Montag, 19. Januar 2009

Auch in schwierigen Zeiten gibt's lukrative Angebote

In der Schweiz gibt's ca. 800 Jodlerklubs und deshalb braucht's auch einige hundert Dirigenten. Die meisten davon dirigieren mehr als einen Jodlerklub. Der Verband bildet Dirigenten aus, doch die Nachfrage ist grösser als das aktuelle Angebot. Das heisst: Dirigenten werden händeringend gesucht. Die Verdienstmöglichkeiten sind auch nicht ohne. Pro Jahr werden da zwischen CHF 6'000.00 bis CHF 10'00.00 (bei einer Belastung von durchschnittlich 50 bis 80 Probebesuchen und Auftritten) an ausgebildete Dirigenten ausbezahlt.

Da hab' ich doch kürzlich ein interessantes Gespräch mit einem klassisch ausgebildeten Sänger (Bariton) und Chorleiter gehabt. Der kann momentan nicht von Engagements leben und sucht händeringend nach zusätzlichen Einnahmen. Er trägt sich deshalb mit der Absicht, Taxi zu fahren, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Davon habe ich ihm abgeraten. Zu wenig Verdienst. Zu hohe zeitliche Belastung.

Ich habe ihn dann gefragt, weshalb er nicht einen Jodlerklub dirigieren würde. Er sei doch ausgebildeter Chorleiter. Zuerst ungläubiges Staunen. Dann, als ich ihm davon erzählte, wie viele Jodlerklubs händeringend einen Dirigenten suchen, konnte er sich schon ein bisschen mehr erwärmen. Dann lieferte ich ihm noch Notenmaterial und beim zweiten Gespräch zeigte er sich bass erstaunt, dass Jodlerklubs solch' "schwieriges Zeugs" überhaupt singen können. Lächelnd machte ich ihn darauf aufmerksam, dass die Jodler eben überaus diszipliniert probten. Ohne Pause. Auch registerweise. Auch einzeln. Und überhaupt: Einem Chorleiter sollte es doch keine Schwierigkeiten bereiten, sich innert nützlicher Frist ins Geheimnis der Jodelkunst einzulassen. Eine weitere Spezialität gibt's noch zu beachten: Der Dirigent (es dürfen auch Frauen sein) singt bei den Auftritten immer mit. Bei Auftritten steht nämlich der Dirigent nicht vor dem Chor, sondern ist Bestandteil des Chors!

Der Opernsänger und Chorleiter ist ziemlich nachdenklich geworden und ich bin mir sicher, dass er sich bald einen oder zwei Jodlerklubs aussuchen wird.

PS: Die Jodler sind übrigens gar nicht so "hinterwäldlerisch" wie es gerne kolportiert wird. Ich bin ja auch einer!

2 Kommentare:

Christian Henner-Fehr

Danke, dass Du gleich noch ein passendes Beispiel zur Hand hast. :-)

Ja, was soll man sagen...

Hanspeter Gautschin

Verstehst Du jetzz, was ich mit "Dünkel" gemeint habe?

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