Hudigääggeler und Hudelimusig: Gehören sie zusammen?
Momentan habe ich erstaunlich viele BesucherInnen, welche "Hudigääggeler" gegoogelt haben und eben bei mir gelandet sind, weil ich vor einiger Zeit den Beitrag "Der Hudigääggeler erobert die Grossstadt zurück" geschrieben habe. Erstaunlicherweise wird dieser Ausdruck auch von Jugendlichen gerne benützt, wenn sie ihre Abneigung gegen die (Schweizer) Volksmusik kundtun. Möglicherweise verwechseln sie da etwas und meinen damit wohl den Musikanten-Stadl-Einheitsbrei.
Doch woher stammt denn dieser eigentümliche Ausdruck? Da mir eine entsprechende Recherchenarbeit bereits durch den Sprachwissenschaftler Christian Schmid (ist Redaktor bei Schweizer Radio DRS 1 und regelmässig zu hören in den Sendungen "Siesta", "Schnabelweid" und "Mailbox") abgenommen wurde, lass' ich ihn hiermit gerne zu Wort kommen:
Beim Wort Hudigääggeler, einer abschätzigen Bezeichnung für ein Volksmusikstück, war die Situation insofern schwieriger, als das Wort im Idiotikon fehlt. Es müsste im Band 2 von 1885 stehen, ist aber wohl bedeutend jünger. Wir suchten Hilfe bei der Volksmusikredaktion von Radio DRS und erhielten zwei Bücher, nämlich die populäre Studie „Schweizer Volksmusik – was ist das eigentlich“ (1979) von Rico Peter und die wissenschaftliche Arbeit „Schweizer Volksmusik von den Anfängen um 1800 bis zur Gegenwart“ (2006) von Dieter Ringli. Beide erzählen dieselbe Geschichte:So ist also das Geheimnis um den Ausdruck "Hudigääggeler" noch nicht vollständig gelöst.
Um 1900 lebte in Einsiedeln die Familie Fuchs, aus deren Mitgliedern die bekannte Familienmusik Fuchs entstand. Weil die alte Mutter Fuchs jeden Morgen sehr früh ihre Hühner fütterte, dabei laut chum Hudeli chum rief und mit ihrem Rufen die Nachbarn weckte, wurde die Familie bald spöttisch s Hudelis genannt und die Familienmusik Hudelimusig. Soweit ist die Geschichte durch Quellen erhärtet. Rico Peter behauptet nun eine direkte Ableitung von Hudigääggeler aus Hudelimusig. Dieter Ringli erwägt vorsichtig die Möglichkeit einer Ableitung.
Weil unseres Erachtens eine direkte Abhängigkeit nicht in Frage kommt, nahmen wir wieder das Idiotikon zu Hilfe. Im Idiotikon belegt ist der Ausdruck Hudi haa bzw. Hudi mache für „ausgelassen fröhlich sein, auch bei Tanzanlässen“. Gäägger, Gääggeler ist aus dem Verb gäägge „laut und schrill tönen, krächzen“ abgeleitet, das noch heute in Gebrauch ist. Uns scheint viel wahrscheinlicher, dass Hudigääggeler aus Hudi haa und gäägge gebildet ist. Welchen Anteil die Bezeichnung Hudelimusig an dieser Bildung hat, dürfte schwer auszumachen sein.
Christian Schmid, Redaktor DRS1
PS: In Einsiedeln gibt's übrigens eine Formation, welche im Stile der legendären Kapelle Johann Fuchs, eben Hudelimusik genannt, aufspielt: Hudeli-Musig aus Einsiedeln.





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