Bald ist wieder Alpauffahrt
Vom aussichtsreichen Napf bis zu den schroffen Wänden der Schrattenfluh und des trutzigen Hohgant breiten sich auf den Höhen und den Abhängen des emmentalischen Hügelgebietes sonnige Weiden mit heimeligen Alphütten und sturmfesten Wettertannen aus.
Dieses archaische Emmental war dem Berner Jodlervater Oskar Friedrich Schmalz, 1881-1960, Gegenstand vieler Jodellieder. In seinem Monumentalwerk „Emmentaler Sennenleben“ lässt er in vier Aufzügen den Älpler-Jahreskreis aufleben. Doch Schmalz bzw. seine Ehefrau Hedy, 1895-1976, welche den Text beisteuerte, spricht in diesem Werk, das 1932 von den Emmentaler-Jodlern Konolfingen uraufgeführt wurde (s. dazu die Abbildung des damaligen Plakates), immer nur von Sennen. Das stimmt jedoch nur zum Teil. Es waren vor allem die Küher, welche das Älplerleben während beinahe dreihundert Jahren prägten und damit das Emmental zur wohl reichsten Region im Kanton Bern machten.
Die für den Alpbetrieb benötigten Fachleute der Milchverarbeitung, die Küher, rekrutierten sich aus einheimischen Bauernsöhnen, die nach Übernahme des väterlichen Hofs durch den jüngsten Bruder (Minorat) bar ausgekauft wurden. Als mit der Umstellung auf die exportorientierte Produktion von Fettkäse im 16. Jahrhundert Alpkäserei lohnend wurde, stiegen Kuhalpen im Wert. Anders als Korporationsalpen im Alpenraum waren im Emmental die privaten Alpen über Alprechte käuflich. Das Patriziat der Stadt Bern erwarb solche Alpen ab dem 16. Jahrhundert als Geldanlage. Der Küher wurde Pächter der Kuhherde und der Alp. Das sichere Angebot an Alppachten bewog den Küher im 18. Jahrhundert Besitzer der Kuhherde und - im Unterschied zum angestellten Senn - vollends zum Unternehmer zu werden. Während der Alpzeit von Mai bis Ende September pachtete er eine sog. Herrenalp. Für das Winterhalbjahr suchte er für sich und seine Herde von 40 bis 100 Kühen Unterkunft im Tal.
Zur reichen Folklore des Küherstandes gehörten Alpaufzug, Schwingen, Alphorn und Kuhreihen. Und damit wären wir wieder beim Jodlervater Schmalz und seinem „Emmentaler Sennenleben“ angelangt. Das vollständige Werk wird leider praktisch nicht mehr aufgeführt, wohl aber schmücken einzelne Lieder daraus so manches Repertoire der Jodlerklubs – insbesondere die „Aemmitaler Alpuuffahrt“, welche in feinen Versen den Frühling und die heiss ersehnte Alpauffahrt beschreibt:
Lueg jetz hei mersch scho erstritte, mir si dobe-n-uf em Grat,PS: Das Dorfmuseum in Konolfingen beherbergt derzeit eine Sonderausstellung über das Schaffen des Komponistenehepaares Oskar Friedrich und Hedi Schmalz-Maurer. Weitere Details dazu HIER.
G’höret ihr, wie d'Glogge lütte? Üser Hütte si parat





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