Mittwoch, 29. April 2009

Mit einem Hauch lasziver Sinnlichkeit

Zarte 23 Lenze jung und eine solch' ausdrucksvolle Stimme mit einem Hauch lasziver Sinnlichkeit: Melody Gardot.

Sie verdankt ihre Karriere übrigens nicht einer typischen Musikerbiografie, sondern einem tragischen Ereignis. Als Gardot gerade mal 19 Jahre alt ist, zieht sie sich nämlich bei einem Unfall einen mehrfachen Beckenbruch, Wirbelsäulen-, Nerven- und Kopfverletzungen zu. Auf den Rat ihres Arztes fängt sie an, Songs zu schreiben, um sich selbst zu therapieren. Das Ergebnis dieser Therapie ist durchaus hörenswert (leider kann ich dieses wundervolle Lied "Your Heart Is As Black As Night" nicht hier einbetten, deshalb schicke ich Dich zum Anhören direkt auf Youtube):
Zum Reinhören hier anklicken

Die Zwitscher-Logik entschlüsseln helfen

Der BodeständiX macht einen auf 2.0 und treibt sich im Gesichtsbuch rum und lernt auch zwitschern, wobei ihm das Zwitschern bzw. die Zwitscher-Logik noch ziemlich sieben-siegel-buchig vorkommt. Vielleicht hilft ihm einE BlogleserIn auf die Zwitscher-Sprünge?

Dienstag, 28. April 2009

Hudigääggeler und Hudelimusig: Gehören sie zusammen?

Momentan habe ich erstaunlich viele BesucherInnen, welche "Hudigääggeler" gegoogelt haben und eben bei mir gelandet sind, weil ich vor einiger Zeit den Beitrag "Der Hudigääggeler erobert die Grossstadt zurück" geschrieben habe. Erstaunlicherweise wird dieser Ausdruck auch von Jugendlichen gerne benützt, wenn sie ihre Abneigung gegen die (Schweizer) Volksmusik kundtun. Möglicherweise verwechseln sie da etwas und meinen damit wohl den Musikanten-Stadl-Einheitsbrei.

Doch woher stammt denn dieser eigentümliche Ausdruck? Da mir eine entsprechende Recherchenarbeit bereits durch den Sprachwissenschaftler Christian Schmid (ist Redaktor bei Schweizer Radio DRS 1 und regelmässig zu hören in den Sendungen "Siesta", "Schnabelweid" und "Mailbox") abgenommen wurde, lass' ich ihn hiermit gerne zu Wort kommen:

Beim Wort Hudigääggeler, einer abschätzigen Bezeichnung für ein Volksmusikstück, war die Situation insofern schwieriger, als das Wort im Idiotikon fehlt. Es müsste im Band 2 von 1885 stehen, ist aber wohl bedeutend jünger. Wir suchten Hilfe bei der Volksmusikredaktion von Radio DRS und erhielten zwei Bücher, nämlich die populäre Studie „Schweizer Volksmusik – was ist das eigentlich“ (1979) von Rico Peter und die wissenschaftliche Arbeit „Schweizer Volksmusik von den Anfängen um 1800 bis zur Gegenwart“ (2006) von Dieter Ringli. Beide erzählen dieselbe Geschichte:

Um 1900 lebte in Einsiedeln die Familie Fuchs, aus deren Mitgliedern die bekannte Familienmusik Fuchs entstand. Weil die alte Mutter Fuchs jeden Morgen sehr früh ihre Hühner fütterte, dabei laut chum Hudeli chum rief und mit ihrem Rufen die Nachbarn weckte, wurde die Familie bald spöttisch s Hudelis genannt und die Familienmusik Hudelimusig. Soweit ist die Geschichte durch Quellen erhärtet. Rico Peter behauptet nun eine direkte Ableitung von Hudigääggeler aus Hudelimusig. Dieter Ringli erwägt vorsichtig die Möglichkeit einer Ableitung.

Weil unseres Erachtens eine direkte Abhängigkeit nicht in Frage kommt, nahmen wir wieder das Idiotikon zu Hilfe. Im Idiotikon belegt ist der Ausdruck Hudi haa bzw. Hudi mache für „ausgelassen fröhlich sein, auch bei Tanzanlässen“. Gäägger, Gääggeler ist aus dem Verb gäägge „laut und schrill tönen, krächzen“ abgeleitet, das noch heute in Gebrauch ist. Uns scheint viel wahrscheinlicher, dass Hudigääggeler aus Hudi haa und gäägge gebildet ist. Welchen Anteil die Bezeichnung Hudelimusig an dieser Bildung hat, dürfte schwer auszumachen sein.
Christian Schmid, Redaktor DRS1
So ist also das Geheimnis um den Ausdruck "Hudigääggeler" noch nicht vollständig gelöst.

PS: In Einsiedeln gibt's übrigens eine Formation, welche im Stile der legendären Kapelle Johann Fuchs, eben Hudelimusik genannt, aufspielt: Hudeli-Musig aus Einsiedeln.

Montag, 27. April 2009

Alpsegen statt Nacktwandern

Die Appenzeller (es gibt bekanntlich die Inner- und die Ausserrhödler) sind halt schon ein eigenwilliges Völkchen:

Weltweite Beachtung fand die gestrige Abstimmung übers Nacktwandern. Es ist inskünftig in Appenzell Innerrhoden verboten. Die Landsgemeinde hat nämlich dem Strafartikel am Sonntag mit grosser Mehrheit zugestimmt. Das bisher so beliebte Nacktwandern im Alpstein ist künftig ein Offizialdelikt und wird mit 200 Franken gebüsst.
Die Innerrhödler können jedoch auch mit erlaubten kultischen Handlungen aufwarten: Zum Beispiel mit ihrem Alpsegen. Diesem alten Brauchtum der Sennen und Älpler drohte im 19. Jahrhundert fast der Untergang. Dank verschiedener Anstrengungen im letzten Jahrhundert konnte dieses mystische Brauchtum wieder zu neuem Leben erweckt werden.

Das Zentrum für Appenzellische Volksmusik organisiert nun im Mai zwei Kurse für Bauern und Sennen, die den Betruf auf ihrer Alp neu einführen möchten. Der Kurs steht jedoch auch allen Personen offen, die sich mit der Mystik des Betrufs befassen oder von dessen Gehalt und Kraft fasziniert sind. Kursleiter ist übrigens ein Appenzeller mit auswärtigem Wohnort.

Infos: Zentrum für Appenzellische Volksmusik

Sonntag, 26. April 2009

Über das Zivilisieren der eigenen Indianer

Über 56 Millionen Schweizer Franken sind in den letzten Jahren bei Pro Juventute den Bach runter geflossen. Jetzt orakeln die Stiftungs-Verantwortlichen, dass Pro Juventute wohl ihr hundertjähriges Jubiläum (2012) nicht mehr feiern könne. Ich persönlich glaube auch nicht daran, denn wie ich schon HIER ausführte, gibt's einen naturbedingten Ausgleich - zum Beispiel für folgende "Wohltat":

Kinder der Landstrasse als „Hilfswerk“ entstand 1926 in der Schweiz unter der Leitung von Pro Juventute und hatte zum Ziel, Jenische beziehungsweise Fahrende sesshaft zu machen. Zu diesem Zweck wurden ganze Familien „aufgelöst“ und die Kinder in Heimen platziert. In einigen Fällen wurden Kinder der Mutter bereits direkt nach der Geburt weggenommen. Bis 1972 waren es rund 600 Kinder, die vom Hilfswerk „betreut“ wurden. Ziel von Kinder der Landstrasse war das Ansinnen, Menschen zu einer Lebensweise zu zwingen, die den „bürgerlichen Ordnungs- und Sauberkeitsvorstellungen“ entsprachen.

Samstag, 25. April 2009

Plädoyer für einen gründlichen Frühlingsputz


Was Menschen sich so alles anmassen, kann mich immer wieder von Neuem erstaunen. Gut, manchmal grauselt es mich auch davor. Gerade jetzt, wo alle Welt begreifen muss, dass die zuvor in Stein gemeisselten Lehrmeinungen der Ökonomen bröckeln, nicht haltbar sind (... an ihren Früchten sollt' ihr sie erkennen ...), stosse ich auf ein Vermächtnis, das mir die Rückenhaare kräuseln mag. Da gibt's also eine grosse Vereinigung alter Männer, die ihr Wirken auf die abstrusesten "Glaubenswahrheiten" stützen. Das seit Jahrhunderten, nein, seit zweitausend Jahren. Folgende "Wahrheit" bestärkt mich in meinem Tun, alles von Oben diktierte zu hinterfragen. Wie beim Frühlingsputz - den Dreck herauskehren, damit es wieder wohnlich wird.

[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand ausserhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche)anschliesst. So viel bedeutet die Einheit des Leibes der Kirche, dass die kirchlichen Sakramente nur denen zum Heil gereichen, die in ihr bleiben, und dass nur ihnen Fasten, Almosen, andere fromme Werke und der Kriegsdienst des Christenlebens den ewigen Lohn erwirbt. Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergiessen, so kann er doch nicht gerettet werden, wenn er nicht im Schoss und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt.

Die Allgemeine Kirchenversammlung zu Florenz (Konzil von Florenz) (1438-1445), Lehrentscheid für die Jakobiten (1442)
Wer sich getraut, noch mehr solche menschlichen Verirrungen zu Gemüte zu führen, dem sei die folgende Website empfohlen: Der Theologe.

Donnerstag, 23. April 2009

Wo Passivrauchen angezeigt ist

Jetzt, wo allerortens Rauchverbote wuchern, möchte ich dem Tabak doch ein Räuchlein winden. Ich habe nämlich vor Jahren den spirituellen Gehalt dieser Pflanze eindrücklich demonstriert bekommen: In speziellen Pfeifen-Zeremonien rauchen die nordamerikanischen Ureinwohner nicht nur schnöde den Tabak; der Tabakrauch hilft ihnen, die Verbindung zum "Grossen Geheimnis" (Wakan Tanka) einzugehen. Doch auch sonst ist den Ureinwohnern der Tabak nicht Sucht- sondern Heilmittel. Sein Saft hilft nämlich auch gegen Zecken und desinfiziert Wunden.

Wir müssen jedoch nicht so weit reisen, um Tabak als Heilpflanze kennenzulernen. Auch hier in der Schweiz galt diese Pflanze lange Zeit als probates Mittelchen gegen allerlei Gebresten:

Innerlich wurde Tabaktee, Tinktur oder auch Pillen gegen Krankheiten wie Keuchhusten, Asthma, Wassersucht, Harnverhalten und gegen verschiedenste Nervenerkrankungen angewandt. Der Spiritus Nicotianae (Tabakgeist) wurde eingenommen zur Behandlung der Trommelsucht (Blähungen) oder auch gegen Wurmbefall. Bei Seeleuten war der Tabak als Mittel gegen Skorbut in Gebrauch. In Form von Klistieren wurden die Pflanzenblätter vor allem bei hartnäckiger Verstopfung oder eingeklemmten Brüchen verwendet. Auch das Rauchen zu medizinischen Zwecken - beispielsweise bei sehr starkem Husten!!! - wurde praktiziert. Dabei wurde Nichtrauchern ausdrücklich das Passivrauchen empfohlen um den heilenden Rauch einzuatmen
So ändern sich halt die Zeiten. Auf jeden Fall hat mir dieser Beitrag geholfen, mein schlechtes Gewissen zu besänftigen, weil ich trotz aller Anfeindungen immer noch rauche. Möge Wakan Tanka bei meinen vielen Rauchopfern mit mir sein. Howgh!

s. dazu auch "Geschichte des Rauchens"

Mittwoch, 22. April 2009

Die entscheidenden Zutaten für ein leeres Haus

Fundstück aus dem Gare Du Nord: SCHINDELKILLIUSDUTSCHKE – «MONDFLUCHT» - Ein musikalischer Theaterabend:

Einen Abend über den Mond, über Intellekt und Gefühl präsentieren schindelkilliusdutschke. Gravitation, Kommunikation, Romantik und Technik sind entscheidende Zutaten in dieser Produktion

Dienstag, 21. April 2009

Vom Wahnsinn in der Kulturpolitik

Kulturpolitik ist, wenn Kulturmanager mit andern Ellen gemessen werden als Bankangestellte. Oder: Wenn CHF 325.00 mehr bürokratische Beachtung finden, als CHF 75 Millionen. Hier unbedingt weiterlesen...

Montag, 20. April 2009

Erlaubter Raubzug

Aus aktuellem Anlass (Steuererklärung ausfüllen) bin ich auf folgenden Beitrag gestossen:

Eichensärge und Honigbienen, Perücken und Urin. Nur wenig stachelte den Erfindergeist der Herrschenden mehr an als die Frage: Was könnten wir noch besteuern? 
Weiterlesen auf NZZ-Folio...

Samstag, 18. April 2009

Bald ist wieder Alpauffahrt

Vom aussichtsreichen Napf bis zu den schroffen Wänden der Schrattenfluh und des trutzigen Hohgant breiten sich auf den Höhen und den Abhängen des emmentalischen Hügelgebietes sonnige Weiden mit heimeligen Alphütten und sturmfesten Wettertannen aus.

Dieses archaische Emmental war dem Berner Jodlervater Oskar Friedrich Schmalz, 1881-1960, Gegenstand vieler Jodellieder. In seinem Monumentalwerk „Emmentaler Sennenleben“ lässt er in vier Aufzügen den Älpler-Jahreskreis aufleben. Doch Schmalz bzw. seine Ehefrau Hedy, 1895-1976, welche den Text beisteuerte, spricht in diesem Werk, das 1932 von den Emmentaler-Jodlern Konolfingen uraufgeführt wurde (s. dazu die Abbildung des damaligen Plakates), immer nur von Sennen. Das stimmt jedoch nur zum Teil. Es waren vor allem die Küher, welche das Älplerleben während beinahe dreihundert Jahren prägten und damit das Emmental zur wohl reichsten Region im Kanton Bern machten.

Die für den Alpbetrieb benötigten Fachleute der Milchverarbeitung, die Küher, rekrutierten sich aus einheimischen Bauernsöhnen, die nach Übernahme des väterlichen Hofs durch den jüngsten Bruder (Minorat) bar ausgekauft wurden. Als mit der Umstellung auf die exportorientierte Produktion von Fettkäse im 16. Jahrhundert Alpkäserei lohnend wurde, stiegen Kuhalpen im Wert. Anders als Korporationsalpen im Alpenraum waren im Emmental die privaten Alpen über Alprechte käuflich. Das Patriziat der Stadt Bern erwarb solche Alpen ab dem 16. Jahrhundert als Geldanlage. Der Küher wurde Pächter der Kuhherde und der Alp. Das sichere Angebot an Alppachten bewog den Küher im 18. Jahrhundert Besitzer der Kuhherde und - im Unterschied zum angestellten Senn - vollends zum Unternehmer zu werden. Während der Alpzeit von Mai bis Ende September pachtete er eine sog. Herrenalp. Für das Winterhalbjahr suchte er für sich und seine Herde von 40 bis 100 Kühen Unterkunft im Tal.

Zur reichen Folklore des Küherstandes gehörten Alpaufzug, Schwingen, Alphorn und Kuhreihen. Und damit wären wir wieder beim Jodlervater Schmalz und seinem „Emmentaler Sennenleben“ angelangt. Das vollständige Werk wird leider praktisch nicht mehr aufgeführt, wohl aber schmücken einzelne Lieder daraus so manches Repertoire der Jodlerklubs – insbesondere die „Aemmitaler Alpuuffahrt“, welche in feinen Versen den Frühling und die heiss ersehnte Alpauffahrt beschreibt:

Lueg jetz hei mersch scho erstritte, mir si dobe-n-uf em Grat,
G’höret ihr, wie d'Glogge lütte? Üser Hütte si parat
PS: Das Dorfmuseum in Konolfingen beherbergt derzeit eine Sonderausstellung über das Schaffen des Komponistenehepaares Oskar Friedrich und Hedi Schmalz-Maurer. Weitere Details dazu HIER.

Donnerstag, 16. April 2009

Die Kunst, einen Kaninchenstall zu bauen


Nicht, dass ich etwa die Krise weiter heraufbeschwören möchte. Ein bisschen Vorsorge, ein bisschen mehr Autarkie, ein bisschen mehr Nachdenken, was mir persönlich wichtig ist, das sind halt schon Sächelchen, die mich beschäftigen. Ich selber habe über die Ostertage ein bisschen aufgerüstet. Mir mit handwerklicher Hilfe von nebenan einen Kaninchenstall (s. Bild) mit grosszügigem Auslauf (folgt demnächst) gebaut. Nächstens werde ich mir noch ein paar Hühner zulegen, die uns mit frischen Eiern versorgen werden. Dann hab' ich noch zusätzlich gegen 100 qm bisherige Rasenfläche in wertvolles Anbauland - Gemüse, Kartoffeln - verwandelt. Ein Nachbar von uns macht derzeit gerade Gegenteiliges. Er lässt sich für sein Auto einen mächtigen Carport bauen und braucht dazu etwa die Fläche, die ich für den zusätzlichen Anbau von Lebensmitteln freigemacht habe. Wir haben übrigens bereits im letzten Jahr unser Auto beerdigt. Das spart ungemein Kosten. Mit Fahrrad und Anhänger kann ich allemal Kleintransporte im Nahbereich durchführen. Und mit dem Zug ist es mir sowieso lieber zu reisen.

Es macht wirklich Spass, bodenständiger zu leben. Krise hin, Krise her.

Mittwoch, 8. April 2009

Bier à la carte

Wer dieses Blog aufmerksam liest, weiss, dass ich ein bekennender Bierliebhaber bin. Bier ist für mich denn auch getrunkene Volkskultur. Da ich leider in einem Land wohne, wo's keine Bierkultur gibt, auch nur lächerliche 56 Liter pro Kopf und Jahr konsumiert werden (Österreich: 108 Liter!) , trinke ich gerne fern der Heimat.

Da bin ich gerade vorhin auf ein interessantes Interview mit einem Bier-Sommelier (!) gestossen. Der Sommelier Karl Schiffner kennt zu jedem Gericht das passende Bier. Sein Credo: Bier à la carte. Prost und "en Guete". Wann endlich entdeckt auch die Schweiz diese bodenständigen Gaumenfreuden?

Naturbedingter Ausgleich

Nein, es ist nicht so, dass die Krämerseele keine Moral kennt. Die Krämerseele hat wohl eine Moral verinnerlicht. Eine ganz strikte Moral sogar: Ich bin, der ich bin. Jegliches Du hat mir zu dienen, abzuliefern.

Mit dieser Moral ist die Schweiz - und nicht nur DIE - "gross" geworden.Ist es deshalb verwunderlich, dass in unseren politischen und wirtschaftlichen Etagen ausschliesslich Krämerseelen fuhrwerken?

Etwas, was Krämerseelen verdrängen müssen: Die Natur fordert früher oder später den gerechten Ausgleich. Das ist KEIN moralisches Gesetz. Das ist ehernes Gesetz, das mitleidslos einfordert, was das GANZE braucht, um ins Lot zu kommen. Dieses Gesetz funktioniert sowohl in der Natur wie auch in uns selbst. Da gibt's keine Tricksereien, kein Zurechtdeuteln. Solches bedenken Krämerseelen jedoch NIE. Das ist das logische Ergebnis ihres Abfalles von der kindlichen Künstlerseele. Die Krämerseele vergisst gefliessentlich, den Ausgleich zu leisten. Doch es gibt eine Gerechtigkeit. Sie heisst: Naturbedingter Ausgleich fürs Ganze.

- Fortsetzung folgt

Sonntag, 5. April 2009

Vielfalt statt Einfalt

Interessant. Informatiker wissen um die kulturellen Unterschiede der Menschen . Da gibt's nämlich eine Informatikerin, welche eine Methodik entwickelt hat, mit der sich Webseiten und Programmoberflächen automatisch an die Vorlieben verschiedener Kulturen anpassen. Denn: Amerikaner surfen anders als Chinesen, Europäer benutzen Software nicht gleich wie Afrikaner.

Diese Weisheit sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wer Augen hat zu sehen, Ohren hat zu hören, der kann sich diesem Phänomen wohl kaum verschliessen. Doch, wenn schon solche Giganten wie Google vor der kulturellen Vielfalt kapitulieren bzw. sich daran anpassen müssen, weshalb träumen wir denn vom flexiblen, globalisierten Einheitsmenschen? Aus welchem Holz sollte der denn geschnitzt sein?

Das Gefühlvolle etwa uns Schweizern, die Seelentiefe etwa den Yankees, die Lebensfreude etwa den Deutschen und die Kochkunst etwa den Briten anpassen?
Du siehst, so einfach ist es wohl nicht, den globalisierten Einheitsmenschen zu erschaffen. Deshalb halten wir es doch lieber mit Google, die ihre Suchmaschine einfach an die kulturellen Eigenarten der Menschen anpasst. Das geht ganz bestimmt leichter: Vielfalt statt Einfalt.

Freitag, 3. April 2009

Über den Sinn von Schmerz und Not

Eine Auster sprach zu ihrer Nachbarin: "Ich trage grossen Schmerz in mir. Schwer ist er und rund, und ich habe grosse Not."

Die andere Auster antwortete mit überheblicher Selbstzufriedenheit: "Gelobt sei der Himmel und das Meer, denn ich habe keine Schmerzen. Es geht mir gut, innen und aussen."

In diesem Augenblick kam ein Krebs vorbei und hörte die beiden Austern. Darauf sagte er zu derjenigen, die innen wie aussen unversehrt war: "Ja, dir geht es wohl gut; doch der Schmerz, den deine Nachbarin in sich trägt, ist eine Perle von hinreissender Schönheit."

Von Khalil Gibran

PS: Möglicherweise tischt uns da Khalil Gibran auch nur das altbekannte Märchen vom Sinn des Leidens auf...

Donnerstag, 2. April 2009

Wiplala, der kleine Zauberlehrling

Kinder lernen spielend durch Nachahmen. Das dürfte wohl unbestritten sein. Doch was sie nachahmen, wen sie nachahmen, wie sie nachahmen, da streiten sich die Experten gar heftig. Früher bemühten sich die Verantwortlichen, mit kindergerechten Büchern, Radio- und Fernsehsendungen, die Kreativität und Erlebensfähigkeit der Kinder anzuregen. Wie meine LeserInnen wohl wissen, habe ich persönlich so einige nahrhafte Delikatessen für meine Kinderseele geniessen können. Einige Radiosendungen inspirierten mich sogar zu "künstlerischem" Tun, wie dieses kleine Beispiel dokumentiert:

Als Kind bin ich ein begeisterter Radiohörer gewesen und das Gehörte reizte mich ungemein zur stimmlichen Nachahmung. Ganz gut kann ich mich noch an die Hörspielreihe mit dem kleinen Zauberwicht "Wiplala" erinnern. Dieses etwa fingergrosse Wesen wurde von den anderen Wiplalas weggeschickt, weil es nicht gut genug tinkeln – zaubern – konnte. Zwar konnte Wiplala Menschen und Tiere ohne weiteres in Stein verwandeln, doch das "Zurückbetinkeln" funktionierte nur selten. Die Tontechniker dieses Hörspiels verwandelten die Stimme des Wiplala-Sprechers mittels Beschleunigung der Tonspur so, dass Wiplala mit einer kehligen, hohen Stimme tinkeln konnte, was uns Kinder natürlich ungeheuer belustigte. Es dauerte nicht lange und ich konnte diese Stimme perfekt imitieren, indem ich meine Stimme ganz in den Kehlkopf verlagerte. Meine Schulkameraden waren äusserst fasziniert von dieser Stimmakrobatik und konnten nicht genug davon kriegen - der Lehrer schon.

PS: Die Abenteuer von Wiplala wurden übrigens von der wohl populärsten niederländischen Kinderbuchautorin Annie M.G. Schmidt, 1911-1995, geschrieben.

Mittwoch, 1. April 2009

Eine Insel der Glückseligkeit

Glücklicherweise gibt's die Bayern. Die haben nämlich eine Fernsehanstalt, die es faustdick bringt. Volkskultur vom Feinsten: Musik, Brauchtum, Theater, Mundart, Naturlandschaften, Heilmittel u.v.m.. Hin und wieder dokumentieren sie auch die Volkskultur/-musik in der Schweiz. Zum Glück, denn solches - und vor allem SO - würden die Fernsehgewaltigen in Leutschenbach NIE ausstrahlen. Wo kämen wir SchweizerInnen denn hin, wenn wir plötzlich Kenntnis von den vielen bezaubernden Volkskulturplätzchen hätten. Dass im Bayrischen Fernsehen keine Werbung stört, ist natürlich ein weiterer Grund, sich das qualitativ hochstehende Programm anzuschauen. Und jeden Abend freue ich mich auf die Serie "Dahoam is' Dahoam".

Copyright 2007- : BodeständiX

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