Das trauliche Gefühl von Weihnachten
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Ich bedanke mich bei allen Leserinnen und Lesern meines Blogs fürs aufmerksame Lesen und wünsche frohe Weihnachten. Als kleines Dankeschön schalte ich meinen Beitrag aus dem Jahr 2009 über eben dieses Fest auf:
Passend zur kommenden Weihnachtszeit und zum Jahresende möchte ich einen weiteren Aspekt der Volkskultur beleuchten: Die Volksfrömmigkeit. Wieder ein Ausdruck, der von der Kulturwissenschaft gar nicht geliebt wird, obwohl sie ihn früher selbst kreiert hatte. Die Volksfrömmigkeit ist, auf einen einfachen Nenner gebracht, die gelebte Antwort des Menschen auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens. Sie spricht die Sinne und das Gemüt stärker an als den Verstand. Sie liebt ausdrucksstarke Formen und sucht die Nähe.
Die Kirchenoberen hatten wohl nie grosse Freude daran, wie ihre Schäfchen die vorgegebenen Glaubensinhalte und Praxisformen ihren eigenen Bedürfnissen anpassten und sie kreativ umwandelten. Gerade die Weihnachtszeit mit ihren Bräuchen steht exemplarisch für eine solche Volksfrömmigkeit. Die heute geläufigen Formen und Bräuche wie Christbaum, Christkind und teils noch die Krippenspiele zeugen davon. Sie sind jedoch nicht so alt, wie es uns gerne scheinen mag. So hat Weihnachten ihre Bedeutung als Gemeinschaftserlebnis und Familienfest des Jahres erst in neuerer Zeit erlangt. Die Wurzeln liegen bekanntlich in der kirchlichen Feier der Geburt Christi, die - im Gegensatz zum heidnischen Fest der Wintersonnenwende - im frühen 4. Jahrhundert in Rom eingeführt wurde und sich rasch über das römische Staatsgebiet ausbreitete. Die spezifisch christlichen Formen entwickelten sich jedoch erst im Spätmittelalter (Mitte 13. bis Ende 15. Jahrhunderts). Dazu gehörten die Weihnachtsspiele, die sich zunächst im klösterlichen Umfeld herausbildeten und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von Pfarreien, Schulen und Vereinen gepflegt wurden. Wie liebten wir es doch als Kinder, wenn wir in der Schule solche Krippenspiele für unsere Eltern und Verwandten aufführen durften. Es galt als schauspielerische Höchstauszeichnung, den Josef oder die Maria zu spielen. Ob auch heute noch solche Krippenspiele an den Schulen aufgeführt werden (dürfen!), entzieht sich leider meiner Kenntnis.
Der Christbaum als Herzstück des Weihnachtsfestes ist noch jüngeren Datums. Er breitete sich nämlich erst im 19. Jahrhundert von Deutschland her allmählich in der Deutschschweiz aus. Zunächst lediglich in den Kirchen, Schul- und Pfarrhäusern der reformierten Städte.
Heute kennen wir Weihnachten eher als das Fest der Geschenke und es wäre wohl interessant zu erfahren, wie viele Menschen den Ursprung und Sinn des Festes noch kennen. Weihnachten wurde übrigens erst ab dem späten 19. Jahrhundert zum Fest der Bescherung. Vorher fand die Bescherung nämlich vornehmlich am Nikolaustag (in katholischen Gebieten), am Dreikönigstag (im Tessin) und in den reformierten Gebieten mehrheitlich an Neujahr statt. Das Christkind als Gabenbringer wurde übrigens in katholischen Gebieten lange als reformierte Vorstellung empfunden. Doch das Christkind konnte sich allmählich als beliebter Geschenkebringer durchsetzen und verdrängte Gestalten wie Chalande (Genf), Chauche-vieille (Waadt) oder Père Noël (Jura).
Ich mache mir seit geraumer Zeit diese Volksfrömmigkeit zunutze und halte am Heiligen Abend ein für mich stimmiges Ritual ab. Den Heiligen Abend habe ich exklusiv für mich gepachtet. Da gibt's keine Besuche. Da bin ich unabkömmlich. Wenn's dann so richtig dunkel wird, gehe ich hinaus in die Natur, mache mir im finsteren Wald ein kleines Feuer und setze mich dazu. So kann ich die ganz eigenartige Stimmung - das trauliche Gefühl von Weihnachten - für mich geniessen.






7 Kommentare:
Ja, so schwer es dem theologisch geschulten Hirn fällt: Die Volksfrömmigkeit hat ihre Weisheit. Die religionsgeschichtliche Abteilung belehrt aber auch den Kopf, dass auch die sicher geglaubten Säulen aus Mischungen verschiedener Kulte entsatnden sind. Der Weihnachtsbaum hat heidnische Wurzeln, aber Psalm 104 ist wie eine Kopie ägyptischer vorlagen. So ging und geht es ständig hin und her...
@theomix: Die richtige "Mischung" ergibt die Würze...
Einen besinnlichen Heiligabend allein im Wald,
lieber Hanspeter,
wünscht Hausfrau Hanna
Und passend dazu Hermann Hesses
'In Weihnachtszeiten':
"In Weihnachtszeiten reis' ich gern
Und bin dem Kinderjubel fern
Und geh in Wald und Schnee allein.
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
Trifft meine gute Stunde ein,
Dass ich von allem, was da war,
Auf einem Augenblick gesunde
Und irgendwo im Wald für eine Stunde
Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
Und wieder Knabe bin...
Ich könnte mir das sehr gut auch in einer Gruppe / mit einer Familie vorstellen, ohne viel Gelächter und Gerede, sondern einfach nur besinnliches dem-Feuer-zuschauen.
Und wenn noch Schnee liegt und es ganz kalt ist, dazu vielleicht noch einen warmen Tee aus der Kanne (oder direkt vom Feuer).
P.S. Der Kommentar von hank ist glaube ich Spam... :-(
Immer noch schön, dieser Beitrag aus dem Jahre 2009,
lieber BodeständiX,
aber ein aktueller Beitrag würde mir n o c h besser gefallen...
Auch dir frohe, trauliche und besinnliche Weihnachtstage,
Hausfrau Hanna
Ich hoffe sehr, liebe Hausfrau Hanna, dass mich die Muse im Neuen Jahr sanft zu neuen Schreibtaten küssen wird. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!
Die Musse hat dich lange genug geküsst,
lieber BodeständiX,
nun soll die Muse den Mund spitzen zum Küssen...;-)
Meint, herzlich grüssend,
Hausfrau Hanna
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