Kultur des Notwendigen
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Kürzlich führte ich einen kleineren Disput mit einer Anwärterin fürs Kulturministerium auf Facebook. Es ging, wie könnte es anders sein, um Kultur, beziehungsweise, was Kultur nicht sein kann. Da schaltete sich ein kulturbefliessener Herr ein und putzte mich ziemlich arrogant runter. Sie wüssten denn schon, was Kultur sei. Sie beriefen sich nämlich auf die Unesco-Definition. Wer immer er auch unter SIE meinte, dieser Herr hat's nicht begriffen. Er plappert lediglich daher, was andere ihm vorgebetet haben, gleich den Förderkraten, die sich begierig auf solche Papiertiger stürzen müssen mangels eigenen Denkens. Deshalb halte ich die heutige Zeit auch für völlig kulturlos. Trotz vieler professioneller Kulturschaffenden, welche jedoch nur das produzieren, was die Förderkratie fördert bzw. fordert.
Da halte ich es schon lieber mit Titus, der in einem Kommentar zu einem Zappadong-Beitrag meinte, dass er zwar kein Kulturschaffender "im klassischen Sinne" (!) sei, er jedoch meine, dass wir ALLE etwas zu unserer gesellschaftlichen Kultur beitragen würden.
Oder etwa auch Bruder Bernhard, der die Notwendigkeit zum Glücklichsein kultiviert. Oder eben Bodeständix, der weiss, dass es mit unserer staatlich geförderten Kultur nicht weit her ist. Kulturministerin hin, Kulturminister her.
PS: In eine ähnliche Richtung deutet der heutige Blogbeitrag von unkultur. Lesenswert!






6 Kommentare:
Sind das nicht trotzdem zwei unterschiedliche Dinge? Ich glaub hier werden zwei Sachen zusammengemauschelt. Hier ist einmal die Alltagskultur, zu der wir alle beitragen - wie und über was wir Sprechen - wie wir uns anziehen (Ehitelkeit ist auch eine Form des Umweltschutzes!!) usw...
und dann die "klassische" Kultur, gefördert oder auch nicht...
Und dann noch ganz viel dazwischen.
@Mara Eben nicht. Kultur ist Kultur ist Kultur. Und die hat man/frau oder eben nicht. Und Kunst gedeiht in einem kulturellen Klima und das haben wir schon lange nicht mehr. Mammon war noch nie ein Förderer.
s. dazu auch: Die Vermischung von Kunst und Kultur
@ hanspeter Gautschi
Sorry, bei mir hat es etwas länger gedauert um zu verstehen was du meinst.
Trotzalledem glaub ich nicht, dass wir uns so unterscheiden. Kultur ist da (mehr oder weniger) - alles was sich so gesellschaftlich erreignet, Lebensstil - Lebenseinstellung - etc..
Aber ich glaube trotzdem, dass es Sinn macht auch einen weiteren Kultur/von mir auch aus Kunstbegriff zu haben. Denn nicht jede Kunst stellt gerade nciht immer nur in Frage, ist nicht nur kritische Reflexion - auch wenn man sich das manchmal wünscht. Und doch ist es im Gegensatz zur "Alltagskultur" in einem anderen Kontext im Entstehen.
Zumindest stellt sich mein Berufsstand bei den Defiitionen das so vor...
@ Mara: Ja natürlich, es gibt auch die sog. "Röhrender-Hirsch-Kunst" oder dergleichen. Das benenn' ich dann halt als Kunsthandwerk (wenn's Handwerk wenigstens stimmt) oder dann als Kitsch.
Ich meine zu verstehen, was Mara meint.
Ich würde diese «andere» Kultur als experimentell, als überspitzt (das ist nicht negativ zu verstehen) und als Vorreiter bezeichnen, bei welcher sich erst noch zeigen muss, was und wieviel sich in die Alltagskultur überträgt.
Ich nehme als Beispiel die Modebranche: Was da auf den Laufstegen als zukünftige Kleiderkultur angepriesen wird, kommt in dieser überspitzten Form nie in die Läden, weil es keinen Absatz finden würde.
Bei der Musik, als weiteres Beispiel, sehe ich das ähnlich: Was einige herausragende Köpfe an neuen Stilrichtungen erfindet, schlägt sich nie in gleicher Weise auf die Alltagskultur (Musikvereine, Formationen usw.) nieder.
Spannend scheint mir die Frage - und nun mache ich den Link zu den Förderkraten sowie zu Frau Unkulturs Beitrag - wer wieviel von dieser anderen Kultur in «Reinform» in den Alltag hinaus trägt.
Dabei kann es durchaus auch sein, dass es nicht die klassischen Kulturschaffenden sind, welche einem neuen Trend, einer neue Stilrichtung oder eben einer neuen Kultur zum Erfolg verhelfen.
Gerade was menschliche Eigenschaften bzw. Bekenntnisse betrifft, sind es nicht die Kulturschaffenden, die zu einer neuen Kultur beitragen, sondern eher Personen des öffentlichen Lebens.
Wenn z. B. Bescheidenheit oder gegenseitigen Respekt von einem Politiker in eindrücklicherweise vorgelebt wird, kann dies zu eienr neuen Gesprächskultur führen. Es könnte sich aber auch auf die Beleidungskultur niederschlagen, da z. B. ein peppiges Rot einfach nicht zur gelebten Bescheidenheit passt.
Eine komplexe Sache, die sich auf jeden Fall nicht auf eine UNESCO-Definition reduzieren lässt...
ganz so sophisticated muss es gar nicht sein..
Ich denk mal eher von der Praxis her - Kulturschaffende stehen unter einem besonderen verfassungsrechtlichen Schutz - sie dürfen mehr als ansonsten so möglich ist. Andere Werke weiterverarbeiten, spottisch, ironisch sein .. ja man erwartet ja schon fast das Grenzen überschritten wird.
Aber diese Schutzgrenzen für andere (Copyrightfragen, Beleidigung etc) müssen eben irgendwo gezogen werden. Im Alltag dürfen solche Grenzüberschreiten nicht ankommen. So haben wir zwar eine Alltagskultur - dies ist aber keine Kunst im juristischen Sinne.
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