Pfarrers Kinder, Müllers Vieh...
Gestern habe ich mir die 'Arena' angetan. Eifrig wurde über die Personenfreizügigkeit diskutiert zerpflückt, zerredet und mit allerlei Zahlenmaterial das 'Für bzw. Wider' unterlegt. Also nichts Neues unter helvetischem Himmel. PolitikerInnen sind halt auch nur Sektengläubige ihres Stammes und im politischen Leben gehalten durch ihre Lobby-Paten. Wir Schäfchen lauschen gebannt ihren hohlklingenden Reden, schütteln hin und wieder zustimmend oder ablehnend den Kopf und meinen, mit einem ideologiebehafteten 'Ja' oder 'Nein' hätten wir unsere Pflicht getan. Doch mit diesem Nicht-Denken können wir unsere gewaltigen Probleme nicht lösen. Da müssten wir erst einfach werden 'wie die Kinder' und entsprechend 'naive' Fragen stellen und spöttisches Gelächter ertragen können.
Im Dezember 2008 habe ich in einem Beitrag zur Abstimmung über die Freizügigkeit geschrieben:
"... Es gibt Zeiten, wo mich die Arglosigkeit vieler SchweizerInnen etwas beunruhigt. Da schlittern wir gerade in eine Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmasses, weil unser vielgepriesenes GRENZENLOSES System am Kollabieren ist, und träumen weiterhin ein grenzenloses Leben. Wir hinterlassen unseren Kindern eine Welt mit Billionen an Schulden, mit denen wir die Banken finanzieren, die ihnen dann die Zinsen unserer Schuld abknöpfen werden. Eine Welt ohne Jobs, ohne Zukunft ..."und habe damit nicht nur eitel Freude ausgelöst (s. Kommentare). Doch in der gestrigen 'Arena' sprudelte es munter weiter mit dieser 'Grenzenlosigkeit' (internationale Verträge), dem nahen 'Wirtschaftsaufschwung' (dann gibt's noch mehr Zuwanderung) usw. Kein Wort über die aktuelle Lage, kein Eingehen auf die berechtigten Existenzängste vieler SchweizerInnen und hier Integrierter. Alles wird sog. 'übergeordneten Interessen' geopfert. Die Bevölkerung fühlt sich nicht aufgehoben. Die Familie Schweiz n'éxiste pas......
Dazu kommt mir eine nette Volksweisheit in den Sinn:
Pfarrers Kinder, Müllers Vieh gedeihen selten oder nie.In einer Pfarrersfamilie aufzuwachsen bedeutet nämlich, heute wie früher, Verzicht auf viel Familienleben. Immer dann, wenn Feste zu feiern sind, ist der Vater oder die Mutter kirchlich eingebunden, gerade dann ist für ihn/sie Hauptarbeitszeit. Diese Zeit fehlt dann der Familie und das wird auch schmerzlich so empfunden. Immer kommen zuerst die Anderen, die Haustüre ist allzeit offen. Die Nöte der eigenen Kinder rücken in den Hintergrund.
Nächstenliebe ist zwar ein Kernpunkt des christlichen Glaubens und Solidarität die weltliche Schwester; doch wenn beide nur dazu dienen, nicht im eigenen Hause zu kehren, dann gibt's halt das Chaos, dem wir heute so fassungslos gegenüberstehen... - ja, auch die Fussball-Chaoten.
Zum Schluss noch etwas Amüsantes:
Ein mir bekannter katholischer Pfarrer fragte mich einmal so nebenbei, ob ich den wahren Unterschied zwischen einem katholischen und einem reformierten Pfarrer kenne? Ich verneinte und stellte mir vor, dass jetzt wohl allerlei theologische Spitzfindigkeiten auf mich niederprasseln würden. Doch er meinte nur lapidar: "Statte ihnen einmal einen Besuch ab. Der katholische Pfarrer schenkt Dir einen guten Tropfen Wein ein, der reformierte Pfarrer stellt Dir eine Tasse Tee hin..." (der 'Arme' ist ja verheiratet!).





2 Kommentare:
Ich habe das Sprichwort von den Pfarrerskindern (alternativ auch "Lehrers Kinder") und den Kühen des Müllers immer so verstanden, dass da, wo man aufgrund eines Überflusses an Ressourcen ein Gelingen erwartet, häufig gerade das Gegenteil eintritt.
Interessant. Diese Interpretation ist für mich auch stimmig.
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