Dienstag, 28. Juli 2009

Frau und Kirche

Klare Worte schenken ein:

Die Forderung der Frau nach Gleichberechtigung in der Kirche ist in etwa vergleichbar mit der Forderung eines Schwarzen nach Gleichberechtigung im Ku Klux Klan.
Mary Daly

Montag, 27. Juli 2009

Van Gogh wurde NIE gefördert

Wieder mal durchatmen und ein bisschen Kunst geniessen. Oder nach Basel pilgern: Van Gogh - Ausstellung (26.4. - 27.09.):

Freitag, 24. Juli 2009

Mehr Riedos und weniger Schnarchnasen

Frau Zappadong hat mich dazu inspiriert. Es geht um den abtretenden Kulturminister. Neuwahlen sind angesagt. Fünf KandidatInnen buhlen bereits um die Gunst der Online-WählerInnen. Ob darunter einE valableR KandidatIn sein wird? Dominik Riedo, der noch amtierende Kulturminister, hat gezeigt, wie's gehen könnte: Unermüdliches Dranbleiben, geschicktes Kommunizieren wie auch Managementfähigkeiten sind Garanten für mediales Gehör. Doch es brauchte noch mehr, damit sich ein fruchtbarer Bodensatz bilden kann. Geld auch. Wir brauchten in der Schweiz dringendst eine Kulturpolitik, die diesen Namen verdient. Schöngeistige Reden, wie sie Kulturschaffende gerne im Munde führen, können PolitikerInnen jeglichen Couleurs kaum zu kulturpolitischem Handeln bewegen. Knallhartes Politmarketing wäre vonnöten, welches die heilige Dreifaltigkeit (Copyright Wolfgang Böhler) des Politikers/der Politikerin beinhaltet:

- Arbeitsplätze schaffen
- Staatssäckel füllen
- Wiederwahl sichern
Gut, die ganz grosse Lobby (Finanzen, Pharma, Agrarchemie) fährt noch ganz andere Geschütze (im wortwörtlichen Sinne!) auf. Doch die lassen wir einmal beiseite. Wir haben ja noch Ethos und Kultur!

Ich bedaure es, dass Dominik Riedo wieder in der Versenkung verschwinden wird/muss. Ich persönlich würde ihn gerne als gewieften Kunst- und Kultur-Agitator beschäftigt sehen. Entsprechende Interessengemeinschaften, erst noch mit öffentlichen Geldern alimentiert, gäbe es mehr als genug. Doch werden diese Stellen hartnäckig von ängstlichen Hochschul-Apparatschiks und üblen Schnarchnasen besetzt gehalten. Ihre einzigen Aktivitäten bestehen darinnen, nicht aufzufallen, Sitzungen abzuhalten, Grabenkämpfe zu initiieren und sinnlos das gesprochene Geld mit Kunstdruck-Pamphleten zu verbraten.

Kulturelle Gelder werden wohl in nächster Zeit, wenn nicht gekürzt, so doch zumindest eingefroren. Und da wir in der Schweiz lediglich die Unkultur grosszügigst fördern (Bankster, Giftmischer etc.), wäre hier dringendst Gegensteuer angesagt:
Ich fordere deshalb mehr Dominik Riedos und weniger Schnarchnasen.

Freitag, 17. Juli 2009

s Langnauerli oder die Wiederentdeckung des Einfachen


Der österreichische Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl, 1897-1973, kann mich mit weisen Worten trösten, wenn ich wieder einmal in der Komplexitätsfalle gelandet bin. Seine geflügelte Antwort darauf lautet schlicht und ergreifend: Alles Wahre ist einfach. Das mag in so manchen Ohren seltsam klingen. Unsere Welt ist doch so kompliziert und unübersichtlich geworden.


Als Kind war mir das Emmental die liebste Gegend in der Schweiz. Für mich wäre es damals das Schönste gewesen, im Emmental zu wohnen. Mit roten Backen habe ich die Bücher der Emmentaler Autorin Elisabeth Müller verschlungen (ja, auch die Mädchenbücher !), mich an den Abenteuern der "Sechs Kummerbuben" ergötzt. Trotz dieser Emmental-Affinität habe ich jedoch den Emmentaler-Käse nicht speziell gemocht. Viel lieber hätte ich mich an einem Tilsiter, wie ihn damals die "besseren" Leute bevorzugten, gütlich getan.


Heute, wo ich ganz nahe dem Emmental wohne, mich mit den Volkskultur-Landschaften in der Schweiz auseinandersetze, fällt mir immer mehr auf, wie das Emmental die ländliche Kultur in der Schweiz beeinflusst hat. Insbesondere die Ländlermusik hat wohl ihren Durchbruch einem Emmentaler-Instrument zu verdanken: Dem "Langnauerli". Ich möchte an dieser Stelle nicht gross auf dessen Entstehungsgeschichte eingehen, sondern verweise gerne auf die vorzügliche Inszenierung einer Handharmonika-Manufaktur, in der die berühmten "Langnauerli" hergestellt wurden. Ort: Regionalmuseum in Langnau. Ein Besuch lohnt sich.


Das "Langnauerli" verkörpert für mich das Schlichte, das Einfache. Das heisst jedoch nicht, dass es leicht ist, dieses Instrument zu spielen. Vor einigen Jahren öffnete mir ein Meister auf diesem Instrument Augen und Ohren: Werner Aeschbacher, der, wie könnte es anders sein, auch im Emmental (Eggiwil) aufgewachsen ist. Er entlockte diesem einfachen Instrument die wundersamsten Tänzli-Melodien. Dies führte mir vor Augen, dass gerade diese einfache musikalische Struktur das grosse Geheimnis der Volkmusik ist. Die Volksmusik wird ja meist von Seiten der musikalisch Gebildeten als anspruchslos angesehen. Volksmusik ist zwar formal simpel, jedoch deswegen nicht einfältig. Es ist verfehlt, der Volksmusik ihre einfache Struktur vorzuwerfen. Wir schätzen Mozart nicht geringer, weil seine Harmonik weniger komplex ist als die von Gustav Mahler. Dass sich die Volksmusik einfacher musikalischer Formen bedient, heisst keineswegs, dass sie primitiv ist. Die einfache musikalische Struktur ist nicht ein zu behebender Mangel, sondern der Nährboden, auf dem sie gedeiht.


Und jetzt wären wir wieder beim von mir so verehrten Karl Heinrich Waggerl angelangt: Alles Wahre ist einfach.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Mein Freund Dieter

Dieter und BodeständiX im Frühling 1965

Wenn die Sommerferienzeit anbricht, kommen mir - wohl eine Alterserscheinung - Kindheitserinnerungen hoch. Bereits letztes Jahr habe ich über das "Zelten im eigenen Garten" geschwelgt. Heute ist mir eine alte Fotografie in die Hände gekommen, die mir eine tiefe Freundschaft mit einem ganz speziellen Menschen in Erinnerung ruft.

Es war eher eine stille Freundschaft. Dieter, ein Nachbarsbub, litt nämlich an einer unheilbaren Krankheit, die ihn daran hinderte, sich als "Bueb" so richtig auszutoben. Was ihn jedoch auszeichnete, war seine wunderbare Art, aktiv zuzuhören. Er liebte es, wenn ich ihm von meinem Winnetou erzählte. Er konnte sich kaum halten vor Lachen, wenn ich das eigentümliche Kichern von Sam Hawkens nachmachte und zu seiner grossen Freude durfte er ab und zu auf unserem Holzschwan reiten und sich dabei als Old Shatterhand auf Hatatitla fühlen. Weil er sich physisch eben weniger ausdrücken konnte, hatte er ein umso reicheres Innenleben und er liess mich gerne an seinem Bilderreichtum teilhaben. In den farbigsten Bildern konnte er mir die Prärie im "Wilden Westen" beschreiben, schaudernd vom grauslichen Grizzlybären erzählen, der uns zähnefletschend verfolgte, um dann wiederum begeistert in meine etwas bodenständige Art einzusteigen, indem wir uns genüsslich an der lukullischen Bärentatze des gerade erlegten Grizzly's weideten.

Doch zurück zu den Sommerferien. Dieter liebte sie, denn dann konnte er ganztägig mit mir zusammen sein. Doch wenn dann die Uhrenmacherferien (zweiwöchige Fabrikferien) anstanden, wurde er ein bisschen traurig. Er musste dann nämlich mit seiner Familie verreisen. Sie verbrachten, wohl als erste im Dorf, regelmässig ihre Ferien am Mittelmeer. Doch Dieter wäre viel lieber zuhause geblieben. Das war für ihn Abenteuer genug. Ich seh' ihn, wie er sich hinten auf dem Rücksitz des Fiat's mir zudrehte und mit gequältem Lächeln zum Abschied winkte. Ich meinerseits hätte natürlich nichts dagegen gehabt, mit Dieter zu tauschen. Im Gegensatz zu seiner Familie war bei uns in den "Uhrenmacherferien" nicht Mittelmeer, sondern Kirsche-Ernte-Zeit angesagt.

Dieter ist dann im Alter von zehn Jahren gestorben. Ich habe mich damals ums Abschiednehmen gedrückt, weil mir das Sterben meines Freundes einfach unerträglich gewesen ist. Ich höre es noch heute, wie meine Mutter zu mir sagte: "Jetzt ist Dieter im Himmel." Ich zog mich zurück und schämte mich so, weil ich nicht den Mut aufgebracht hatte, ihm Lebewohl zu sagen. Und dann kam die tiefe Trauer.

Sonntag, 12. Juli 2009

Welch' edler Hörgenuss!



Die Schweizer Volksmusik ist ja so was von rückständig. Jede Note windet sich als 'Geistige Landesverteidigung' ins geplagte Ohr! Ewiggestrig quälen uns die Töne. Unerträglich.

Doch halt: Da haben nämlich drei schräge Musikanten kürzlich eine CD herausgebracht. Eigenkompositionen, traditionelle und moderne Musik aus der Schweiz und dem Ausland.

Thomas Aeschbacher: Schwyzerörgeli, Gitarre
Simon Dettwiler: Schwyzerörgeli
Jürg Nietlispach: Kontrabass, Gitarre
Website: www.pflanzplaetz.ch

heissen diese Volx-Virtuosen. Ich kann es drehen und wenden, wie ich es will: Ich finde in ihrer Musik kein noch so hartnäckiges Vorurteil bestätigt. Im Gegenteil: Frisch und pfiffig tönt's mir da entgegen. Ein Stück hat es mir besonders angetan: Stüdubärg (s. Video unten) mit einem hervorragenden Thomas Aeschbacher am 'Langnauerli'.

Schweizer Volksmusik, welch' Hörgenuss, wenn sie so daherkommt. Meine Empfehlung: CD unbedingt kaufen und stundenlang reinhören: Pflanzplätz: 'querbeet', CD Nar 2009048, Fr. 29.90. Online-Bestellung HIER

Hier mein bereits erwähntes Lieblingsstück 'Stüdubärg':

Samstag, 4. Juli 2009

Die ewiggestrigen FörderkratINNen

Da hab' ich doch vor beinahe zwei Jahren geschrieben:

Wäre es nicht an der Zeit, anstelle von ‚Volkskultur-Debatten’ die eigene Förderpolitik zu thematisieren? Hier würden tatsächlich INNOVATIONEN gut tun.

und endlich wird das Rückständige, Ewiggestrige, Ausgrenzende in der Schweizer Kulturförderung (= Förderkratie) thematisiert: Frau Zappadong hat sich 'spasseshalber' an einem Literaturwettbewerb beteiligt. Und weil sie dazu aus Altersgründen gar nicht berechtigt gewesen wäre, hat sie gegen diese Ausgrenzung mit einem 'Offenen Brief' protestiert: HIER.

Nun, ich persönlich befürchte, dass sich da wohl nur wenig bewegen wird. Die üblichen Floskeln in brieflicher Form werden Frau Zappadong zugestellt werden und weil die SchöngeisterInnen auch kaum Blogs lesen, geht alles wieder den 'geordneten' Fördergang. Motto: Unbedingte Beibehaltung des 'Status Quo'. Innovationen in der Förderkratie? Wohl kaum.

Freitag, 3. Juli 2009

Der Anwalt der "kleinen Leute"

Ich gesteh's hiermit: Ich bin ein grosser Ummel-Fan. Da bin ich wohl nicht der Einzige. Seine Lieder gehören nämlich auch heute noch an den Jodlerfesten zu den meistgesungenen und manche sind zu Volksliedern geworden, wie etwa "Bärnbiet" und "De Bärge zue". Auch Christine Lauterburg, Nadja Räss, beides zeitgenössische Jodlerinnen, verhehlen ihre Bewunderung kaum und interpretieren mit grossem Einfühlungsvermögen, jede auf ihre eigene Art, diese urchigen Jodellieder.

Naturverbundenheit, Bescheidenheit und ein gemütlicher, schalkhafter Humor zeichneten Jakob Ummel, 1895-1992, besonders aus. Ihm verdanken wir rund 180 Jodellieder und Naturjodel. Er hat damit ein volksmusikalisches Kulturgut von unschätzbarem Wert geschaffen, darunter viele eindrückliche Zeitdokumente aus dem Leben "kleiner Leute".
Die meisten der "Jutze" und Lieder kamen dem naturverbundenen Jakob Ummel in den Sinn, wenn er "z Bärg" ging, oft zu seinen Freunden auf die Alpen im Stockhorngebiet, oder später auch in seiner "Jodlerklause" ob Habstetten. Er schilderte dies etwa so:

"Ein Jutz, Lied und Text kamen fast von selbst aus mir heraus, wenn ich ein schönes Naturereignis, wie etwa einen Sonnenaufgang in den Bergen erlebte."
Seine Schöpfungen stellen in der Regel grosse Anforderungen an die Stimme, das Können, den Tonumfang der Vortragenden. Jeweils die erste und treueste Interpretin seiner Jodel und Lieder war Vreni Kneubühl (eine Würdigung dieser grossartigen Jodlerin aus Burgdorf ist in Vorbereitung). 36 Jahre lang war sie seine Duettpartnerin.

Dass der "Kobi" auch ein richtiges Stimmwunder, ein grossartiger Jodler, gewesen ist, möchte ich anhand dieses Tondokumentes belegen. Ein Hinhören lohnt sich:

Tondokument (einfach anklicken)

Quelle: CD, Es Härz voller Liebi - 100 Jahre Jakob Ummel, Activ Records AG, Dübendorf, 1995

Donnerstag, 2. Juli 2009

Sommerrrätsel No. 2 - nur auf BodeständiX

Sommerrätsel No. 2: Paar in der Tracht des Kantons XY?

So, meine lieben BesucherInnen: Das heutige Rätsel ist mit googeln wohl kaum zu  enträtseln. Denn die Beantwortung meiner Frage, die mir mit obigem Bild auf der Zunge brennt, ist nicht so auf die Schnelle zu lösen. Eigentlich symptomatisch für die Schweiz. Es bestehen nämlich nur spärliche Quellen (in schriftlicher Form) über die traditionelle Kultur in der Schweiz. Es liegt jedoch nicht daran, dass die Kostbarkeiten unseres Kulturerbes nicht greifbar wären. Die Museen quellen davon über. Doch das Interesse der Verantwortlichen, diese Schätze zu würdigen und in geeigneter Form der Bevölkerung zugänglich zu machen - zum Beispiel auch im Internet - hält sich in bescheidensten Grenzen. Schade. Ich selbst habe vor zwei Jahren damit begonnen, ein virtuelles 'Haus der Volkskultur' aufzubauen und zu betreiben. Leider fehlt mir derzeit ein bisschen die Zeit, um dieses virtuelle 'Haus der Volkskultur' auszubauen: HIER.

Doch nun zu meiner eigentlichen Frage: Beim Bild handelt es sich um ein Gemälde eines Trachtenpaars (Türfüllung eines Schrankes, 1802). Aus welchem Schweizer Kanton stammt diese Tracht (Frauen- und Männertracht)? Jetzt bin ich gespannt ob da Google weiter helfen kann. Mit detektivischer Kleinarbeit ist es jedoch möglich, das Rätsel zu lösen. Also: Viel Vergnügen.

N.B. Das heutige Wissen um die Schweizer Trachten des späten 18. und vor allem 19. Jahrhunderts verdanken wir übrigens in erster Linie den Bilddokumenten des Luzerners Joseph Reinhart, 1749-1829, welcher in den Jahren 1789 bis 1796 die Schweiz bereiste und zahlreiche Trachtenpaare porträtierte. Eine vollständige Serie seiner Gemälde gehört übrigens zu den Beständen des Historischen Museums Bern.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Sommerrätsel No. 1 - nur auf BodeständiX

Mich plagt die sommerliche Hitze. Mich neidet die Urlauberei der Anderen. Deshalb verpenn' ich wohl auch die weltbewegendsten Sachen: Zum Beispiel das mutige JA! der SP Schweiz. Die teils grimmigen, jedoch stimmigen, Kommentare: HIER und HIER und HIER.

Und überhaupt: Es läuft auch sonst nichts. Deshalb packe ich etwas Sinniges in diesen Beitrag und verkaufe es Dir, geschätze Leserin, geschätzer Leser, als Sommerrätsel No. 1:

Es bewegt sich alles, Stillstand gibt es nicht. Lasst Euch nicht von überlebten Zeitbegriffen beherrschen. Fort mit den Stunden, Sekunden und Minuten. Hört auf, der Veränderlichkeit zu widerstehen.


Für Statik, im Jetzt stattfindenden JETZT. Widersteht den angstvollen Schwächeanfällen, Bewegtes anzuhalten, Augenblicke zu versteinern und Lebendiges zu töten. Gebt es auf, immer wieder "Werte" aufzustellen, die doch in sich zusammenfallen. Seid frei, lebt!


Hört auf, die Zeit zu "malen". Lasst es sein, Kathedralen und Pyramiden zu bauen, die zerbröckeln wie Zuckerwerk. Atmet tief, lebt im Jetzt, lebt auf und in der Zeit. Für eine schöne und absolute Wirklichkeit!
 Nun meine berechtigte Frage: Wer ist UrheberIn dieser Zeilen? Antworten erbitte ich mir in der Kommentarfunktion. Danke.

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