Mittwoch, 31. Dezember 2008

Über den Wert wahrer Kulturarbeit

Das Jahr 2008 haucht sein Leben aus. Noch ein paar Stunden trennen uns vom "Neuen". Was wird neu daran sein?

Prognosen zu stellen, erweist sich als immer schwieriger. Obwohl ich versuche, "das grosse Spiel" zu verstehen, muss ich doch kapitulieren. Hier reicht meine bodenständige Sichtweise nicht mehr aus. Auch die Logik des lieben Aristoteles genügt da nicht mehr. Zu oft habe ich erfahren müssen, dass es nicht greifbare Kräfte gibt, die sich jeglicher Logik entziehen.

Ob der "grosse Plan" dieser seltsamen Kräfte aufgehen wird? Oder gibt's wohl doch etwas Grösseres, Umfassenderes? Gibt's eine ausgleichende Kraft in diesem Universum? Eine Ge-RECHT-igkeit?

Was ich jedoch mit Bestimmtheit weiss, ist, dass wir alle, die guten Mutes sind, eine Kraft in uns haben, die dem Kommenden trotzen kann. Es ist unsere innewohnende Kreativität. Und glaubt mir, diese Kraft, die alles schafft, haben die bereits erwähnten "seltsamen Kräfte" nicht (mehr). Sie sind auf uns angewiesen. Sie (miss-)brauchen diese Kreativität, wie Vampire scheinbar Blut brauchen.

Brauchen wir also unsere ungebrochene Kreativität im Neuen Jahr, um unser Leben umzugestalten. Unserem Leben einen Sinn zu geben. Denn nur das ist wahre Kulturarbeit. Lasst uns wieder zusammenrücken, den Einflüsterungen der "seltsamen Kräfte" und ihren Helfershelfern widerstehen, dem süssen Gift des Lifestyles entsagen.

Das, liebe Freunde, und ich wiederhole mich: Das ist wahre Kulturarbeit an sich selbst. Wir brauchen Wurzeln und wir brauchen auch Flügel. Nicht mehr und nicht weniger.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Dienstag, 30. Dezember 2008

Legenden wandern aus

Mitch Mitchell (r.) war zusammen mit Noel Redding (l.)
und Jimi Hendrix (m.) in der Band The Jimi Hendrix Experience.
Foto: AP

Wieder einmal hinkt BodeständiX der Zeit hintennach. Beim morgendlichen Googeln ist er nämlich auf folgende Meldung gestossen:

Der Schlagzeuger der legendären Band The Jimi Hendrix Experience ist tot. Mitch Mitchell sei im Alter von 62 Jahren am Mittwoch, 12. November 2008, tot in einem Hotelzimmer im US-Bundesstaat Oregon gefunden worden, sagte ein Sprecher des zuständigen gerichtsmedizinischen Instituts US-Medien.
Irgendwie passt diese Meldung in meine derzeit vorherrschende Altjahresstimmung. Legenden sterben, wandern für immer aus. Zurück bleiben Fragmente des Erinnerns. Vorbei, doch nicht vergessen.

Ich liebe diese wenigen Tage, die nach Weihnachten beginnen und bis Silvesternacht andauern. Sie geben mir Schutz und Geborgenheit, über das Verflossene nachzudenken, ohne mich schon mit dem Kommenden zu beschäftigen. Das Leben fliesst in dieser Zeit viel gemächlicher. Das hektische Wirtschaftsleben ruht. Die Beizen beherbergen ein melancholisches Völklein. Man höckelt so da, nimmt ab und zu einen tiefen Schluck Geistiges zu sich, seufzt und blickt in die bedächtige Runde. Was wohl das neue Jahr bringen wird? Wer weiss das schon. Gut, dass einem diese Altjahreszeit Halt gibt.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Musik zum Sonntag

Hallo, liebe jüngere Generation!

Hier ein unvergleichliches Tondokument des 60er-Jahre-Zeitgeistes: Schräg, ohne Logik, berauscht... tiefe Einsamkeit. Das in einer atemberaubenden Interpretation des Dylan-Klassikers "It's all over now, Baby Blue" von THEM (mit Van Morrison):



Hier habe ich noch eine ziemlich gute deutsche Übersetzung (Christian Pfarr) dieses Liedes gefunden:

Du musst jetzt gehen.
Nimm mit, was du gebrauchen kannst und was – im Gegensatz zu mir – sein Verfallsdatum noch nicht erreicht hat.
Aber egal, was du mitnehmen willst: krall's dir lieber gleich!

Denn dort drüben steht dein verlassener Waisenknabe mit der Knarre in der Hand,
heult, als wäre auf der Sonne ein Feuer ausgebrochen.
Pass mal auf, Baby, Heilige können so was ab.
Und jetzt ist sowieso alles aus, Kleines.

Die Landstrasse ist etwas für Spielernaturen,
besser, du benutzt deinen Verstand.
Begnüg dich mit dem, was dir zufällig in den Schoss fällt.
Der Maler mit den leeren Händen, dem du unterwegs begegnest, zeichnet verrückte Muster auf deine leeren Blätter.
Und dann stürzt auch noch der Himmel über dir ein.
Jetzt ist sowieso alles aus, mein Kleines.

So, jetzt aber runter vom Sprungbrett!
Irgendetwas ruft nach dir.
Komm, vergiss einfach deine Schuld, die bei mir aufgelaufen ist – sieh's mal so: sie bleibt hier, und du bist fort.

Dein Liebhaber, der gerade zur Tür raus ist,
hat seine Kuscheldecke zusammengelegt und mitgenommen.
Und jetzt faltet sich auch noch der Teppich über dir zusammen –
Es ist aus, Kleines.

Neues Spiel, neues Glück –
hier ist jedenfalls Feierabend...

Worte zum Sonntag

DIE TRADITION

Setze sie fort - jetzt.
Setze sie fort.

Setze sie fort - jetzt.
Setze sie fort.

Setze die Tradition fort.

Seit dem Anbeginn der Zeit gab es schwarze Menschen,
die sie fortgesetzt haben.
Ob in Ghana oder Mali oder Timbuktu,
wir haben sie fortgesetzt.

Wir setzten die Tradition fort.

Wir versteckten uns im Busch,
als die Sklavenjäger kamen,
in den Händen die Speere.
Und im richtigen Moment
sprangen wir hervor und liessen das Lebensblut
dieser Möchtegern-Herren verströmen.

Wir setzten die Tradition fort.

Stürzten uns selbst
von den Sklavenschiffen herab ins Meer.
Schnitten unseren Fängern die Kehlen durch.
Nahmen ihre Peitschen.
Und ihre Schiffe.
Blut strömte in den Atlantik -
und es kam nicht allein von uns.

Wir setzten die Tradition fort.

Fütterten Missy mit Arsenapfelkuchen.
Stahlen die Beile aus den Schuppen.
Gingen los und schlugen Master den Kopf ab.

Wir liefen weg. Wir kämpften.
Wir organisierten Fluchtwege und Unterschlupf.
Und den Untergrund.

Wir setzten die Tradition fort.

In Zeitungen. Auf Veranstaltungen.
In Diskussionen und Strassenkämpfen.
Wir setzten sie fort.

In Geschichten für unsere Kinder.
In Liedem und Balladen.
In Gedichten und Bluessongs
und im Schrei des Saxophons
wir setzten sie fort.

In Klassenzimmern. In Kirchen.
In Gerichtssälen. In Gefängnissen.
Wir setzten sie fort.

Beim Redenhalten und Streikpostenstehen.
Beim Stellunghalten im Wohlfahrtsamt, im Arbeitsamt. Beim Stellunghalten im Kampf
setzten wir sie fort.

Bei Sit-ins und Pray-ins,
bei March-ins und Die-ins,
wir setzten sie fort.

In kalten Nächten am Missouri
richteten wir dem Lynchmob die Gewehre entgegen.
Auf brennenden Strassen in Brooklyn
warfen wir Steine gegen Gewehre.

Wir setzten sie fort.

Gegen Wasserwerfer und Bullenhunde.
Gegen Gummiknüppel und Kugeln.
Gegen Panzer und Tränengas.
Nadeln und Schlingen.
Bomben und Geburtenkontrolle.
Wir setzten sie fort.

In Selma und San Juan.
Mozambique und Mississippi.
In Brasilien und in Boston,
wir setzten sie fort.

Durch die Lügen und den Ausverkauf.
Die Fehler und den Irrsinn.
Durch Schmerz und Hunger und Frust,
wir setzten sie fort.

Setzten sie fort, die Tradition.

Eine starke Tradition.

Eine stolze Tradition.

Eine schwarze Tradition.

Setzt sie fort.


Gebt sie weiter an die Kinder.
Gebt sie weiter.
Setzt sie fort.
Setzt sie fort - jetzt.
Setzt sie fort
BIS ZUR FREIHEIT!

Aus dem Buch:
Assata Shakur / Assata -Eine Autobiographie aus dem schwarzen Widerstand
Atlantik-Verlag - www.atlantik-verlag.de

Assata Shakur ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der schwarzen Bewegung der 70er Jahre in den USA. In ihrer Autobiographie zeichnet sie den Lebensweg einer ebenso ungewöhnlichen wie bemerkenswerten schwarzen Frau nach. Da ist das Mädchen vom Lande mit Elvis-Anstecker, die rotzfreche Göre, die sich in Harlem herumtreibt und gegen den Vietnam-Krieg demonstriert, ebenso wie die junge Frau, die sich in der Black Panther Party organisiert, und die politische Gefangene, der ihr in der Haft geborenes Kind genommen wird. Nach der Flucht aus dem Gefängnis lebt sie heute im politischen Asyl auf Kuba. Ein beeindruckendes Buch, das inzwischen in der 3. Auflage erschienen ist. Die Autobiographie ist nicht nur eine Rückschau auf das bisherige Leben der Autorin, es ist zugleich ein beeindruckendes Zeugnis über das Lebensgefühl schwarzer Frauen in den USA in den 60er und 70er Jahren.

Samstag, 27. Dezember 2008

Wie Hobos früher kochten

Meinen aufmerksamen BloglesernInnen ist's sicher nicht entgangen, dass ich hie und da von Outdoor-Erlebnissen schwärme. Es gibt für mich wahrlich nichts Schöneres, als draussen in der Natur zu sitzen, zu schlafen und vor allem auch... zu speisen. Da draussen schmeckt nämlich sogar eine profane Schweizer Wurst, gegrillt und geschmort über dem offenen Feuer (besser: Glut), vorzüglich. Eine maschinell hergestellte Knorr-Suppe, flugs aus dem Beutel befreit und hineingerührt ins kochende Gamellenwasser, bekommt durch des Feuers Würze Gehalt und Geschmack. Manchmal hat's mich auch in Gegenden verschlagen, wo es mir nicht möglich gewesen ist, ein Feuerchen zu entfachen. Da hab' ich mir dann mit einem Gaskocher ausgeholfen. Ein leckeres Holzfeuerchen jedoch kann ein solcher nie und nimmer ersetzen.

Doch jetzt habe ich etwas ganz Erstaunliches entdeckt. In Oberdorf SO (Weissenstein) gibt's einen überaus hellen Kopf. Der hat ein ganz altes Kochprinzip

Das Prinzip des "HOBO-Ofens" ist beinahe 150 Jahre alt. Ausgedacht wurde es von den Wanderarbeitern (Hobos), welche die weiten Gebiete des nordamerikanischen Kontinents durchstreiften. Sie benötigten eine einfache und wirkungsvolle Methode, um ihr Essen zu kochen. Dies erreichten sie, indem sie ihre leeren Konservendosen derart mit Öffnungen versahen, dass ein Brennraum entstand, in welchem sich die Hitze konzentriert entfalten konnte. Die Hitzeentwicklung war so gross, dass sie auch feuchtes oder schlechtes Brennmaterial verwenden konnten.
weiterentwickelt und bietet unter dem Namen Magic-Flame ein erstaunliches Gerät an. Dieses kleine Ding erzeugt sagenhafte 800 Grad Celsius mit nahezu allem möglichen Brennstoff der mickrigsten Art und verwertet auch feuchtes oder morsches Holz gut. Ist sogar, und das dürfte die Herren der Schöpfung entzücken, durch seine hohe Arbeitstemperatur SELBSTREINIGEND!

Dieses Gerät muss ich mir zulegen. Wer weiss, ob es mir nicht auch zuhause (noch) gute Dienste leisten wird?

Fast hätte ich es vergessen: HIER ist der Link zu diesem feinen Gerät.

Und hier können wir mit Arlo Guthrie in längst verblichenen Hobo-Zeiten schwelgen:


Donnerstag, 25. Dezember 2008

Das Betteln adeln

Da hat doch gestern die Süddeutsche übers Betteln geschrieben. Im Anriss heisst's: Schroffe Herablassung statt dankbarer Grosszügigkeit: Unsere Gesellschaft hat verlernt, mit dem uralten Gewerbe des Bettelns angemessen zu leben.

Gewiss, gewiss, das haben wir verlernt. Nicht alle, denn bereits anfangs 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hat mir damals ein nicht unweiser Mann während meines US-Aufenthaltes aufgezeigt, worauf es beim Almosengeben ankommt: "Schau' dem Bettler einfach in die Augen", so der nicht ganz unweise Mann. "Wenn er gute Augen hat, dann gib' ihm. Denn dann ist deine Gabe für beide Seiten segensreich." Und so halte ich es bis heute.

Dass das Betteln auch eine Kunst ist, habe ich Ende 80er Jahre persönlich miterlebt. Ich habe HIER darüber geschrieben und den Schlusssatz dieses Beitrages möchte ich für den heutigen weihnächtlichen Tag bereit halten:

Erfolgreiche Bettler nehmen nicht nur, sie geben ihren Spendern auch etwas zurück: Ein gutes Gefühl!
Wenn wir schon beim Betteln sind, gönnen wir uns doch wieder einmal ein bisschen "Beggar's Opera". Diese geniale Oper (John Gay, Text und Johann Christoph Pepusch, Musik) wird im Deutschen gerne mit "Bettleroper" übersetzt. Besser müsste es jedoch m.E. heissen: Des Bettlers Oper. Diese Formulierung gibt diesem Gewerbe doch einiges an Adel zurück:


Mittwoch, 24. Dezember 2008

Kultur im besten Sinne

Seit Wochen schon hämmern uns die g'scheiten Psychologen ein, dass wir über Weihnachten arg gefährdet sind. Harmoniesüchtig und in Erwartung familieneinträchtigen Beisammenseins werden wir alle zu tickenden Zeitbomben. Diese Beschwörungen sind so eindringlich, dass ich befürchte, Weihnachten müsse nächstens verboten werden (da hätte jedoch die Wirtschaft keine Freude daran!).

Was ist denn so schlimm, über Weihnachten ein bisschen anders zu ticken? Sich für einmal versöhnlich zu geben? Dem aufsteigenden Ärger nicht nachzugeben? Einfach wie Buddha ein seliges Lächeln aufzusetzen und zu SEIN? Das geht tatsächlich. Auch wenn Eltern und Grosseltern wahre Nervensägen sein können. Einfach mal stille halten, zuhören und weise lächeln.

Ich mache übrigens seit vielen Jahren ein für mich stimmiges Ritual. Den Heiligen Abend habe ich exklusiv für mich gepachtet. Da gibt's keine Besuche. Da bin ich unabkömmlich. Wenn's so richtig dunkel ist, gehe ich hinaus in die Natur. Mache im finsteren Wald ein munteres Feuerlein und setze mich dazu. So kann ich die ganz eigenartige Stimmung für mich geniessen. Es hat tatsächlich etwas an der Heiligen Nacht: Sie ist anders als die übrigen 364 Nächte. Der Friede, so ich ihn denn einlasse, wirkt befreiend, macht mich glücklich und stärkt mich für ein weiteres Jahr.

Dass sogar ganz und gar Unverdächtige auch zu ähnlichen Erfahrungen gekommen sind, möchte ich mit einem Interview-Auszug aus dem Jahre 1986 belegen. Wer war der Interviewte? Der Niklaus Meienberg, der bekanntlich sein Herz ganz links getragen hat:

„Eine Zeitlang schien mir die katholische Erziehung kulturelle Zwangsernährung. Aber jetzt, wo ich sehe, wie immer mehr Formen untergehen, zum Beispiel die Liturgie, Weihnachten, Ostern, Pfingsten, das war früher Einheit mit dem Kosmos, das tut mir jetzt weh, da geht eine wahnsinnige Welt unter, an der ich noch partizipiert habe, das war sinnlich, war Kultur im besten Sinn.“

Dienstag, 23. Dezember 2008

Mehr Punk, weniger Junk

Wo in aller Welt hat die Zürcher Stapi-Kandidatin nur ihren Bass gezupft? Dieses von ihr nicht gelüftete Geheimnis erschüttert die Blogszene. Doch endlich können wir aufatmen: BodeständiX enthüllt in Co-Produktion mit Hotcha EXKLUSIV, bei wem Corine Mauch die Basssaiten zupfte: Bei den RUNAWAYS!

Wählt also die Corine Mauch: Punk statt Junk!

Aufmunternde Worte zum Dienstag

Wer die menschliche Natur beurteilen will, muss die Ausreden der Leute studieren.
(Friedrich Hebbel)

Montag, 22. Dezember 2008

Puurezmorge? Jodlerobe? Stubete?

BodeständiX ist aufgefallen, dass in letzter Zeit einige seiner liebsten BloggerInnen muntere Rätselraten inszeniert haben. Da möchte BodeständiX natürlich nicht hintenanstehen und auch ein nettes Rätsel aufschalten.

Also: BodeständiX war am vergangen Samstag, 20.12.08 an einer kulturellen Veranstaltung und frägt nun seine LeserInnen, was für eine Art Kulturhappening dies wohl gewesen sein mag. Beispiele dazu: Jodlerobe, Puurezmorge, Stubete etc. Hier ein Fotteli, das möglicherweise einen Hinweis geben kann:

Und jetzt freut sich BodeständiX auf ein munteres Räselraten.

PS: (Montagabend um ca. 21 Uhr): Irgendwie beherberge ich schon eine äusserst müde Gemeinde. Nix Kommentare. Also: Ratet, Ihr lieben Ratlosen.

Aufmunternde Worte zum Montag

Wahrheit lässt sich nur durch Erfassen der Gegensätze begreifen.
(Chinesische Weisheit)

Samstag, 20. Dezember 2008

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde...

Damit wir nicht vergessen, dass trotz aller Krisen IMMER Wunder möglich sind, lade ich hier dieses Video hoch. Erstaunlich, dass solches möglich ist und schön zu wissen, dass es da draussen Dinge gibt, die wir Menschen nicht auf Anhieb verstehen:



...und dann noch eines, das eindrücklich dokumentiert, was Gemeinsinn und Zusammenhalt gegen RÄUBER bewirken kann. Noch ist nicht alles verloren...

Das eben ist der Teufel

Heute pflücke ich einmal den Novalis raus. Ganz zufällig bin ich nämlich vorhin über ein Gedicht dieses meisterhaften Wortdrechslers gestolpert. Der sinnige Titel: Der Teufel. Siehe da: Gewisse Ähnlichkeiten mit unserer Zeit sind nicht wegzuleugnen. Lauschen wir also den Worten Novalis:

Der Teufel
Ein loser Schalk, in dessen Beutel
Es just nicht allzu richtig stand,
Und der den Spruch, dass leider alles eitel
Auf unserm Runde ist, nur zu bestätigt fand,
Zog einst voll Spekulationen
In eine Stadt en migniatur,
Und schlug an jedes Tor und an die Rathaustür
Ein Avertissement mit vielen Worten schier,
Er werde heut in den Drei Kronen
Um fünf Uhr nachmittags den Teufel jedermann
Vom Ratsherrn bis zum Bettelmann
Für zwanzig Kreuzer präsentieren
Und ohne ihn bevor erst herzukommandieren.
Was Beine hatte, lief zum grossen Wundermann,
Und überall war eine Weihnachtsfreude;
Der Bürgermeister schrieb mit Kreide
Den Tag an seiner Türe an,
Und jeder Ratsherr kam mit einem Galakleide
Und einer knotigen Perücke angetan,
Und will das Wunder sehn; auch mancher Handwerksmann
Kam hübsch bedächtlich angeschlichen
Und gab die Kreuzer hin, die er den Tag gewann.
Ein Schneider nur ging nicht zum Wundersmann
Und sprach: "Ich seh umsonst den Teufel alle Tage
In meiner jungen Frau zu meiner grössten Plage,
Und der ist toller fürwahr als der beim Wundersmann."

Als endlich männiglichen
Der Held sich mit dem leeren Beutel zeigt
Und erst mit wichtger Miene schweigt
Und dann geheimnisvoll nur wenig Worte saget
Und seine Auditoren fraget,
Ob auch kein Atheist in der Versammlung sei,
Erstieg die Trunkenheit der blöden Phantasei
Den Gipfel, und der Schalk beginnt die Gaukelei.
Nach manchem hocus-pocus ziehet
Der Schalk den Beutel auf und jeglicher bemühet
Sich sehr den Leidigen zu sehn, doch jeder siehet
Nichts auf der Welt–; ein junger Taugenichts,
Der näher stand, ein bel esprit, voll Zweifel
Wie mancher Kandidat, beginnt: "Ich seh ja nichts."
"Das eben", rief der Schalk, "das eben ist der Teufel."

...und weil sich dieses Jahr bald dem Ende zuneigt, verabschieden wir es standesgemäss mit einer ergreifenden Interpretation eines Schubert'schen Schwanengesanges durch Nana Mouskouri:

Freitag, 19. Dezember 2008

Hilfe, wir werden demokratisiert

Huuuuuuuuuch, mir schwant Böses. Was, wenn dieser Herr nun in Bern einfällt?

Nicht denken, sauber bleiben

Ich hätte da für meine BlogleserInnen ein wunderschönes Buch in Erinnerung zu rufen. In der stillen Nachweihnachtszeit hättet Ihr sicher genügend Musse, darinnen mit immer grösser werdenden Augen zu lesen:

Auf die Bäume, ihr Affen (Achtung: wenn Ihr's darüber bestellt, verdiene ich daran!!!)

Unser Landsmann Hans A. Pestalozzi war seiner Zeit zu weit voraus, deshalb haben wir nicht auf ihn gehört. Wurde er von uns nicht als SPINNER mit seiner AUTONOMIE, um deren wahre Bedeutung wir uns niemals gekümmert haben, abgetan?

Hier noch einige bedenkenswerte Zitate aus seiner Feder:

Wie sehr Macht der Wahrheit im Wege steht, ergibt sich schon daraus, dass zur Macht die Angst gehört.

Der eine gründet seinen Hochmut auf rote Backen, der andere auf den Geldbeutel, der dritte auf den Verstand, den er nicht braucht.

Reiche Schelme sind immer hart gegen arme Schelme und gewaltige Sünder immer boshaft gegen arme und ohnmächtige Sünder.

Worte sind wie der Rauch Zeichen des Feuers, nicht das Feuer selbst, und je reiner das Feuer, desto weniger Rauch.

Über Bilanzen und sonstiges Geheimwissen

Wenn ich schon bei unseren Elitemenschen verweile, gehört auch folgendes Zitat eines Wirtschaftsprofessors dazu:

"Vergessen Sie es". (...) "Diese Bilanzen durchschaut niemand."

Die Finanzprofis haben sich daran gewöhnt. Sie lesen keine Bilanzen. Sie lassen lesen.
Den ganzen köstlichen Beitrag kannst Du HIER nachlesen.

Über verantwortungsvolles Tun

Manchmal scheint es mir schon richtig und wichtig, dass MANN sich mit früheren Zeiten auseinandersetzt. Hier zum Beispiel liest MANN über die ergötzlichen Hobbies unserer "Wirtschaftsführer". Die meisten davon heute nicht mehr in Amt und Würde. Die hätten auch lieber mehr Zeit fürs Geschäft aufgewendet. Die redeten doch immer von ihrer riesigen Verantwortung, mit der sie ihre exorbitanten Gehälter entschuldigten...

Schlechte Zeiten für G'scheite

Kennt Ihr den Roda Roda, diesen überaus intelligenten Burschen, welcher 1938 in die Schweiz einreiste und bald wieder ausreisen musste, weil ihm das die Schweizer Behörde nahelegte und ihm gleichzeitig, so als vorausschauende Massnahme, ein Berufsverbot auferlegte? So geht's halt intelligenten Menschen in Krisenzeiten, vor allem, wenn sie G'scheites sagen:



Es ist ein Zeichen von Intelligenz: Andere überzeugen zu können.
Ein Zeichen von hoher Intelligenz: Auf andere hören und umlernen können.
Ein Zeichen äusserster Intelligenz: Auf niemanden hören.
...und noch schnell den:
Gar oft verbirgt sich in groben Hosen
ein in sie gefallenes Herz.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Manchmal ist auch der BodeständiX verbildet

Da gibt's in Thalwil einen Schellackplattensammler, der in einem Interview (Bulletin Schweizerische Gesellschaft für Ethnomusikologie und Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz) erstaunliche Erkenntnisse dem Lesenden vermittelt. Ein Müsterchen möchte ich daraus picken (im Kontext zur Frage "Lassen sich in den Plattenaufnahmen ausländische Einflüsse nachweisen?" zu verstehen) :

"... Die Melodie des vermeintlich gutschweizerischen Kanons "Wenn eine tannigi Hose het" ist nichts anderes als das von Wendell Hall (Kansas, USA, 1896-1969) 1923 aufgenommene "It ain't gonna rain no mo'", dem der alte schweizerdeutsche Kindervers unterlegt wurde ..."
Find' ich überaus spannend. Obwohl ich das Original flüchtig kenne, machte ich nie den Link zum "Wenn eine tannigi Hose het". Manchmal ist auch der BodeständiX verbildet.

Und jetzt gelüstet uns sicher nach diesem Liedchen. Und siehe da, Youtube macht's möglich. Hier dieses "It ain't gonna rain no mo'" in einer Interpretation von Johnny Cash:

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Die Kehrseite des "Bösen"

Genug des "Pöhsen" geschrieben. Es gibt ja glücklicherweise auch die Kehrseite.Deshalb habe ich wieder einmal ein Gedicht ausgegraben - passend in diese tiefverschneite Zeit. Ich übergebe hiermit an Hermann Hesse:

In Weihnachtszeiten

In Weihnachtszeiten reis' ich gern
Und bin dem Kinderjubel fern
Und geh' in Wald und Schnee allein.
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
Trifft meine gute Stunde ein,
Dass ich von allem, was da war,
Auf einen Augenblick gesunde
Und irgendwo im Wald für eine Stunde
Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
Und wieder Knabe bin...

Dienstag, 16. Dezember 2008

Wie retten wir uns?

So geht es zu in unserem Schneeballsystem:

Aus: Financial Times Deutschland, Welle fauler Wertpapiere droht

"... Die führenden Bankmanager warnten davor, dass die hohe staatliche Kreditaufnahme weltweit zu einer Kreditklemme selbst für solide Unternehmen führen könnte. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, wies darauf ebenso wie Ackermann hin. Sogar Unternehmen mit dem besten Bonitätsrating "AAA" (Triple A) könnten deshalb in Schwierigkeiten kommen.

Wie Müller und Ackermann erklärten, führt die in der Regel hohe Bonität öffentlicher Kreditnehmer dazu, dass sich die Standards für die Bewertung von privaten Unternehmen automatisch erhöhten ..."
Wenn also sich die Staaten die Gelder für die Rettungspakete selber erst leihen müssen, treten sie als Kreditnehmer gleichsam in Konkurrenz zu anderen Kreditnehmern - eben zu bisher soliden Unternehmen, welche dadurch neu zu schlechteren Bedingungen jetzt Kredite - wenn überhaupt - erhalten. Das muss man sich erstmals auf der Zunge zergehen lassen. Wer jetzt noch ein bisschen weiter denken kann (und unser Schneeballsystem durchschaut), kommt zu wahrlich unschönen Einsichten...

Es geht nicht um unser Wohl

Gestern ist mir wieder einmal aufgefallen, wie die meisten unter uns auf Knopfdruck ein einfaches Programm abspulen: Links = Gut, Rechts = Schlecht/Böse. Aktueller Fall: Die kommende Abstimmung über die Erweiterung der Personenfreizügigkeit.

Dass ich diesem einfachen Muster nicht mehr folge, sollte eigentlich aus meinen verschiedenen Beiträgen ersichtlich sein. Für mich ist Politik, wie wir sie kennen, lediglich nette Inszenierung. Die wahren Drahtzieher sind jedoch für uns unsichtbar. Wenn jetzt an die Öffentlichkeit dringt, dass unsere PolitikerInnen AUCH Schmiergelder erhalten, um damit Partikularinteressen zu dienen, jedoch nur bürgerliche Parlamentarier - also die Rechte - sich schmieren lassen, dann muss ich lächeln. Meine Damen und Herren: Das ist gelinde gesagt Naivität pur. Oder eben: Gehirnwäsche.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Linke allgemein als das Böse verunglimpft wurde (Cincera, Fichenskandal etc.). Deshalb war ich - immer in Opposition mit dem Mainstream - ein Linker. Voller Idealismus und Tatendrang und deshalb gerne bereit, für eine Links-Partei als Parteisekretär zu arbeiten. Selbstverständlich mit einem mickrigen 50-Prozent-Gehalt und mit der Erwartung einer 150prozentigen Arbeitszeitleistung (u.a. Sitzungen, Sitzungen, Sitzungen). Ich fühlte mich zwischen den sich rivalisierenden Blöcken zunehmend aufgerieben. Merkte, dass meine idealistische Auffassung von Politik dem brutalen Powerplay der oberen Parteibonzen diametral gegenüberstand. So habe ich den Parteivorstand um meine Entlassung gebeten - heute weiss ich, dass ich damals eindeutig unter einem Burn-Out-Syndrom gelitten habe. Drei Vorstands-Koryphäen (Präsident und zwei Vizepräsidenten) - zwei davon gewitzte Juristen - liessen mich flugs eine Erklärung unterschreiben, dass ich mit meinem sofortigen Austritt auf sämtliche, etwaige Ansprüche verzichte..

Also nochmals: Rinks wie Lechts spielt in diesem Spielchen, das uns noch teuer zu stehen kommt, überhaupt keine Rolle. Es geht im Endeffekt immer nur um Eines: NICHT UM UNSER WOHL.

Die wahre Rolle des Geldes

Mit grossem Amüsement verfolge ich die verzweifelten Anstrengungen der "Herrschenden", das marode Finanzsystem wieder auf "den Karren" zu bringen und weil ich unser Finanzsystem (Kapitalismus) als globales Schneeballsystem (s. dazu auch Debitismus) verstehe, weiss ich um die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens. Da ist nämlich ENDE (Game Over), wenn die Schuldensumme nicht steigt...

Geld, das in unserem Schneeball-System als übertragbares Schuldverhältnis (Kredit) und damit als Verpflichtung zu verstehen ist, muss demnach zwingend die Rolle des Hamsterrades erfüllen. Oder übertragen auf uns Arbeitsmenschen:

Geld ist nicht dazu da, damit gearbeitet wird, sondern dazu, um jemanden zu überreden, eine Arbeit zu verrichten, die er ohne Geld NICHT ausführen würde.
Und damit wäre ich wieder einmal HIER und HIER und HIER angelangt.

Montag, 15. Dezember 2008

Bundesrat will nicht mehr, muss aber...

Da BodeständiX den Polit-Spin durchaus (auch) draufhat, liest er die entsprechenden Mainstream-Medien-Berichte zwischen den Zeilen. Und siehe da:

Bundesrat will nicht über neue Banken-Hilfen spekulieren

Da ist doch etwas im Busch! Entweder nochmals UBS, oder doch Sorgenkind Nummer 2: CS?

Grenzenlose Arbeitsmöglichkeiten

Schon erstaunlich, was sich in Politikerhirnwindungen so für Unrat ansammelt. Oder ist das vielleicht ein weiterer Vorbote für kommende grenzenlose Arbeitsbeschäftigungsprogramme?

Arme sollen sich Zubrot durch Rattenjagd verdienen

Mir fehlen die Worte

Es gibt Zeiten, wo mich die Arglosigkeit vieler SchweizerInnen etwas beunruhigt. Da schlittern wir gerade in eine Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmasses, weil unser vielgepriesenes GRENZENLOSES System am Kollabieren ist, und träumen weiterhin ein grenzenloses Leben. Wir hinterlassen unseren Kindern damit eine Welt mit Billionen an Schulden, mit denen wir die Banken finanzieren, die ihnen dann die Zinsen unserer Schuld abknöpfen werden. Eine Welt ohne Jobs, ohne Zukunft, eine Finanzkrise, eine Kreditkartenkrise, eine Immobilienkrise, eine CDS-Krise und ich weiss nicht, was noch alles folgen wird.

Da macht sich Frau Zappadong auf Beiz 2.0 Sorgen über die kommende Abstimmung über die Weiterführung und Erweiterung der Personenfreizügigkeit. Sie befürchtet nämlich, dass sie abgelehnt werden wird, weil rechtsbürgerliche Kräfte schon tüchtig die Leserbriefspalten füllten. Was für eine messerscharfe Logik. Wenn diese Abstimmung wirklich "verlorengeht" (für wen denn?), dann nur aus einem Grund: aus nachvollziehbarer Existenzangst der Abstimmenden - und zwar von "Rinken" und "Lechten".

Noch mehr irritiert mich ein Kommentator, der u.a. leichtfüssig Folgendes unter ihren Beitrag geschrieben hat:

Es braucht nun Leute die hinstehen und den Leuten erklären, dass es längerfristig für sie besser ist, wenn sie nun - im Extremfall - als Schweizer Ingenieur (weil zu alt) die Stelle verlieren an eine jüngere Kraft aus Deutschland.
... (mir fehlen jetzt die Worte)

PS:
Ich hoffe, dass Frau Zappadong und die Kommentatoren das alles etwas ironisch meinten. Denn unsere Zeit braucht BEKENNENDE KYNIKER.

Ein Blick hinter die Kulisse der Wirtschafts-Übermenschen

Am 5.12. habe ich auf einen netten Beitrag im ZDF hingewiesen: Dürfen Wunder geschehen? Diese Reportage ist jetzt auf Youtube abrufbar und es ist durchaus empfehlenswert, ein bisschen hinter die Kulissen der globalisierten Wirtschaft zu schauen.

Die Reportage ist in 5 Teile gesplittet:

Teil 1: http://de.youtube.com/watch?v=-lRn7ffdUto
Teil 2: http://de.youtube.com/watch?v=Vnd6OmVbVuE
Teil 3: http://de.youtube.com/watch?v=95-HmW_oIvw
Teil 4: http://de.youtube.com/watch?v=0mRztxjUP5Y
Teil 5: http://de.youtube.com/watch?v=Chl7e4svCuI

Dass solches "Wirtschaften" in der Schweiz auch Usus ist, davon dürfen wir getrost ausgehen. Da wir dummen Schäfchen immer auf die politische Inszenierung hereinfallen (Linke - Mitte - Rechte), merken wir nicht, dass diese Spielchen uns lediglich vom eigentlichen Inhalt abhalten sollen. Wenn die hohe Politik also die Floskel "Wählerauftrag" herunterbetet, dann stimmt lediglich das Wort "Auftrag" und Aufträge werden in der Regel bestens entlohnt. Jetzt schreibe ich aber nicht mehr weiter, denn sonst könnte ich noch vorweihnächtlichen Besuch bekommen...

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Aufmunternde Worte zum Donnerstag

Sobald man in einer Sache Meister geworden ist, soll man in einer neuen Schüler werden.
Gerhart Hauptmann

Mittwoch, 10. Dezember 2008

...denn das Gras wächst von selbst

Heute ist ja bekanntlich aus dem Ueli ein gewählter Meister geworden. Vielleicht lernt er tatsächlich die hohe Kunst des Sich-Bemeisterns. Wenn nicht, rate ich ihm tunlichst:

Wenn man still sitzt und nichts tut,
kommt der Frühling
und das Gras wächst von selbst.
Zen-Weisheit
...und auch diese göttliche Diva wusste, dass einmal Wunder geschehen werden:

Aufmunternde Worte zum Mittwoch

Wie sähe die Welt ohne Männer aus? Keine Kriege und lauter dicke, glückliche Frauen.
Verfasser(in?) unbekannt

Dienstag, 9. Dezember 2008

Halleluja! - ein Gastbeitrag von 'Hausfrau Hanna'

Hausfrau Hanna liebt Musik, mag Blogs und stösst in kritischen Situationen gern ein befreiendes, von Herzen kommendes Halleluja aus.

Kürzlich nun war sie zu Besuch im Blog ihrer Nichte. Sie folgte dem vorhandenen Link auf youtube und klickte ein Musikvideo an: K. D. Lang sings Cohen’s ‚Hallelujah’

Leonard Cohen war Hanna seit den Siebzigerjahren ein Begriff, vor allem auch deshalb, weil es damals in gewissen Kreisen dazu gehörte, Cohen gut zu finden. Eigentlich mochte Hanna seine Musik nie so richtig. Seine sonore Stimme deprimierte sie, und der Inhalt seiner poetischen Liedtexte blieb ihr unverständlich.

Nun allerdings war Hannas Interesse geweckt, weil sie das perfekt in die Adventszeit passende ‚Hallelujah’ von Leonard Cohen nicht kannte. Nach ein paar Takten stoppte Hanna das Video bereits wieder, weil ihr das, was sie sah und hörte nicht gefiel. Ausserdem war sie irritiert. ‚Hallelujah’ liess sie jedoch nicht los, und so klickte sie weitere Versionen des Cohenschen Aufrufs zum Lobe Gottes an. Das Stück schien eine magische Wirkung auf viele Weltstars auszuüben. So hauchte Sheryl Crow ihr Halleluja ins Mikrofon und begleitete sich eigenhändig auf der Gitarre. John Cale sang Halleluja, Bob Dylan versuchte es, Bon Jovi tat es auch und Nick Cave ebenso. Inbrünstig, verhalten, expressiv, gebrochen, zart: Die ganze Bandbreite stimmlichen Ausdrucks vernahm Hanna. Eine Version gefiel ihr besonders gut. Sie hiess ‚Shrek’s song’. Einer der Sänger des nordischen Männerquartetts sah wirklich Shrek zum Verwechseln ähnlich. Er fiel nicht nur auf mit seinem freundlichen, runden Gesicht und der nicht korrigierten Zahnlücke sondern auch mit seiner Stimme, die Hanna sehr berührte.

Leicht entrückt und etwas berauscht von dieser Interpretation drückte Hanna zum Schluss nochmals auf die erste Fassung mit K.D. Lang. Sie schaute und lauschte dieses Mal jedoch ganz anders. Und deshalb begriff sie endlich, warum sie anfangs so irritiert war:

K.D. war nicht, wie Hanna angenommen hatte, die Abkürzung für einen Mann namens Kurt Daniel oder Klaus Dieter. k.d. lang war eine Frau!

Und so wünscht Hausfrau Hanna allen mit der kraftvollen und raumfüllenden ‚Hallelujah’-Version von Kathryn Dawn Lang eine gute Advents- und Weihnachtszeit!

Hausfrau Hanna gibt sich die Ehre

Heute habe ich eine durchaus vorweihnächtliche Freude allen meinen BlogleserInnen kundzutun: Die allseits geschätzte Kommenatorin "Hausfrau Hanna" mit ihrem träfen Humor hat sich nach monatelangem Bitten, Flehen und Betteln meinerseits überzeugen lassen, hie und da als GASTSCHREIBERIN in BodeständiX aufzutreten. Der erste Beitrag wird noch heute von ihr aufgeschaltet. Ihre Beiträge werden allesamt unter Kultur + Hausfrau Hanna gelistet.

Auf geht's.

Aufmunternde Worte zum Dienstag

Freundschaft kann nur zwischen Menschen von gleichem Wert bestehen.
Marie von Ebner-Eschenbach

Montag, 8. Dezember 2008

Planvolles oder planloses Spiel?

Wieder etwas Seltsames gelesen und vielleicht passt's ja auch in die kommende BR-Wahl-Choreografie?

Freunde, es wird spannend

Kaffeesatzlesen hat derzeit Hochkonjunktur. Mir scheint, als braue sich in Bern etwas zusammen. Der Chef-Stratege ist aus dem Spiel. Freunde, es wird spannend.

Aufmunternde Worte zum Montag

 Aufmunternde Worte zum Montag, serviert von Wilhelm Busch:


Der Weise verschweigt seine Meinung, also bin ich keiner.

Und:


Ich bin Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft.

Sonntag, 7. Dezember 2008

So schaffen wir den Turnaround

Die Heilpädagogen gehen stramm voran. Sie fordern 150 % Arbeit bei gleichbleibendem Lohn. Gewiss, gewiss, so taumeln wir zurück ins Wirtschaftswachstum. Auf denn und Mutige vor. Der Andrang dürfte riesig sein...

Nur eine "technische Rezession"

Achtung: Frau (Schweizer) Wirtschaftsministerin liest wieder einmal aus dem Kaffeesatz. Wie HIER übrigens auch schon...

Diesmal spricht sie in einem Interview mit der Genfer Tageszeitung "Le Temps"(Samstag, 6.12.08) von einer "technischen Rezession". Das bedeute, dass die im Bruttoinlandprodukt (BIP) zusammengefasste Wirtschaftsleistung der Schweiz zwei Quartale in Folge schrumpfe.

Rezession, aber keine Depression
Die Schweizer Wirtschaft kann sich nach Ansicht von Bundesrätin Doris Leuthard einer Rezession nicht entziehen. Es sei aber keine Depression mit einem massiven Anstieg der Zahl der Arbeitslosen und einem Einbruch der Konsumausgaben zu befürchten.
Leute, warm anziehen. Es gibt einen verdammt harten Winter.

Freitag, 5. Dezember 2008

Dürfen Wunder geschehen?

Jetzt hört doch alles auf! Das ZDF will den Pillendrehern an den Kragen:

Frontal 21-Dokumentation
Das Pharmakartell - Wie wir als Patienten betrogen werden

Bei jeder Tablette geht es weniger um die Gesundheit, als vor allem ums Geschäft. In der "Frontal 21"-Dokumentation "Das Pharmakartell - Wie wir als Patienten betrogen werden" sprechen ehemalige Manager und Mitarbeiter der Pharmaindustrie erstmals offen darüber, mit welchen brutalen Methoden die Konzerne seit Jahren Medikamente auf den Markt drücken, deren Wirkstoffe schwere Nebenwirkungen haben.

Die "Frontal 21"-Autoren decken auf, wie Pharmaunternehmen Ärzte und Beamte bestechen, unabhängige Experten bedrohen, Politiker hofieren, Medien kaufen und Selbsthilfegruppen unterwandern. Die Autoren Christian Esser und Astrid Randerath zeigen eine erschütternde Innenansicht des Pharmakartells, die nur einen Verlierer kennt: den Patienten.
Aufgepasst: Diese Sendung wird am Dienstag, 9. Dezember 2009, um 21 Uhr, ausgestrahlt. So ist es wenigstens vorgesehen. Hier der Programmlink.

Sensationell, wenn diese Kiste wirklich gesendet werden würde. Muss' noch schnell mit Daniel telefonieren, was er dazu meint.


Peanuts in heutigen Zeiten

Diebe haben in Paris binnen Minuten Juwelen im Wert von rund 80 Millionen Euro erbeutet - scheinbar der grösste Raub in der Geschichte Frankreichs, so die Meldung des ehrwürdigen Spiegel.

Da werden sich wohl viele Nadelstreifler ins Fäustchen lachen. Die machten (und machen immer noch) um ein Vielfaches mehr Beute - ganz legal übrigens.

Finanzkrise und plötzlicher Tod

"Sobald (in der Schweiz) die ersten Bankiers eines plötzlichen Todes sterben, dann beginnen die Glocken Sturm zu läuten."

Irgendwo habe ich diesen mysteriösen Satz gelesen und darüber gelächelt. Das war vor ungefähr zehn Jahren (auch 1998 war das Finanzsystem bekanntlich in extremer Schieflage).

Heute ereilt mich die Nachricht, dass der erste Bankier (nicht Banker) in der Nacht auf Donnerstag plötzlich gestorben ist: Alex Widmer, Chef der Bank Julius Bär und Privatbanquier alter Schule.

In der neusten Ausgabe der "Weltwoche" wird er u.a. mit folgendem Ausspruch zitiert:

"... Die Welt der Investmentbanker sieht anders aus. Sie streben kurzfristig nach grösstmöglicher Profitmaximierung. Dazu benötigen sie viel Kapital. Im Vordergrund steht weder die Loyalität zum Kunden noch jene zum Arbeitgeber, sondern der einzelne Deal. Stimmt der Lohn nicht, wechseln die Banker zur Konkurrenz.

«Sie sind Söldner in ihrer Finanzkultur», sagt Alex Widmer, CEO der Bank Julius Bär ..."
Update: Alex Widmer hat Selbstmord begangen. HIER nachzulesen. Ich befürchte, dass dies wohl nicht bei diesem Selbsttötungs-Fall im Bankenbereich bleiben wird.

Update 2:

Die Gerüchteküche liefert übrigens, was Sache ist: Riesenverluste aus Lehman-Produkten und deshalb ungeheure Ausfälle bei Kunden...

Dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen geben

Wo ist nur mein Leben geblieben? / Foto: pixdaus.com
Unsere süss-urbane, weltoffene und grenzenlose Gesellschaft verehrt die Transparenz. Erzieht ihre Kinder zu nüchterner Klarheit und merkt nicht, dass eben diese Kinder, nun älter geworden, den nie erlebten Zauber des Alltags anderswo verzweifelt suchen. Doch das süsse Gift des Westens beschert uns keine Befriedigung. Es heischt immer nach mehr... bis die Notwendigkeit Einhalt gebieten muss.... (die alten Griechen nannten dieses Prinzip "Ananka", dem sich auch ihre Götter unterordnen mussten).

Da schwör' ich halt auf meine heissgeliebte Romantik. Es war wohl der letzte grosse Versuch, der Entzauberung der Welt durch Wissenschaftsgläubigkeit und Herrschaft der Vernunft die Intelligenz des Herzens und der Gefühle entgegenzusetzen. Für mich ist sie eine Philosophie, die mir zur Lebenshaltung wurde. Eine Philosophie, geschaffen von inspirierten Menschen, die den Machbarkeitswahn späterer Zeiten wohl ahnten...

Diese Philosophie erzählt mir in ihren verschiedensten Ausdrucksformen, was in der Welt und im Leben wirklich wichtig ist. Oder, wie Novalis sagte:


Sie ist der Versuch, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen zu geben.
PS: Hier noch ein eindrückliches Beispiel der bedeutendsten Vertreterin der deutschen Romantik: Bettina von Arnim.

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Hinab ins Tal, mit Rasen sanft begleitet,
Vom Weg durchzogen, der hinüber leitet,
Das weisse Haus inmitten aufgestellt,
Was ist's, worin sich hier der Sinn gefällt?

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Erstieg ich auch der Länder steilste Höhen,
Von wo ich könnt die Schiffe fahren sehen
Und Städte fern und nah von Bergen stolz umstellt,
Nichts ist's, was mir den Blick gefesselt hält.

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Und könnt ich Paradiese überschauen,
Ich sehnte mich zurück nach jenen Auen,
Wo Deines Daches Zinne meinem Blick sich stellt,
Denn der allein umgrenzet meine Welt.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Über mangelnden Durchblick

Da trötet doch die Melanie Oesch über den pöhsen Jodlerverband, der es ihr nicht gestattet, an seinen Verbandsfesten teilzunehmen, weil sie "tirolert". Die Melanie hat sicher eine ausgezeichnete Stimme, die sie leider für seichten Schmalz mit kurzfristigen Gewinnaussichten missbraucht. Was soll's: Sie ist noch jung, und es sei ihr der mangelnde Durchblick verziehen. Ich spendiere ihr zum Trost einen wunderschönen Song von Jimmy Cliff, der zumindest in seinen Songs den Durchblick hat:

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Corporate Social Volunteering

Ein bisschen Manager-Esperanto gefällig? Da beginnt nämlich ein geschäftliches Schreiben an die MitarbeiterInnen wie folgt:

im Rahmen unseres Corporate Social Volunteering Engagements organisieren wir dieses Jahr eine spezielle Weihnachtsaktion
Wer wissen möchte, wie diese unglaubliche Geschichte weitergeht, klicke mutig HIER drauf.

Die vorausschauende Fürsorge der öffentlichen Hand

Bin ich froh, dass ich nicht mehr im Konzertbusiness tätig bin. Da will nämlich eine um die Sicherheit ihrer Leute besorgte Behörde von allen in London auftretenden Musikern/Musikerinnen per Formular 696 (weshalb benützen die immer so komische Zahlenreihen???) einiges wissen.

Es sind so einige harmlose Kleinigkeiten dabei, die einem Musikanten rasch die Zornesröte ins Gesicht treiben kann. Und wer jetzt meint, BodeständiX übertreibt, soll gefälligst den entsprechenden Artikel im Independent nachlesen.

Kommentar: Diese Schikane nenne ich eindeutig vorauseilende Zensur. Damit möchte die Behörde einen spontanen Informations- und Meinungsaustausch zwischen Künstlern und Publikum verhindern. Ist doch klar: Unsere Jugend könnte dabei Schreckliches erfahren.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Bugsierer fast wie Facts 2.0

Eigentlich wollte ich ja auch auf die Bugsierer-Aktion (SVP-Hardliner in den Bundesrat?) aufmerksam machen. Doch jetzt bin ich ziemlich verschnupft, weil mein diesbezüglicher Kommentar zu meinem Voting (JAAAA... Hardliner) sang- und klanglos weggelöscht worden ist. Das find' ich nicht toll Herr Dr. Bugsierer. Das sind ja beinahe Facts 2.0-Methoden.

Hier also mein Kommentar, noch schnell aus dem Gedächtnis heraus formuliert:

Ich vote für einen SVP-Hardliner, weil die kommenden pickelharten Zeiten aus jedem Hardliner schnell einen Softie machen werden...
"Ist denn dieser Kommentar so daneben?" fragt sich BodeständiX.

UPDATE: Hab' gerade gemerkt (danke ugugu), dass jedermann/frau einen Kommentarlöschknopf betätigen kann. Deshalb: Tschuldigung Dr. Bugsierer (ich nehm' mal an, es war ein Übereifriger, der in BodeständiX eine verdeckte SVP-Wühlmaus vermutete).

Übers Sparen und Leben

Die meisten von uns wurden ja (die 40er, 50er und 60er Jahrgänge des vorigen Jahrhunderts) klammheimlich durch die verschiedensten "Volksweisheiten"sozialisiert. Ob's uns damit zum Besten gereicht(e)?

Die eher unkonventionelle Luisa Francia meint zum Sprichwort "Spare in der Zeit...":


Spare in der Zeit nicht, dann hast du zwar nichts in der Not, aber du hast es wenigstens in der Zeit gehabt!?

Kasse leer

In die besinnliche Adventszeit will dieser Anriss im SpOn so gar nicht passen:

Milliardenloch im kalifornischen Haushalt: Bereits im Februar könnte dem US-Westküstenstaat das Geld ausgehen. Gouverneur Schwarzenegger hat nun den Finanznotstand erklärt - und will gegen den Widerstand seiner eigenen Partei die Steuern erhöhen.
HIER geht's weiter...
Ich hätte da dem Arnie schon eine pfannenfertige Lösung:
Nimm' doch das benötigte Geld denjenigen ab, die es sich in den vergangenen Jahren mehr oder weniger risikolos eingesackt und die praktisch NIX an den Staatssäckel in Form von Steuern zurückgeführt haben.
Ob das bei uns auch noch Schule machen wird (ich meine damit: Kasse leer).

Update: Auch dieser Beitrag erzeugt nicht unbedingt vorweihnächtliche Stimmung.

Montag, 1. Dezember 2008

Es kann auch anders tönen

Verdammi nomol! Es kann auch anders gehen. Zum Beispiel mit den Alder's, Valotti's und Räss's:

Da wär' ich glatt rückfällig geworden

Gestern etwa auch "Die grössten Schweizer Hits" gefernseht? Ui, uii, uiii... da hab' ich wohl eine etwas gar ältere Klientel auf meinem Blog. Nix gegen das Alter, wenn ein bisschen Weisheit rauströpfelt. Doch die Lehnstuhlsenioren und -seniorinnen sind doch wohl zu sehr deltenremarketinggewaschen, um noch ein letztes Quentchen Reife aufzuweisen. Ich fass' es immer noch nicht, dass dieser dümmliche Ku-Klux-Jodler der unsäglichen Oesch's aus der alpinen Schweiz sich wuchernd breitmachen konnte. Möglicherweise braucht's halt jetzt mediale Dummhaltepflästerli, um das gemeine Steuervolk im süssen Schlaf zu halten. Gottseidank haben wir StimmbürgerInnen gestern das Kiffen unter Strafe gestellt, sonst wär' ich doch glatt rückfällig geworden.

PS: Und wieder wird das zarte Pflänzlein Volksmusik dank gütiger medialer Hilfe zurück in die Eiszeit gebombt. Dasselbe hatten wir ja schon (mehrmals).

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