07.08.2008

Nischen machen glücklich

Heute wird nicht zu Unrecht den aufstrebenden Jungunternehmern geraten, mit ihrer Dienstleistung, ihrem Produkt eine Nische zu besetzen. Ich kann aus eigener beruflichen Erfahrung berichten, dass dies bestens funktioniert. Wir machten das in den 80er Jahren mit unserer Konzertagentur (s. auch HIER und HIER). Grosse Gigs zu veranstalten, lag für uns - mit wenigen Ausnahmen - nicht drin. So konzentrierten wir uns auf Rocklegenden, die zwar immer noch einen klingenden Namen hatten (z.B. Jack Bruce, Stan Webb, Leslie West, Eloy, Colosseum u.v.m.), jedoch kommerziell floppten. So kauften wir solche Bands zu günstigsten Tarifen ein und liessen sie dann über 'die Lande' fahren und in Mehrzweckhallen auftreten. Meistens mit überwältigendem Publikumserfolg. Die Bands waren's zufrieden, das Publikum wähnte sich an einem grossstädtischen Megakonzert und wir als Veranstalter konnten den prallen Geldsäckel streicheln. So war also allen gedient.

Ganz speziell kann ich mich dabei noch an die legendären JANE - die deutsche Krautrockband - erinnern. Wir schickten sie anno 1983 mit ihrem alten klapprigen Tourbus über die ländliche Schweiz. Ich war mit Ihnen mehr als eine Woche unterwegs. Das war echt anstrengend für mich. Nicht, dass sie mich etwa mit Starallüren geplagt hätten. Ganz im Gegenteil. Sie waren eine echt verschworene und ungemein interessante Band, mit denen ich die schrägsten Sachen diskutieren konnte. Nur: Sie soffen wie die Weltmeister. Ich nannte sie deshalb immer zärtlich: Die glücklichsten Alkoholiker auf unserem Planeten. Peter Panka, ihr Schlagzeuger, der leider im letzten Sommer an Lugenkrebs gestorben ist, bleibt mir auf ewig in Erinnerung. Erstmals durch sein exaktes Drumming, dann v.a. durch sein Ritual vor jedem Konzert: Eine Flasche Cognac leeren, dann folgte ein nettes Spürchen weissliches Pulver und auf gings hinters Schlagzeug. 37 Jahre sass Peter Panka unerschütterlich am Schlagzeug von Jane und wurde von den Fans liebevoll "Gonzo, der Krautrock-Fels" genannt. Ja, lieber Peter: In der Zwischenzeit ist ja ein ansehnliches Grüppchen von bestandenen Rockgurus im Himmel droben. Manchmal des Nachts halte ich still und lausche Euren sphärischen Klängen und ich glaube, Dein unnachahmliches Bearbeiten der Felle herauszuhören. Keep on Rockin', lieber Peter.

JANE mit "Out in the Rain". Man beachte den etwas gezeichneten Mann mit Mikrofon: DAS IST PETER PANKA!!!

1 Kommentare:

Christian Henner-Fehr hat gesagt…

Ah super, Jane ist eine der Gruppen, die ich immer wieder gerne höre. Danke für Blogpost und Video. Hier ist mein Favorit.