Falls Nationalstaaten uns demnächst um die Ohren fliegen
"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen."
Arthur Schopenhauer





1 Kommentare:
Das Widersprüchliche am Begriff "Nationalstolz" ist ja bereits, dass man eigentlich nur auf Dinge Stolz sein kann, die man sich selbst erarbeitet hat. Höchstens also bei einem Eingebürgerten, aber da hat sicher jeder auch schon grösseres geleistet.
Ich halte es mit der Nationalität so, wie es Mani Matter in "Mir hei e Verein" besingt. Mal sehe ich das Gute, mal das Schlechte und am Ende sage ich wie im Lied "i ghöre derzue".
Sicher ein armer Tropf, der sich nur durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe definieren kann. Denn auch wenn man sich nicht gerade bedeutender persönlicher Vorzüge loben kann, so kann man doch kritisch genug sein, seinen Verein, seine Firma, sein Land in seinen positiven und negativen Aspekten zu betrachten und zu würdigen. Und am Schluss sagen: "ich gehöre - trotz dem einen oder anderen - gerne dazu".
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