Dienstag, 29. September 2009

Säen und ernten ohne Ruh'


Kartoffelmama ist zufrieden

Die letzte Kartoffel haben wir gestern ausgegraben. Die Kartoffelernte ist vorbei. Ganze drei Wochen hat sie gedauert. Prächtiges Wetter hat dazu geführt, dass es diesmal nicht so eine Plackerei gewesen ist.

Die diesjährige Kartoffelernte lässt mich ein bisschen ins Sinnieren kommen. Die Kartoffelkinder purzelten in grosser Anzahl aus dem Boden. Es war eine durchaus ergiebige Ernte. Doch das nimmt heute kaum jemand noch zur Kenntnis. Wer interessiert sich noch dafür, ob die Ernte der Bauern gut ausgefallen ist? Unseren Bedarf decken wir bekanntlich bei den Grossverteilern, vielleicht hie und da noch im Bio-Lädeli. Den Prozess der Aussaat, des Wachsens und Reifens und der abschliessenden Ernte haben wir aus unseren Augen verloren und deshalb macht dieser Zyklus uns auch keinen Sinn mehr. Verständnislos nehmen wir zur Kenntnis, dass in den ländlichen Gegenden noch eine "Sichlete" - eine Art Erntedankfest - gefeiert wird. Doch auch hier deckt wohl der Alkoholpegel den Sinn dieses Festes zu. Das Dankeschön nämlich an Mutter Natur, die uns wiederum für ein weiteres Jahr die Kammern gefüllt hat.

Ich selber habe wieder staunen gelernt: Eine Kartoffel kann uns viele, viele neue Kartoffeln schenken. Mutter Natur gibt überaus freigiebig. Es kann also nicht sein, dass wir in einer so begrenzten Ressourcen-Welt leben müssen. Eher stimmt das Gegenteil: Die Natur lehrt uns Fülle, und wie wir diese Fülle klug für naturbedingte Nichtfülle zu verwenden haben.

Geniessen wir den Herbst (das Einbringen), um dann die kommende ruhende Zeit für unsere Regeneration zu nützen. Leider sind das wohl nur Wunschträume. Wir Menschen MÜSSEN ja auch im Winter säen und ernten. So will es unser gefrässiges System. Es kennt keine Ruhetage. Nur ein VORWÄRTS, ein AUFWÄRTS. Doch "unter einem dünnen Apfelhäutchen brodelt das Chaos." (Nietzsche)

2 Kommentare:

Titus

Gut formuliert.

Allerdings kam heute im 10vor10 ein Beitrag über die Kartoffelernte bzw. nicht-Ernte - weil zu trocken für die maschinelle Ernte, welche die Kartoffeln kaputt machen würde...

Hanspeter Gautschin

@Titus: Da hst Du es bei mir viel besser: Infos aus erster Hand! Tatsächlich hatten einige Bauern in der Gegend Probleme mit ihren Kartoffeln, weil es zu trocken war. Die schlauen Bauern haben jedoch hie und da ihre Kartoffeln vor dem Ausgraben gewässert. So wie mein schlauer Bauer. Er hatte überhaupt keine Schäden. Vielleicht ist es auch an mir gelegen!

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