Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
Schön, dass Sie bei mir fündig geworden sind. Das wunderbare Gedicht "Herbsttag" (Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr) von Rainer Maria Rilke können Sie gerne kopieren. Falls Sie noch mehr Rilke-Gedichte und -texte lesen möchten, empfehle ich Ihnen "Mit Rilke durch das Jahr...".
Doch genug der Worte, hier ist also das Gedicht, das Sie vorhin gesucht haben:
HerbsttagOder möchten Sie es sich gerne anhören (Rezitation: Matthias Habich):
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.





4 Kommentare:
Es ist zwar gerade Mai - aber es geht ja nicht nur um Herbst. Definitiv eines meiner Lieblingsgedichte - auch als Erinnerung, das Leben nicht einfach dahinplätschern zu lassen.
Viele Grüsse,
Fenja
danke fuer dieses Gedicht... ein von meinen beliebtesten...
Vielen Dank für die Erinnerung an dieses Meistergedicht.
gero nimo
Herbsttag, ein berührendes Gedicht von Rainer Maria Rilke. Es beschreibt den Lebenszyklus mit einer achtsamen Eindringlichkeit, die dazu ermahnt, sich den goldenen Stunden des Seins völlig hinzugeben, sie so intensiv zu pflücken, als sei es der letzte Tag, der einem gewidmet ist. Gerade heute, wo wir doch so wenig bedeutendes machen, machen müssen, ist es klug sich wieder zu besinnen, auf das eigene Leben, die wahrhaftig wichtigen Ziele, nämlich die Begegnungen mit anderen wertvollen Menschen, auf die bedeutenden, goldenen Stunden des Lebens.
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