10.08.2008

George Gruntz ist kein Künstler nach Gusto von Pro Helvetia

Wieder einmal schwingt Pro Helvetia ihren altbewährten Totschlaghammer: Mangelnde Innovation! Auch HIER schrieb ich bereits darüber. Der genaue Wortlaut ihres jüngsten Bürokratie-Aufgusses tötnt dann wie folgt:

"... Das Projekt sei zu wenig innovativ, und die Musik unterscheide sich zu wenig von derjenigen anderer Bigbands ...".

Das ausgerechnet beim Jazzmusiker George Gruntz, welcher seit Jahrzehnten mit Innovationen aufwartet. Insbesondere seine spannenden Projekte mit Volksmusik sprühen nur so vor Innovation!

Apropos Volksmusik. 1963 wurde er zu einem Kolloquium im tunesischen Hamamet eingeladen. Der Kongress dauerte drei Wochen, aber schon nach einer verlegte Gruntz seinen "Arbeitsort" auf Hamamets Strassen und Souks. Er hörte da eine Volksmusikgruppe und wurde buchstäblich ver-rückt. Da spielte doch tatsächlich einer auf dem tunesischen Rohrblattinstrument Zoukra genau wie Coltrane auf dem Sopransaxophon. Das hat dann seine Neugier geweckt; er wollte nur noch wissen, was dahinter steckt, lieh sich vom Hotel ein Tonbandgerät, nahm diese Klänge auf und analysierte die ungewöhnlichen Skalen und die asymmetrischen Rhythmen.

Diese kleine Episode aus seinem langjährigen musikalischen Schaffen zeigt uns doch deutlich, wie innovativ, wenn wir schon dieses arg gebeutelte Wort gebrauchen wollen, er in seinem künstlerischen Schaffen vorgeht.

Doch die Förderkratie der Pro Helvetia kennt wohl nur die "Innovationen" ihrer eigenen langjährigen und treuen Stammkundschaft. Pro Helvetia täte es wahrlich gut anstehen, sich selber einmal zu hinterfragen, sich zu erneuern, Denn Innovationen in ihrer Förderpraxis vermisse ich tatsächlich.

Hier noch ein eindrückliches Dokument seiner Schaffensweise (Trio Flagranti mit Thomas Demenga, vc; Tobias Preisig, vl und George Gruntz, p):

2 Kommentare:

Christian Henner-Fehr hat gesagt…

Hanspeter, das ist in meinen Augen ein grundsätzliches Problem. Eine Struktur wie Pro Helvetia verwaltet öffentliche Gelder und muss darüber Rechenschaft ablegen, was damit gemacht wurde.

Um solche Gelder zu erhalten, muss ich mein zukünftiges Vorhaben beschreiben, natürlich auch die Innovation, denn ein "Projekt" muss innovativ sein, um Gelder zu erhalten.

Nur: eine geplante Innovation ist keine Innovation. Daher bekommen hier nur die Geld, die innovativ im Formulieren sind. Das ist aber etwas anderes.

Innovative Projekte im Kunstbereich, aber auch in allen anderen Bereichen kann der Staat nur fördern, in dem er geeignete Rahmenbedingungen für Innovation schafft. Jemandem Geld zu geben und dann zu sagen, jetzt sei innovativ, ist völlig unsinnig und führt zu allen möglichen Ergebnissen. Aber sicher zu keinem innovativen.

Insofern ist jedes Programm zur Förderung innovativer Projekte per se zum Scheitern verurteilt.

Hanspeter Gautschin hat gesagt…

Klar. Da geh' ich mit Dir vollkommen einig. Doch, was mich mehr störte, war das "seine Musik unterscheide sich enig von derjenigen anderen Bigbands". Das ist natürlich oberfaul. Entweder muss ich hier annehmen, dass die Förderkraten das umfangreiche Werk von George Gruntz - auch mit 'Bigbands' - nicht kennen, was ich eigentlich nicht annehme (das wäre wahrlich ein Armutszeugnis), oder sie missgönnen es dem 'alten Sack', dass er noch so flott unterwegs ist...