Sonntag, 20. September 2009

Gedanken über den Eidg. Dank-, Buss- und Bettag

 Foto: pixdaus.com

Nächstens feiern wir den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Es ist der älteste nationale Feiertag unseres Bundesstaates und gleichzeitig ein ökumenischer kirchlicher Feiertag; Ostern, Karfreitag, Pfingsten und Weihnachten gleichgestellt. Er erinnert uns an Moses, der sein Volk vom Tanz um das goldene Kalb abhielt und zur Annahme der zehn Gebote führte. Diese Umkehr des gottvergessenen Volkes, hin zu den Gesetzen Gottes ist das Grundmotiv des Bettages.

Wer meine Beiträge bisher gelesen hat, weiss, dass es mir bei allen volkskulturellen Überlieferungen – auch den Dank-, Buss- und Bettag möchte ich in diesem Kontext gewertet wissen – mehr darum geht, dem möglichen Gehalt, dem Sinn hinter der Form nachzuspüren. Dazu reicht wissenschaftliches Denken allerdings nicht aus. Dazu ist ein weiteres Organ vonnöten, das jedoch während der langen Zeit des Nur-Wissen-Sich-Aneignens immer mehr verkümmert. Dieses Organ erhält heute seine Bedeutung höchstens noch als Blutpumpe und erheischt seine Aufmerksamkeit dadurch, wenn es zu kollabieren droht. Ja, es wäre unser Herz, das Wissen lebendig macht.

Doch zurück zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, dessen Begehung in unseren Landeskirchen sein etwas kümmerliches Dasein fristet, weil die meisten Pfarrherren wohl studierte Theologen sind, doch äusserst selten Seelsorger.

Mit der Dankbarkeit ist es in der Schweiz nicht mehr so weit her. Wir fordern lieber und strafen (büssen) die Anderen mit Verachtung, wenn sie unsere Forderungen nicht erfüllen mögen. Auch das Geben (Gebet) liegt uns nicht und bereits Gottfried Keller warnte einst uns Schweizer davor, sich auf dem Lorbeer auszuruhen, den uns andere spenden.

Wir Schweizer haben das Nehmen zur Meisterschaft gebracht, müssen jedoch verdrängen, dass vor dem Nehmen das Geben steht. Doch es waltet ein natürliches Gesetz des Ausgleichs und es kommt die Zeit, wo uns für die Bezahlung nicht mehr Aufschub geleistet wird.

Das also ist aktuell des Schweizers gelebter Dank-, Buss- und Bettag und es möge halt jeder für sich entscheiden, wie er es damit hält. Ob sich für ihn Dankbarkeit überhaupt lohnt, das Büssen ein längst überholtes Relikt einfältiger Mönchsmoral ist und er das Gebet lediglich den frommen Soldaten der Heilsarmee zugesteht.

Mit der Dankbarkeit wie auch mit dem Gebet habe ich mich persönlich ausgesöhnt. Sie machen mir heute Sinn. Doch mit dem Begriff "Busse" stehe ich nach wie vor auf Kriegsfuss. In der religiösen Interpretation bedeutet es die Umkehr des Menschen zu Gott, von dem er sich durch die Sünde entfernt hat. Genau da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Dieser biblischen Urschulds-Geschichte kann ich nur wenig abgewinnen.

Wie wäre es jedoch, wenn ich dieses "Busse tun", diese Umkehr, in einem etwas anderen Lichte betrachten würde? Fernab aller päpstlichen, priesterlichen und pfarrherrlichen Machtgelüste? Wenn ich anstelle der religiösen Umkehr einfach meine aufrichtige Reue für alles Negative der Vergangenheit - meine nicht so netten Taten, Gedanken und Worte - setzen und gleichzeitig für meine Zukunft den festen Entschluss fassen würde, nicht wieder diesbezüglich zu versagen? Meine Zukunft so zu gestalten, dass sie keine Makel mehr aufweist, und zwar nicht bloss in meinen Taten, sondern ebenso in meinen Worten und Gedanken?

5 Kommentare:

Titus

Mönche taten früher ja Busse, indem sie sich selber auspeitschten. Ob sie sich damit von zukünftigen Sünden befreiten, kann wohl niemand so genau sagen. Die erst später eingeführte Psychoanalyse (warum habe ich gesündigt?) hätte wohl mehr gebracht als sich durch physische Gewalt quasi den Teufel auszutreiben...

Dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz ist jedoch zu entnehmen, dass Bettag «häufig mit Fastenübungen und Kollekten für Not leidende Glaubensgenossen verbunden wurde» sowie durchgeführte wurde «aus Dankbarkeit für die bisherige Bewahrung».

Von Busse tun ist da eigentlich nicht die Rede, höchstens von Verzicht (dieser Tag entstand ja im 16. und 17. Jahrhundert, da scheint mir eine Kollekte nur dank Verzicht möglich gewesen zu sein).

Die Frage wäre somit eher, wie Du (anderen) dafür danken kannst, dass es Dir gut geht.

Hanspeter Gautschin

@Titus: Die Mönche peitschten sich, um sich dafür zu bestrafen, weil sie noch nicht zu Gott gefunden haben (Busse bedeutet wirklich Umkehr). Und mit der Dankbarkaeit hast Du natürlich Recht. Deshalb auch der Dank-(Buss- und Bettag)Tag. Das Danken haben wir (ich schliesse mich selbstverständlich nicht aus) halt schon ein bisschen verlernt. Obwohl Dankbarkeit ein sehr gutes Gefühl erzeugt.

Anonym

Wenn andere einen auffordern Busse zu tun ist man schon in Gefahr sich unterbuttern zu lassen.
Wenn man aus sich herraus das Bedürfnis hat Busse zu tun wird man sich sicherlich nicht auspeitschen, dadurch wird ja nicht das wieder gut gemacht was man anscheinend (aus eigener Einschätzung) vermasselt hat.

Ausserdem wird Betttag doch mit drei "t" geschrieben...;-)

Stefan

Hanspeter Gautschin

@Stefan: Das meinte ich übrigens auch, mit den "kirchlichen Machtgelüsten" (z.B. eben: jemanden zur Busse verdonnern).

Nach neuerer "Rechtschreibung" müsste man wohl Betttag mit drei R's schreiben, doch das beleidigt einfach meine Augen.

uertner

Nun zu Busse und Peitsche: Die "Peitsche" vom Peer Steinbrück, wollen wir nicht, aber wenn der Peer Teuwsen, den Muschg was sagen lässt zu diesem Bettag, dann hat der Wander-Appenzeller Widmer etwas gegen "Selbstgeisselung". Ok, ok, wir bleiben einn selbstzufriedenes Völkli von Kägi-Fretli-Mampfern. Wie sagte schon Robert Walser: "Schnarchen und Schlafen ist besser als Dichten und Denken".

Bei der Busse geht es ja auch um "Umkehr". Nun hat die Alkaida letzthin die Deutschen zur "Umkehr" (Heimkehr aus Afghanistan) aufgerufen. Was nun? "Should I stay or schould I go now?"

Copyright 2007- : BodeständiX

Template 'CoolingFall' by Ourblogtemplates.com