Die weissen Tauben sind müde
Hans Hartz mit seiner rauchigen Stimme. Ich schätzte seine Lieder, obwohl ich das öffentlich nie zugegeben hätte, denn Hans Hartz zählten wir damals (80er Jahre) nicht zu den ernsthaften Liedermachern. Welch' grosser Irrtum:
Die weissen Tauben sind müde
Komm her, Marie, ein letztes Glas,
geniessen wir den Augenblick,
ab morgen gibts statt Wein nur Wasser.
Komm her und schenk uns noch mal ein,
so viel wird morgen anders sein!
Marie, die Welt wird langsam blasser.
Die weissen Tauben sind müde,
sie fliegen lange schon nicht mehr.
Sie haben viel zu schwere Flügel,
und ihre Schnäbel sind längst leer.
Jedoch die Falken fliegen weiter!
Sie sind so stark wie nie vorher,
und ihre Flügel werden breiter,
und täglich kommen immer mehr,
nur weisse Tauben fliegen nicht mehr.
Bleib noch, Marie, der letzte Rest
reicht für uns beide allemal,
ab morgen gibts statt Brot nur Steine
Komm her und schenk uns noch mal ein,
denn so wie heut wirds nie mehr sein.
Marie, die Welt reisst von der Leine.
Die weissen Tauben sind müde,
sie fliegen lange schon nicht mehr.
Sie haben viel zu schwere Flügel,
und ihre Schnäbel sind längst leer.
Jedoch die Falken fliegen weiter!
Sie sind so stark wie nie vorher,
und ihre Flügel werden breiter,
und täglich kommen immer mehr,
nur weisse Tauben fliegen nicht mehr.
Sieh her, Marie, das leere Bett,
der Spiegel unsrer grossen Zeit;
ab morgen gibts statt Glas nur Scherben.
Komm her und schenk uns noch mal ein,
den letzten Schluck vom letzten Wein.
Marie, die Welt beginnt zu sterben.
Die weissen Tauben sind müde,
sie fliegen lange schon nicht mehr.
Sie haben viel zu schwere Flügel,
und ihre Schnäbel sind längst leer.
Jedoch die Falken fliegen weiter!
Sie sind so stark wie nie vorher,
und ihre Flügel werden breiter,
und täglich kommen immer mehr,
nur weisse Tauben fliegen nicht mehr.





5 Kommentare:
Was Du so immer ausgräbst, einfach super! Danke...
Offiziell, lieber Hanspeter, bin ich anfangs der 80er Jahre auf den Wecker gestanden, aber im Geheimen habe ich mir die 'Weissen Tauben sind müde' sehr gern und mit Dauer-Da Capos angehört.
Und die Platte mit den Balladen von Hans Hartz besitze ich immer noch...
Stimmt, der Wecker war damals ein "muss"! :-)
@Christian Henner-Fehr
Und ebenso ein 'Muss' waren die österreichischen Liedermacher:
Georg Danzer, Ludwig Hirsch, André Heller und auch die Erika Pluhar. Ich konnte s.t.u.n.d.e.n.l.a.n.g ihre Musik hinauf- und hinunterspielen.
Was ein von 'BodeständiX' ausgegrabener Titel auch alles an Erinnerungen auslösen kann...
Soeben habe ich auf youtube nach Erika Pluhar gesucht, lieber Hanspeter. Dabei bin ich, und das sind die schönen Zufälle, auf eine Christine Pluhar gestossen. Die musiziert mit ihrem Ensemble Arpeggiata so geschmeidig, elegant und technisch vollkommen eine Ciaconna, dass ich für Minuten im Himmel war. Im Musikhimmel!
Kommentar veröffentlichen