Völkischer Stallgeruch?
Ich schreibe regelmässig für eine kleine Wochenzeitung Beiträge über Facetten der "Volkskultur". Im letzten Beitrag sinnierte ich übers Tanzen und meinte eingangs meines Artikels:
"Die «Kultur des Volkes» musste in ihrer Geschichte schon für Vieles herhalten. Im Zuge der «Geistigen Landesverteidigung» während des Zweiten Weltkrieges wurde sie von höchster Stelle als Hort des schweizerischen Widerstandes gegen Hitler-Deutschland aufgestellt. Doch die «Kultur des Volkes» ist weder Weltanschauung noch Kunst. Ihre Kultur verstand das «Volk» immer als reine Unterhaltung, Spass, Tanz und Unterhaltung."Heute lese ich auf dem einst von Pro Helvetia initiierten Blog folgenden Kommentar:
"Nachdem weit über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer in Agglomerationen leben, kann eine fast rein ländliche Definition der Volkskultur, wie sie zum Beispiel bei SF TV nach wie vor gepflegt wird, nicht mehr aufrecht erhalten werden. Eine weitere Dimension kommt jetzt mit der Finanzkrise hinzu, die sich zu einer Identitätskrise der Schweiz ausweitet: Die Volkskultur gewinnt an Bedeutung, weil etwa die wirtschaftliche Identität - zum Beispiel das Bankgeheimnis - ins Wanken gerät. In dieser Situation ist es besonders wichtig, dass Volkskultur möglichst Viele anspricht und von Vielen getragen wird. Denn die kulturelle Identität ist jene, die übrig bleibt, wenn die anderen Identitäten in die Krise geraten: Die Politik, die Ökonomie, die Umwelt."Jetzt bin ich ein bisschen ratlos, habe ich doch erst vorletzte Woche die "Kultur des Volkes" als reine Unterhaltungskultur bezeichnet.
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Muss nun erneut die sog. "Volkskultur" in Krisenzeiten für eine Ideologie herhalten, die man ihr später wieder vorwirft?





1 Kommentare:
Die Volkskultur ist so vielfältig wie das Volk (Mit)Glieder hat. Wenn die Welt so komplex wird, dass sie keiner mehr verstehen kann, dann rückt das unmittelbare Umfeld, das verständlicher ist, in den Vordergrund.
Der Beschäftigung und der Identifizierung mit der sozialen und natürlichen Umgebung, haftet nichts negatives an. Das Eigene definiert sich am Fremden und umgekehrt.
Volkskultur und völkische Kultur sind nicht ein und das Selbe.
Völkische Kultur ist xenophobe. Volkskultur ist durchlässig und dynamisch, sie defniert sich selber jeden Tag von Neuem.
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