Mittwoch, 4. Juni 2008

Das Schaudern aus dritter Hand

Thomas Hirschhorn hat sein selbstgewähltes Exil aufgegeben. Derzeit erobert er die Schweiz im Sturm zurück. Überall ist er anzutreffen - auch an der Art in Basel. Die Kunstbetuchten lieben ihn. Hätscheln ihn. Und er weiss darum.

Ist er wirklich das begnadete Künstlergenie, als das ihn die Kunstelite weltweit bejubelt? Ich finde, dass er zumindest sehr produktiv, clever, mit allem Möglichen gewaschen ist und äusserst gekonnt mit den Kunstmarktkräften spielt.

Er weiss um das lüsterne Schaudern der Kunstbetuchten. Diesen Aspekt geschickt einbeziehend, inszeniert er seine Installationen, holt Zeitthemen herein, mischt sie auf mit Pop, Post-Minimal, Ready Made- und Antiform-Ikonographie und fertig ist sein Gesamtkunstwerk. Den Kunstbetuchten gefällts, sie brauchen keine Übersetzung, weil sie den Hirschhorn-Code längst internalisiert haben.

Hirschhorns Vokabular richte sich doch gegen das Besserwisserische, Elitäre und werfe dafür ein Schlaglicht auf das Prekäre, die Peripherie, den Rand, das Randständische höre ich dann und wann von Kunstbetuchten.

Really?

Ich sehe das eher als sein ertragreiches Kokettieren mit der Kunstwelt. Eben: Sein inszeniertes Schaudern aus dritter Hand.

2 Kommentare:

Zappadong

Hirschhorn hat die Schweiz boykottiert und dafür in den Staaten ausgestellt (auf Kunstmessen, von denen man heute weiss, dass sie unserer too big to fail Bank als Hort des Kundenfanges und der Kundenbetreuung diente, nett eingehüllt in das Deckmäntelchen der Kunst).

Irgendwann, in irgendeiner Ausstellung (hab vergessen, welcher), enteckte ich von Weitem etwas, das wie von Kinderhand gebastelt und zusammengefügt aussah. Da es sich um irgendwas in Klebeband verhülltes hinter Plexiglas handelte, sagte ich mir: "Aha! Ein Hirschhorn." So war es dann auch. Ich ging näher hin und es sah auch aus der Nähe noch wie ein von Kinderhand Gebasteltes, in Klebeband verhülltes Etwas aus.

Ich fand's witzig. Und irgendwie genial. Wer schafft es schon, mit so etwas weltberühmt zu werden?

Mein Fazit: Der Mann ist ein genialer Selbstvermarkter.

Hanspeter Gautschin

Merci für diesen Hinweis. Das mit der 'big-too-fail-kunstbank' wusste ich dannzumal noch nicht.

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