Man kann nicht
In jüngeren Jahren habe ich den Jakob Bührer gelesen. Ein Schriftsteller eigenartiger Prägung, dessen Worte aktueller denn je sind. Ich selbst habe immer noch zwei, drei Bände griffbereit - zum Beispiel "Man kann nicht".
Textauszug:
"Benito steht neben dem Wagenführer. Der wirft ihm, während er den Messinghebel dreht, unruhige Blicke zu. Der Bursche da ist so bleich. Kann sein, es wird ihm gleich übel werden. Aber Tosio starrt auf die kleinen Tropfen, die gegen das fahrende Tramfenster regnen. Draussen hört manchmal die Häuserzeile plötzlich auf. Fängt ebenso unvermittelt wieder an. Manchmal knallt eine Tafel aus den Zwischenräumen: Bauland zu verkaufen. Manchmal rennen auch Baugerüste vorüber. Aber man baut nicht. Man streikt. Seit Wochen. Seit Monaten. Man arbeitet nicht. Man schlägt sich tot. Um fünf Uhr früh ist Benito hinten auf Mächlers Motorvelo auf die Rossweid gefahren. Streikposten!"
Mich schaudert's.
Jakob Bührer, der im Alter von 93 Jahren am 22. November 1975 im Tessin gestorben ist, hat an die vierzig Werke geschrieben. Sein Name war schon zu Lebzeiten Legende - ein Mann des Volkes, ein Kämpfer für den Sozialismus (Anmerkung HpG: Ich persönlich verehre keine 'ISMEN' mehr). Gelobt und angefeindet wurde er um seiner Haltung willen. Ein eiserner Schädel, ein Mann, der unermüdlich seine Existenz aufs Spiel setzte, wenn es um seine Wahrheit ging.
Wo sind die Bührers heute?





2 Kommentare:
Sie sind in der Kantischülerin, die als Maturarbeit "Der Tunnel" von Dürrenmatt zu einem Einakter umgeschrieben und mit der Klasse meiner Tochter umgesetzt hat. So hochaktuell, dass es mich gefroren hat (komme gerade von der Vorstellung).
Sie sind in meiner Tocher und ihren Mitschülern, die sich wochenlang mit diesem Stück auseinandergesetzt haben.
Sie sind in den Lehrkräften, die solche Projekte unterstützen.
Sie sind überall.
Man muss nur hingucken und hinhören.
Merci für diesen Lichtblick.
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