Der Nationalstaat hat ausgedient
Trotz aller gutmeinenden Bedenkenzerstreuerei der JA-Fraktion glaube ich nicht unbedingt an die Freizügigkeit im Menschen. Werden nämlich die Brotkrumen weniger, die vom Tisch fallen, dann wird einfach umso heftiger darum gestritten. Möglicherweise bewirkt dies die menschliche Verwandtschaft mit dem Tierreich. Der nachfolgende Artikel bestärkt mich in meiner Annahme, dass dem Menschen das eigene Hemd näher steht als alles Anerzogene:
British jobs for British workers: Wildcat strikes spread over foreign workers shipped into the UK
...und auch hier: US-Banken sollen keine Ausländer mehr einstellen
Ähnliche Kampfparolen erwarte ich IMHO demnächst auch in der Schweiz. Unabhängig davon, ob übers kommende Wochenende ein JA oder ein NEIN obsiegen wird.
Diese Rufe nach "Schweizer Jobs den Schweizern" werte ich jedoch nicht als Triumph unserer Nationalisten, sondern lediglich als Zwischenstation, denn weiter wird's wohl mit folgenden Arbeitskampfparolen (Beispiel) gehen:
Nordwestschweizer Jobs den Nordwestschweizern!Merke: Je knapper die (bezahlte) Arbeit wird, umso heftiger wird der Verteilungskampf werden.
Baselbieter Jobs den Baselbietern!
Waldenburgertaler Jobs (da gab's übrigens einmal eine blühende Uhrenindustrie) den Waldenburgertalern!
Waldenburger Jobs den Waldenburgern!
Wir leben wahrlich in einer aufregenden Zeit und können "live" mit dem Crash des Finanzsystems gleichzeitig den Untergang der willkürlich konstruierten Nationalstaaten erleben.





10 Kommentare:
Mit einem ermutigenden 'Auf ins Waldenburgertal!'
grüsst dich
Hausfrau Hanna
Schön wär's.
Wer will den heute noch Sanitärler werden ("Schpinnsch? Schissana fligga? Ii doch niid")?
Wer will denn heute noch Metzger werden ("He, waisch wi gruusig!")?
Wer will denn heute noch Maurer werden ("Sicher niid. Bisch mit vierzgi kaputt - usserdemm musch verjussa schaffa")?
Die Liste kann beliebig verlängert werden. (Die Zitate sind Originalzitate).
Uns ist kürzlich die Heizung abgelegen - und zwei Sanitärfirmen haben sich darum gestritten, uns NICHT als Kunden haben zu müssen. Sorry, keine Arbeiter, keine Zeit.
Da kann ich nur hoffen, dass meine "Schiissii" nicht kaputt geht.
Ist leider alles nicht ganz so einfach ...
Arbeit ist soziale Anerkennung und Teilnahme an der Gemeinschaft. Der Verlust der Arbeit ist zieht den Ausschluss aus der Gemeinschaft nach sich.
Darum ist es nicht korrekt aus meiner (Dorf)Gemeinschaft von der Arbeitswelt ausgeschlossen wird.
Es kommt nicht gut an, ein Einheimischer aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird und stattdessen ein Fremder sein Arbeitsplatz erhält.
Das Problem lässt sich nur lösen in dem die Arbeit neu bewertet und verteilt wird.
Erst durch den Warencharakter der Arbeit sind die Probleme entstanden. Die Idee das Arbeit gleich Leistung ist die bezahlt werden muss, ist die Wurzel des Übels.
Arbeit muss von der Leistung und dem Geld entkoppelt werden. Der Mensch geht Arbeiten, damit er sich entwickeln und die Gemeinschaft pflegen kann. Lohn erhält er, damit er seine physische Notdurft verrichten kann.
Arbeit ist genauso geistig, wie sie physisch ist. Die Arbeit muss ihren geistigen Charakter zurück erhalten. Wenn nicht, dann gehen die Probleme auf dem Arbeitsmarkt endlos weiter.
@Antoine: Ja, Arbeit ist mehr als "Erwerb". Ich finde, Du hast es punktgenau getroffen und mich gleichzeitig zu weiteren Beiträgen animiert. Merci.
Zitat: "Es kommt nicht gut an, ein Einheimischer aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird und stattdessen ein Fremder seinen Arbeitsplatz erhält."
Solche Sätze jagen mir eine Heidenangst ein! Und sie machen mich total wütend.
Denn: der Fremde kann der aus dem Nachbardorf sein. Oder der, der am Dorfrand wohnt, und dessen Nase einem nicht passt. Oder tatsächlich - welch eine Unerhörtheit - einer aus einem anderen Kanton. Oder gar einem anderen Land! Oder aber auch der mitten aus dem Dorf, der das Pech hat, schwul zu sein und darum mitten unter Einheimischen ein Fremder ist.
Ich sehe sie schon, die Selbstgerechten, die bestimmen, wer in die Dorfgemeinschaft passt und wem Arbeit zusteht und wem nicht.
Gegen solches Gedankengut hilft auch kein Umverteilen der Arbeit. Und von Werten möchte ich schon gar nicht reden.
Mir graust's. Und auf eine solche Gemeinschaft pfeife ich.
Genau Zappadong: "Deutschland den Deutschen" und "Jedem das seine..." nicht zu vergessen "Arbeit macht frei!", hatten wir alles schon, brauche ich nicht wieder!
Ja hallo: Gleich mit der "Keule" winken? Bitte meinen Beitrag nochmals genau durchlesen. Ich BESCHREIBE NUR ein mögliches Szenario, wenn alle Dämme bersten.
Lieber Hanspeter
Es ging nicht um deinen Blogeintrag. Obwohl mir auch der(wenn er ohne Augenzwinkern geschrieben ist)Angst macht. Mir ist der Hut bei Antoines Kommentar hochgegangen (und er hängt immer noch weit oben in der Luft).
Wenn ich etwas von Fremden lese, die nicht in die Gemeinschaft passen, dann sehe ich rot, dann hole ich die (verbale) Keule raus.
Du weisst, dass ich für ein Grundeinkommen bin und durchaus über die Umverteilung der Arbeit zu haben bin, vor allem eine offene Diskussion darüber, aber NICHT auf der Basis von Antoines Einleitung. Da klinke ich mich aus.
Sollte es jemals so weit kommen, dass wir wieder zu den geschlossen, kleinen Gemeinschaften übergehen werden, werde ich wohl zusammen mit meiner Familie schon ziemlich am Anfang irgendwohin in ein Camp für Andersartige gefahren.
@ Zappadong
Bevor man teilen kann, muss es etwas zum Teilen geben. Ich finde tatsächlich das zu erst der Nachbar der mir neben mir wohnt und dann das Nachbardorf kommt.
Ich weiss nicht was am Wort oder dem Begriff Fremd schlecht sein soll. In den Dorf in dem ich wohne bin ich Einheimisch, in Nachbardorf bin ich Fremd.
Ich habe lediglich festgestellt das zuerst die Eigenen und dann die fremden Leuten gefüttert werden sollten. Liebe Zappadong wie machst du das: Du hast ein Stück Brot und vor Dir stehen ein hungriger SVPler aus dem Nachbardorf und deine hungrige Tochter? Du kannst das Brot teilen, so wie ich es vermute wirst Du das auch tun. Auf jeden Fall hast Du einen Gewissenskonflikt.
Ich habe nicht geschrieben das keine Fremden kommen sollen, ich habe lediglich festgestellt das bevor die Fremden kommen, die eigenen Leute versorgt sein müssen. Die Feuerwehr die wenn es bei dir brennt kommt, stammt aus dem eigenen Dorf.
Wenn der Bauer in den Urlaub fährt, dann kommt sein Nachbarn melken. Ich bin der Meinung das es genug für die eignen und die fremden Leuten hat.
Das Eigene definiert sich am Fremden. Bevor man sich auf neue Impulse einlassen kann, muss man zuerst sich selber kennen und seiner selber gewiss sein.
Ich bleibe dabei: Diese Einstellung ist extrem gefährlich. Sie schafft Ausgegrenzte, sie schafft Definitionen von "fremd", bei denen mir elend wird.
Selbst wenn du es gut meinst: Bis du dir bewusst, was das in letzter Konsequenz bedeuten kann?
Es gab eine Zeit in Deutschland, da funktionierte das Leben nach diesem Muster. Deutschland den Deutschen. Eine verschworene Gemeinschaft. Am besten blond und blauäugig. Ja, die hielten zusammen, die sorgten für ihren Nachbarn (solange es nicht der fremdartig Andersgläubige war).
Wo es hingeführt hat, wissen wir. Ich will nicht einmal ansatzweise in diese Richtung denken und ich habe sehr viel Angst davor, dass genau das in den nächsten Jahren geschehen wird.
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