - Opium fürs Volk.

Eine entwaffnend ehrliche Definition dieses "Volkstons" verdanken wir dem deutschen Komponisten Johann Abraham Peter Schulz, 1747-1800, welcher u.a. das Gedicht von Matthias Claudius "Der Mond ist aufgegangen" vertonte:

"Schon in den ersten Takten muss das Gefühl vermittelt werden - halt, das kenn' ich - in diesem Schein des Bekannten liegt das ganze Geheimnis des Volkstons."
So gibt's halt nichts Neues unter dem Himmelszelt. Die Musik des Volkes ist für die herrschende Elite immer ein Ärgernis gewesen und muss(te) deshalb gezähmt, oder zumindest eingezäunt, werden.

Die haben sich wohl NIE weichklopfen lassen:

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