Freitag, 2. Oktober 2009

Ein Wirtschaften auf Pump


Aufwärts mit heisser Luft.

Ach, wie ich diesen Ausspruch meiner Mutter hasste:
Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not (oder: spare in guten Zeiten, für schlechte Zeiten)
Schliesslich bin ich als Kind des ungebrochenen Wirtschaftsaufschwungs zur Welt gekommen. Alles war damals möglich: Bauboom, Autobahnen, Ferien in südlichen Gefilden, steigende Löhne usw., usw.  Neuer Job? Erstmals die Welt erkunden. Damals herrschte nämlich Vollbeschäftigung und es genügte eine einfache Bewerbung, um wieder in "Brot und Ehre" zu sein. Herrliche Zeiten!

Du ahnst es, liebe Leserin, lieber Leser, sparen war nicht gerade eine meiner herausragendsten Tugenden. Doch während vieler Jahre meiner unbewussten "Einweihung" ins irdische Leben (Trial & Error) habe ich hin und wieder Häppchen von Einsichten erhalten, die es mir erlaubten, mein eigenes Leben erträglicher zu gestalten. Nicht die Form, nicht die Menge machen mich glücklich, eher der Inhalt (schön zu beweisen bei einer Flasche gut gefüllten Biers, wobei die Menge mich auch hier nicht glücklich macht, höchstens besoffen!)  Oder: Auch wenn ich drei Superschlitten (Autos) dem neidischen Nachbarn vorführen könnte, brächte mir das wohl nur kurzfristigen Lustgewinn ein. Solange nämlich, bis mir der schreckliche Nachbar vier Autos präsentieren würde. Das Spielchen begänne von vorne.

UND?

Ist es nicht exakt dieses Spielchen, das unsere Wirtschaft am Laufen hält?  Oder andersherum gefragt: Wenn sich diese "ehrenvolle Tugend" des Sparens - von sicher einem Fünftel unserer Industriewelt gelebt und gerne bei jeder Gelegenheit mit Stolz unterstrichen - bei den restlichen vier Fünfteln durchsetzen würde, wäre Wachstum wie bisher "vorgelebt" überhaupt möglich? Klares NEIN. Unser Wirtschaftssystem ist auf eine permanente Verschuldung bezüglich Wachstum angewiesen. Ein Wirtschaften auf Pump.

Der Planet Erde ist jedoch begrenzt.
Eine bittere Erkenntnis, wenn man sie erst einmal verstehen lernen will. Wohlstand für alle zu propagieren, ist wohl ein weiterer grosser Selbstbetrug unserer aktuell gelehrten "modernen" Volkswirtschaftslehre. Eine bewusst genährte Illusion von ein paar wenigen Nutzniessern an uns Schafe und wir folgen ihr im "guten Glauben". Immerhin haben wir doch einen Nutzen davon, zwar in grossen Abstufungen nach unten. Quasi als Bonus, weil wir treu und brav im System mitziehen...

Vor exakt einem Jahr hat unser illusionäres System bedrohlich gewankt. Drohte gar abzustürzen, uns alle mitzureissen. Unsere "Experten" schütteten alles noch einmal mit weiteren Schulden zu (mit Schulden Schulden sanieren!), die Generationen mittels Steuern noch abtragen müssen. Heute verkünden uns die gleichen "Experten" vollmundig, dass es "wieder aufwärts" gehe. Aufwärts mit neuer heisser Luft. Denn auch Heissluftballons steigen schliesslich damit.

Doch eben: Unser blauer Planet ist begrenzt und er will uns kein Diskussionspartner sein. Er lässt uns  keine Möglichkeit für einen weiteren runden Tisch, für ein neues Gesetz oder irgendein Bail-Out-Programm. Natur ist reines Handlungsorgan. Aktion = Reaktion, ohne Wertung, ohne Pardon.

ES GESCHIEHT EINFACH.
“Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.”
Kenneth Ewart Boulding, 1910-1993

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