Donnerstag, 20. August 2009

Hausfrau Hannas Sommerunterhaltung

Es ist ein schöner, warmer Sommerabend. Hausfrau Hanna setzt sich mit einem Krimi aus dem kühlen Norden auf den Balkon. Sie macht es sich bequem, schlägt das Buch beim Eselsohr auf, das sie als Buchzeichen am Tag zuvor hineingefaltet hat und beginnt zu lesen:

„Nils Kant hat sein Gewehr auf die beiden deutschen Soldaten gerichtet, den Finger am Abzug. Der Wind, das Vogelgezwitscher und alle anderen Geräusche der Alvar sind verstummt.“ ....
Irgendetwas ist zu hören. Irritiert legt Hanna das Buch zur Seite und sieht, wie der Wind durch die Blätter des riesigen Ahorns rauscht. Aber es ist nicht dieses Geräusch, das sie aus der Fassung bringt. Es ist ein stetes dumpfes, gleichmässiges Dröhnen, das sich wie ein Teppich über den Gärten ausbreitet. Hanna echauffiert sich: „Was ist denn jetzt wieder los! Kann man nicht e i n m a l draussen sitzen, ohne dass man belästigt wird. Heute hat es nach einem ruhigen Abend ausgesehen. Für einmal ohne Festzelt! Ohne Geburtstagsparty! Ohne Rauchschwaden von Grillfeuern, die alles einnebeln! Und ohne Spassmacher, die sämtliche Anwohner mit ihren Witzen unterhalten! Jetzt beginnt doch tatsächlich eine Band in irgendeinem Keller ihr neues Musikprogramm zu üben. Wenn die Ausdauer hat, dauert das Stunden.“

Plötzlich ertönt eine ganz andere Musik. Eine Geige überstrahlt den wummernden Klangteppich mit ihrem klaren, reinen und schönen Ton. Hanna erkennt, dass es Bach ist. Irgendein Musikliebhaber hat seine Anlage aufgedreht. Eine Stunde dauert diese Musikmeditation, und sie versetzt Hanna in eine ruhige, friedliche und heitere Stimmung.

„Schade, dass schon Schluss ist. Ich hätte noch stundenlang weiterhören können“, denkt Hanna. „Wahrscheinlich ist der unbekannte Musikfreund ein anständiger, rücksichtsvoller Mensch. Ich nicht!“
Und so geht Hanna ins Wohnzimmer zur Musikanlage. Legt eine CD von Bach ein. Dann ertönt Angela Hewitts Interpretation des ‚Wohltemperierten Klaviers’ durch die weit geöffneten Fenster und Balkontüren und schallt in den Hinterhof hinaus.

Hausfrau Hannas Hinterhofmusik:



Hausfrau Hannas Hinterhof-Krimi: Öland von Johan Theorin

2 Kommentare:

Anonym

Was für eine schöne Frau und was für schöne Musik!
Wir (eine Grossmama und ihre 4-jährige Enkelin) sitzen ruhig da und geniessen die Musik zusammen.
Danke Hausfrau Hanna für diese sommerliche 'Hinterhofmusik'!

Hausfrau Hanna

Liebe anonyme Grossmama,
ich freue mich ganz besonders über diesen Kommentar! Dass Angela Hewitt ein 4-jähriges Kind in den Bann zu ziehen vermag, verwundert mich nicht:
Für mich ist sie eine herausragende und begnadete Bachinterpretin. Leider ist sie bei uns nicht so bekannt wie im anglikanischen Raum.

PS. Nächstes Jahr gibt Angela Hewitt übrigens in der Nordwestschweiz ein Konzert, in Liestal BL:

Extra Konzert
kammerorchesterbasel

Kein Abonnement, freier Verkauf
Es spielen:
Werke von:

Angela Hewitt Klavier
J.S. Bach,
Julia Schröder Leitung
F. Martin



Sonntag, 16. Mai 2010, 19.30 Uhr, Stadtkirche Liestal

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