Worte zum Sonntag
DIE TRADITION
Setze sie fort - jetzt.
Setze sie fort.
Setze sie fort - jetzt.
Setze sie fort.
Setze die Tradition fort.
Seit dem Anbeginn der Zeit gab es schwarze Menschen,
die sie fortgesetzt haben.
Ob in Ghana oder Mali oder Timbuktu,
wir haben sie fortgesetzt.
Wir setzten die Tradition fort.
Wir versteckten uns im Busch,
als die Sklavenjäger kamen,
in den Händen die Speere.
Und im richtigen Moment
sprangen wir hervor und liessen das Lebensblut
dieser Möchtegern-Herren verströmen.
Wir setzten die Tradition fort.
Stürzten uns selbst
von den Sklavenschiffen herab ins Meer.
Schnitten unseren Fängern die Kehlen durch.
Nahmen ihre Peitschen.
Und ihre Schiffe.
Blut strömte in den Atlantik -
und es kam nicht allein von uns.
Wir setzten die Tradition fort.
Fütterten Missy mit Arsenapfelkuchen.
Stahlen die Beile aus den Schuppen.
Gingen los und schlugen Master den Kopf ab.
Wir liefen weg. Wir kämpften.
Wir organisierten Fluchtwege und Unterschlupf.
Und den Untergrund.
Wir setzten die Tradition fort.
In Zeitungen. Auf Veranstaltungen.
In Diskussionen und Strassenkämpfen.
Wir setzten sie fort.
In Geschichten für unsere Kinder.
In Liedem und Balladen.
In Gedichten und Bluessongs
und im Schrei des Saxophons
wir setzten sie fort.
In Klassenzimmern. In Kirchen.
In Gerichtssälen. In Gefängnissen.
Wir setzten sie fort.
Beim Redenhalten und Streikpostenstehen.
Beim Stellunghalten im Wohlfahrtsamt, im Arbeitsamt. Beim Stellunghalten im Kampf
setzten wir sie fort.
Bei Sit-ins und Pray-ins,
bei March-ins und Die-ins,
wir setzten sie fort.
In kalten Nächten am Missouri
richteten wir dem Lynchmob die Gewehre entgegen.
Auf brennenden Strassen in Brooklyn
warfen wir Steine gegen Gewehre.
Wir setzten sie fort.
Gegen Wasserwerfer und Bullenhunde.
Gegen Gummiknüppel und Kugeln.
Gegen Panzer und Tränengas.
Nadeln und Schlingen.
Bomben und Geburtenkontrolle.
Wir setzten sie fort.
In Selma und San Juan.
Mozambique und Mississippi.
In Brasilien und in Boston,
wir setzten sie fort.
Durch die Lügen und den Ausverkauf.
Die Fehler und den Irrsinn.
Durch Schmerz und Hunger und Frust,
wir setzten sie fort.
Setzten sie fort, die Tradition.
Eine starke Tradition.
Eine stolze Tradition.
Eine schwarze Tradition.
Setzt sie fort.
Gebt sie weiter an die Kinder.
Gebt sie weiter.
Setzt sie fort.
Setzt sie fort - jetzt.
Setzt sie fort
BIS ZUR FREIHEIT!
Aus dem Buch:
Assata Shakur / Assata -Eine Autobiographie aus dem schwarzen Widerstand
Atlantik-Verlag - www.atlantik-verlag.de
Assata Shakur ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der schwarzen Bewegung der 70er Jahre in den USA. In ihrer Autobiographie zeichnet sie den Lebensweg einer ebenso ungewöhnlichen wie bemerkenswerten schwarzen Frau nach. Da ist das Mädchen vom Lande mit Elvis-Anstecker, die rotzfreche Göre, die sich in Harlem herumtreibt und gegen den Vietnam-Krieg demonstriert, ebenso wie die junge Frau, die sich in der Black Panther Party organisiert, und die politische Gefangene, der ihr in der Haft geborenes Kind genommen wird. Nach der Flucht aus dem Gefängnis lebt sie heute im politischen Asyl auf Kuba. Ein beeindruckendes Buch, das inzwischen in der 3. Auflage erschienen ist. Die Autobiographie ist nicht nur eine Rückschau auf das bisherige Leben der Autorin, es ist zugleich ein beeindruckendes Zeugnis über das Lebensgefühl schwarzer Frauen in den USA in den 60er und 70er Jahren.





0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen