Montag, 12. Oktober 2009

Diener zweier Herren?

Einen bemerkenswerten Beitrag hat Titus heute auf seiner 'Augenreiberei' aufgeschaltet. Er widmet sich einem äusserst heiklen Thema.

Wie kann der Wert eines Menschen bemessen werden?

Gibt es unwertes Leben? Ist es für unsere Gesellschaft ein Segen, wenn dank Pränataldiagnostik nur noch lebenstüchtigen Menschen  der Eintritt ins irdische Leben gestattet wird?

Weshalb gibt es denn noch Eltern, die ihr behindertes Kind umsorgen, damit es trotz seiner Behinderung ein lebenswertes Dasein erfährt? Ein solches Kind ist doch nur Hindernis für die eigene persönliche Entfaltung. Es stiftet keinen ökonomischen Nutzen. Im Gegenteil. Es kostet nur.

Wir sind geneigt, unseres und anderes Leben nur noch aus der ökonomischen Nutzenwarte aus zu betrachten. Werte sind für uns lediglich materielle Werte. Wir sind gefangen in Mammons Ideologie:

Materialismus
Wir ordnen dieser Religion alles unter. Was materiellen Nutzen verspricht, was Arbeitsplätze schafft, ist gut. Alles menschliche Leben, das uns keinen Nutzen stiftet, schieben wir ab. Lassen es in staatlicher Obhut dahinsiechen. Eine ganze Industrie ist daraus entstanden, die Milliarden generiert. Kosten sind staatlich. Gewinne sind privat.  Mammons Lehrsätze.

Weshalb also umsorgen Eltern ihr behindertes Kind?

Ist es möglicherweise Liebe?  Ein Wert, den wir nicht in Zahlen fassen können? Liebe, die keine Bedingungen stellt, keinen Nutzen einfordert?

Liebe, die unsere kalte Welt wärmt.

Mammon hasst sie. Lässt ihr keinen Raum.
Mammon fordert Unterwerfung unters kalte Nutzenprinzip.
Mammon will nützliche Sklaven.

Doch wir Menschen besitzen etwas, das Mammon nicht kennt: Entscheidungsfreiheit.

1 Kommentare:

Titus

Tja, die Sache mit den Arbeitsplätzen und den Menschenleben ging mir auch schon durch den Kopf (und hatte ich hier auch schon thematisiert: http://www.augenreiberei.ch/2009/08/12/60-jahre-genfer-konventionen-%e2%80%93-und-die-heutige-doppelmoral-der-schweiz/)

Noch ein Wort zum Wert des Lebens. Bin heute auf diesen Artikel gestossen:
http://blog.bazonline.ch/mamablog/index.php/5602/les-miserables/

Nett, wie hier das Kinder-haben einzig und alleine auf den Stutz reduziert wird und der Autor deshalb zum Schluss kommt, dass «Kinder das Wertvollste» sind, weil sie viel kosten... Dass sie auch wertvoll sein können, weil sie einem z. B. viel Freude schenken könnne, scheint dem Autor fremd zu sein...

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