Mittwoch, 17. September 2008

Über die Notwendigkeit, Hofnarren zu beschäftigen


Die Finanzwelt wankt und bemüht sich mit allerlei Tricks, sich vor dem drohenden Absturz zu retten. Dummerweise haben sich diese Herren nie ausmalen können, dass auch sie eingebettet sind ins Netz menschlichen Zusammenlebens. Ein solcher Zusammenbruch kann heute - Globalisierung sei Dank - die meisten Volkswirtschaften ins Verderben stürzen. In ihrem selbstgewählten Elfenbeintum haben diese Macher wohl nur kopfnickende Spiegel und zustimmende Echos zugelassen.

Im Nachhinein ist man meistens klüger... wie hier Graf von Krockow, Sprecher der Privatbank Sal. Oppenheim:

"... Die im Zuge der Globalisierung enorm gestiegenen Renditeansprüche waren ja immer nur mit einer höheren Verschuldung zu erfüllen. Die Gier muss gestoppt werden. Man kann nicht mit fremder Leute Geld grosse Spielkasinos betreiben. 15 Prozent nachhaltige Eigenkapitalrendite sind mit einem normalen, soliden Geschäft einfach nicht machbar ..."

Von Krockow hält also 15 Prozent Eigenkapitalrendite nicht für nachhaltig machbar. Normale Leute sehen Sätze zwischen 3 und 7 Prozent als nachhaltig machbar für das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft. Wer jedoch wie Ackermann (Deutsche Bank) auf 25 Prozent aus ist, der schadet den Unternehmen, den Menschen, die in ihnen arbeiten und der Volkswirtschaft, in der er lebt.

Um diese Gefahr des Unwidersprochenen wussten früher wohl die meisten Herrscher. Deshalb hielten sich die Könige einen Hofnarren nebst den Jagdhunden, den Falken und Adlern. Die Aufgabe des Hofnarren war es, den Herrscher zu zerstreuen und aufzuheitern. Er verfügte über Fabeln und Wortspiele, auch konnte er singen und Laute spielen. Vor allem zeichnete er sich durch seine Schlagfertigkeit aus. Ihm war fast alles erlaubt, was anderen verboten war. Er allein hatte das Recht, die Wahrheit zu sagen. Unverblümt. Als scharfer Beobachter des Zeitgeschehens war er der Einzige, der dem Herrscher die Wahrheit übermitteln und ihn auch in seinem Regieren kritisieren durfte.

Vielleicht müsste man den Beruf des Hofnarren wieder reaktivieren. Arbeit hätten solche Hofnarren heute in Hülle und Fülle.

Unsere grauen HR-Verantwortlichen hätten garantiert ihre liebe Mühe, ein entsprechendes Anforderungsprofil zu erstellen. Deshalb gebe ich ihnen hier ein paar Anregungen.

Grundsatz:
Das Anforderungsprofil eines Hofnarren ist in allen Punkten konträr zu allem Gewohnten zu gestalten.

Haupterfordernisse:
Ein Hofnarr zeichnet sich durch intelligente Naivität aus. Er passt in kein vorgebenes Schema.

Er besitzt die Fähigkeit, die Dinge von allen Seiten, manchmal auch aus unmöglichen Perspektiven, zu betrachten.

Er muss manchmal so tun, als wäre er ein Spassmacher.
Ist Dir ein solches Anforderungsprofil je in einem Stelleninserat begegnet?

Bild ausgeliehen von Rottenburger Narrenspiegel

2 Kommentare:

Stray

Ah! In alter Frische zurück und immer noch in Hochform.

Da muss ich deinen Blog ja glatt wieder in die Blogroll aufnehmen :-)

Frau Zappadong

Hausfrau Hanna

Ich bin erfreut, liebe Frau Zappadong, dass auch Sie sich wieder gemeldet haben in der 'Bodenständigen Kost'. Übrigens wären S i e meiner Meinung nach die geeignete Hofnärrin. Was meinen Sie?

Respekt- und hochachtungsvoll grüsst Sie
Hausfrau Hanna
(die sich zuerst für diesen Job ernsthaft interessierte, ihn aber auf den zweiten Blick als zu anstrengend und verschleissend einzuschätzen begann...)

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