Über die Logik der Eliten
Mein sonntägliches Morgenritual: Am Frühstückstisch die Sonntagszeitung lesen. Gut, die wird auch immer dünner - nicht nur quantitativ. Doch, was soll's. Gewohnheiten sind halt nur schlecht abzulegen.
Da stoss' ich auf folgende Mitteilung:
Zehn Schritte in den sicheren TodEs gibt sicher Argumente für wie auch gegen die Selbsttötungshilfe (Mord ist mir da eindeutig zu hoch gegriffen!). Da bin ich nicht vorgespurt, wobei ich aus eigener Erfahrung weiss, wie belastend eine solche Selbsttötung für nahe Verwandte sein kann. In meinen ersten Berufsjahren "durfte" ich nämlich als Erbschaftsamt-Mitarbeiter einige Suizidfälle behandeln - vor Ort.
Exit-Werbung für Suizid-Fibel entrüstet Experten
Exit, die grösste Sterbehilfeorganisation der Schweiz, rührt die Werbetrommel für einen umstrittenen Suizid-Leitfaden. Im Vereinsheft, das letzte Woche an 50'000 Exit-Mitglieder verschickt wurde, wirbt die Vereinigung für die Rezeptsammlung eines Holländers zur medikamentösen Selbsttötung... usw.
Aus reiner Neugier habe ich mich im Exit-Umfeld ein bisschen umgesehen, auf der Website von Exit geschnuppert und dabei festgestellt, dass da im Vorstand - insbesondere im Präsidium - immer wieder honorige Personen aus dem Bildungsbereich Einsitz haben. Aktuell: Hans Wehrli, ehemaliger Zürcher Stadtrat und Schuldirektor. Irgendwie bin ich aber bei seiner Vorgängerin hängengeblieben und ich habe mich via Kuugel ein bisschen schlaugemacht. Diese Frau - Präsidentin von 2004 bis 2007 - betreibt ein Beratungsbüro mit folgendem Zweck:
Wir sind eine Dienstleistungsunternehmung für Projekt- und Managementunterstützung mit Schwerpunkten in den Bereichen Bildung und Gesundheitswesen inklusive Personalberatung.Gemäss eigenen Angaben hat diese Frau als Projektleiterin „Einführung Soziale Lehre“ und „Einführung Fachangestellte Gesundheit für Erwachsene“ im Auftrag der Erziehungsdirektion des Kantons Bern gewirkt. Interessant, da ist also eine aktive Exit-Frau (vor ihrem Präsidium war sie noch Vorstandsmitglied) an der Ausarbeitung eines neuen Pflegeberufsbildes beteiligt. Ein äusserst diffiziler Bereich, wenn man bedenkt, dass die Fage's (so die Kurzbezeichnung dieser Fachangestellten) auch gerne in der Altenpflege eingesetzt werden, weil sie günstiger sind als Pflegefachpersonen.
Doch es geht noch weiter: Diese Dame ist seit 2006 auch noch Domizilhalterin eines Buchverlages. Laut Handelsregistereintrag:
"Betrieb eines Verlagsunternehmens und einer Buchhandlung für Bücher, Zeitschriften und andere Druckerzeugnisse, in erster Linie verlegerische Betreuung des Lehrwerks von Bô Yin Râ und der damit im Zusammenhang stehenden Werke"Wer ist nun dieser Bô Yin Râ? Da gibt uns Wikipedia Auskunft. Dieser Bô Yin Râ war also ein "Meister", welcher laut Selbstdeklaration als einziger Europäer einer geistigen Gemeinschaft (Bruderschaft bzw. "Leuchtende des Urlichts"!!!) angehörte und zu seiner Zeit ein "geistiges Lehrwerk" von über dreissig Büchern verfasste. Zu seiner Zeit war er scheinbar äusserst erfolgreich damit und hatte u.a. auch den Prins Hendrik, 1876 bis 1934, von Nederland in seinem Gefolge (man beachte insbsondere die Foto der Beerdigung von Prins Hendrik ganz unten).
In seinen Büchern schreibt er eigentlich nicht viel Neues, was nicht auch schon andere "Eingeweihte" geschrieben hätten. Einzig die Reinkarnationslehre (Wiederverkörperung) verwirft er. Doch halt: Drei Ausnahmen gibt's bei ihm:
"... Die Möglichkeit der Reinkarnation ist nur in Ausnahmefällen gegeben, nämlich beim frühen Tod eines Kindes, bei Suizid und bei völlig vertiertem Leben ..."
Da ich gerade am Recherchieren bin, hab' ich in den öffentlich zugänglichen Büchern gestöbert, und bin tatsächlich auch fündig geworden. In seinem Buch "Das Buch vom Jenseits" verurteilt dieser "Meister" nämlich den Selbstmord aufs Schärfste und sieht als höchste Strafe die Wiederverkörperung in den "tiermenschlichen" (!) Körper hier auf Erden vor:
"... Es liegt ein gewisser Trost für die Zurückbleibenden in der Tatsache, daß die allermeisten Morde am eigenen Leben von Menschen begangen werden, deren Bewußtsein im entscheidenden Moment krankhaft umdüstert ist, so daß die furchtbare Verneinungstat in einem Zustand erfolgt, den man wohl als spontan einbrechenden Wahnsinn bezeichnen darf, auch wenn dieser Zustand seit langem vorbereitet wurde, durch ein verantwortungsloses „Spielen” mit dem Gedanken an die Möglichkeit der Leibeszerstörung.Da staun' ich halt schon, dass eine Bildungs- und Pflegeexpertin und Suizidbefürworterin in einem anderen Job Steigbügelhalterin des Gegenteils ist. Das geht in mein einfach gestricktes Weltbild nicht rein. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Mörder und Gemordeter sind zwar in solchem Falle in einer Person „in Erscheinung” gewesen, aber der Mord ist das Werk eines übermächtig gewordenenGedankens, den das Opfer solange mit seinen eigenen Kräften belebte, bis er es zuletzt verschlang. —
In solchem Falle trägt dann der Zerstörer seines Erdenleibes nicht die Verantwortung für den Akt des Mordes, sondern das geistige Gesetz erheischt von ihm Ausgleich für alles verkehrte Denken und Handeln, aus dem zuletzt die Tat im Wahn erwuchs. —
Dieser Ausgleich ist zumeist nur erreichbar durch das Ertragen einer zweiten Einverleibung in den tiermenschlichen Körper auf der Erde.
Es handelt sich hier um einen jener Ausnahmefälle, in denen allein die sogenannte „Reinkarnation” als Möglichkeit in Betracht kommt, während sie bei gesetzesgemäßem Ablauf des irdischen menschlichen Lebens, eben durch den vollzogenen Ablauf, ein für allemal unmöglich wird ..."





1 Kommentare:
In der modernen Welt geht es nicht mehr um Überzeugungen. Die Dame mit der Du Dich beschäftigst sammelt Mandate und führt Aufträge aus. Für sie ist das Arbeit respektive Geld. Heute sammelt kein junger Mensch mehr Unterschriften für oder gegen etwas. Er lässt sich von Corris Fundraising anstellen und kassiert für jede Unterschrift oder Kontakt eine Prämie.
Was Du als Elite bezeichnest ist zu Fleisch gewordene Heissluft. Die Menschen die vor dem AKW Gösgen freiwillig Prügel beziehen und sich mit Tränengas voll sprayen lassen, sind ausgestorben.
In der modernen Welt dreht sich alles um den Gott Mamon. Den Luxus von Überzeugungen zu besitzen, leistet sich niemand. Wir leben in einer reichlich verrotteten Welt.
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