Dienstag, 27. Oktober 2009

Scherenschnitte: Weltklasse aus der Schweiz



Jetzt, wo die Abende wieder länger werden, wäre doch der beste Moment, sich kulturell zu betätigen. Ganz im volkskulturellen Sinne: Selber machen, ausprobieren, mit eigenen Zutaten würzen. Weshalb nicht wieder einmal zur Schere und zu Papier greifen? Scherenschnitte anfertigen? Vielleicht zusammen mit den Kindern, mit den Nachbarn?

Der Brauch, geschnittenes Papier zu bildnerischen oder dekorativen Zwecken zu verwenden, stammt aus dem Orient und wurde in Mitteleuropa nach 1600 bekannt. Man begeisterte sich damals für das Schattenspieltheater aus Persien und aus der Türkei und lernte durch das Schneiden von Figuren und Szenerien aus Papier die Technik kennen. Daraus entwickelte sich eine eigentliche Liebhaberkunst.

Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich in der Schweiz ein eigener, wenn auch regional unterschiedlicher, typischer Scherenschnittstil entwickelt. Besonders geprägt wurde dieser Stil durch Johann Jakob Hauswirth (s. Abbildungen), welcher 1809 in Saanen geboren wurde und 1871 in der Nähe von L'Etivaz verstorben ist. Hauswirth war ein Künstler, über den man nichts oder fast nichts genau weiss. Wie man vermutet, ist er im Simmental (Garstatt) aufgewachsen und lebte später auch im Pays-d'Enhaut. Als Taglöhner ging er von Bauernhof zu Bauernhof oder arbeitete auch als Köhler in den Wäldern von "Rodomont" (Grossenberg) über Rougemont. Er erschien und fragte nach einer Unterkunft für die Nacht und als Dankeschön schenkte er jeweils seinen Gastgebern ein ausgeschnittenes Bildchen, welches oftmals als Buchzeichen im Gebetsbuch oder in der Bibel gebraucht wurde. Hauswirth's Erfindungsgeist und Entdeckungslust waren sehr gross und er schuf auch sehr viele farbige Scherenschnitte. Schon früh verliess er die traditionelle Symmetrie um freier gestalten zu können. Trotzdem blieben die Kunstwerke sehr ausgewogen und nur ein geübter Beobachter konnte auf Anhieb erkennen, dass es sich nicht um rein symmetrische Bilder handelt. Unübersehbar und für Hauswirth sehr typisch sind die zahlreichen Darstellungen von Pforten und Toren – man ist versucht, diese Darstellungen als Symbol seiner Werke zu sehen.



 Bilder: Scherenschnitte von Johann Jakob Hauswirth (Privatarchiv HpG)

Scherenschnitte haben in den letzten Jahren Tausende von Bewunderern hervorgerufen. Die Zahl der Künstler/innen, die es verstehen, mit Schere und Papier umzugehen, hat sich vervielfacht. Der traditionelle Bauernscherenschnitt wird heute jedoch mehr und mehr zurückgedrängt. Zeitaktuelle Themen oder auch die Märchenwelt werden vermehrt ins Papier geschnitten. Immer besseres technisches Material hat den Scherenschnitt verfeinert. Doch es ist die Begabung, die unermüdliche Formerfindung und Gestaltungskraft, die auch den Künstler/die Künstlerin von heute auszeichnen. Das Zentrum der Scherenschnittkunst liegt übrigens nach wie vor im Kanton Bern und im angrenzenden Pays-d'Enhaut. Wenn auch viele Künstler/innen aus dieser Region noch eng mit der Tradition verbunden sind, haben es andere nicht nur technisch, sondern auch in der Formerfindung zu einer fast unübertrefflichen Meisterschaft gebracht.

Die internationale Fachwelt – im Gegensatz zur schweizerischen – ist sich übrigens einig: Die Schweizer Scherenschnittkünstler/innen sind Weltklasse in dieser (Volks-)Kunstsparte. Beispielsweise hängen Scherenschnitte des bekanntesten lebenden Scherenschnitt-Künstlers Ernst Oppliger im wohl bedeutendsten Museum für Design und Kunsthandwerk: im Cooper Hewitt National Design Museum in New York. 


Aktuelle Ausstellung von Ernst Oppliger

Kutscherhaus Südhang, Kirchlindach
10.10.2009 - 1.11.2009

Sonntag, 25. Oktober 2009

Sonntägliches Sehvergnügen

Sonntags ist doch die beste Zeit, sich ein Buch hervorzukramen, darin genüsslich zu lesen und sich so gestärkt auf die kommende Woche einzustimmen. Heute habe ich mir einmal die Zeit genommen, mir einen Dokumentarfilm anzuschauen. Doch irgendwie fühl' ich mich davon nicht gestärkt: Earthlings

Freitag, 23. Oktober 2009

Über die Abgründe des Blogger-Lebens

Das Blogger-Leben ist nicht einfach. Da stürzt man/frau sich wacker ins digitale Getümmel. Fabuliert und drechselt Gedanken fein säuberlich auf den Bildschirm und harrt erwartungsfroh der Dinge, die da kommen werden.

Es braucht Ausdauer, manchmal zähes Ringen mit sich selbst. Die Besucherzahlen steigern sich nur langsam. Vielleicht hat man/frau Glück mit einem Beitrag bzw. einem Keyword (Suchwort), der oder das gerade viele Menschen bewegt und die dann via Suchmaschinen in grosser Zahl auf dem eigenen Blog landen. Das sind jedoch keineWiederkehrer. Die verziehen sich so schnell, wie sie auch gekommen sind.

Manchmal scheint es, dass der Gedankenstoff ausgeht und verzweifelt ringt man/frau um Ideen. Die treue Leserschaft wartet doch bereits begierig auf neue Beiträge. So meint man/frau es wenigstens. Man/frau schreibt doch  für die grosse Welt. Ganz unbescheiden. Man/frau freut sich über jedes noch so kleine Echo. Man/frau ist ein bisschen eitel. Fast so wie Künstler, die den Applaus des Publikums erheischen.

Ein seltsames Völklein, die Blogger. Und das "man/frau" im obigen Text könnte tatsächlich auch ICH sein.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Auch ich benötige Streicheleinheiten

Ich bin etwas grummelig aufgelegt. Da werden in den letzten Tagen immer wieder die Selben gerühmt: Die Frau Zappadong (ehrlich: die ist halt schon gut), dann der Bruder Bernhard (ich liebe seine schrägen Artikel) und dann auch der Titus (wie der recherchieren und ausformulieren kann). Nur den armen BodeständiX lässt männiglich und frauiglich links liegen. Meine Seele ist tief gekränkt und mein Ego hintersinnt sich, was ich wohl falsch mache. Müsste ich wieder mehr folkloristische Beiträge schreiben? Mehr Beiträge aus meinem bunten Leben (ach, was ich Euch alles erzählen könnte). Oder doch bitterböse Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen? Bitte, liebe BlogleserInnen: Rüttelt mich wach. Auch ich benötige Streicheleinheiten.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Mit System ein System retten

Es gibt Zeiten, wo ich mit aller Gewalt etwas "durestiere" (durchsetzen) möchte und dann verwundert zur Kenntis nehmen muss, dass das Angestrebte nicht hält, was ich mir davon versprochen habe. Dumm gelaufen. Oder in etwas geistvolleren Worten ausgedrückt:

Das "Wie", die Methoden, die Systeme, sie alle sind Erfindungen des Denkens, daher sind sie begrenzt, daher taugen sie nichts. Wenn Sie das aber verstehen und die Wahrheit erkennen, dass kein System jemals den Geist befreien kann, dann ist die Freiheit augenblicklich da.
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit

Dienstag, 20. Oktober 2009

Der Sinn von Denkmälern

Herr Dr. B. ist fleissig bemüht, sein Image aufzumöbeln. Er spielt momentan den kulturell engagierten Mäzen. Neuerdings möchte er eine noch zu gründende Kulturstiftung mit 20 Millionen Schweizer Franken alimentieren, um damit aus der seit 2000 stillgelegten Klosterinsel Rheinau ein nationales Musikzentrum mit Museum, Gastronomie und Hauswirtschaftsschule (wohl ein Einwurf seiner geliebten Gattin Silvia) zu stricken.

Schön, dass sich in unserer Geschichte immer wieder Demagogen, Finanzhaie, Kriegsgewinnler, -gurgeln und andere Menschenfreunde sich der hohen Kultur und Kunst annehmen, um damit der Nachwelt ein etwas positiveres Bild als zu Lebzeiten zu hinterlassen.

Dumm nur, dass von dieser neusten PR-Übung des Dr. B.  noch kaum jemand Kenntnis genommen hat. Vielleicht müsste sich Herr Dr. B. eine seriöse PR-Agentur zulegen, die sich auf nachhaltige Weichspülung spezialisiert hat, ohne damit seine Gläubigen zu verunsichern. Ein Spagat, der wohl nie gelingen wird.

Montag, 19. Oktober 2009

Epochale Erkenntnis aus der Schweiz


Irgendwie beunruhigt mich das schon. Unsere Wissenschaft wird immer klüger. Schon wieder haben nämlich stolze und freie Forscher - diesmal sogar aus der Schweiz - etwas Weltbewegendes herausgefunden:

Unzufriedene Schafe wackeln mit den Ohren

Grrr... argh... grumpf...

Small is Beautiful

Herr Bundesrat L. will die Schweiz in die EU führen. Die UBS macht weiterhin unverständliches Zeugs. Die SVP schockiert das Ausland, islamische Staaten verkünden Boykott und anderes mehr. Im Schweizer Ländli geht's zur Zeit turbulent zu und her. Die SchweizerInnen, welche das politische Tagesgeschehen verfolgen, sind verwirrt.

Wohin treibt die Schweiz?

Ganz klar: In die Arme der EU. Die Zürcher Bahnhofstrasse hat Bern die Marschrichtung vorgegeben. Herr Dr. B hat zusätzlich im Mai die entsprechende Order gefasst. Er wird sich ein bisschen zieren, doch schlussendlich seine Wählerschaft überzeugen. Herr Dr. B. hat bekanntlich erfolgreich anno 1992 den Beitritt zum EWR (nicht EU) verhindert. Dies jedoch nicht, wie er und seinesgleichen gerne darstellen, aus "patriotischem" Pflichtgefühl heraus. Das war damals die Order der Bahnhofstrasse Zürich, weil für sie eine Insellösung Schweiz lukrativer gewesen ist. Herr Dr. B. wurde denn auch für sein Tun fürstlich entlöhnt. Heute jedoch brauchen CS und UBS zum Überleben den Schutz der EU. Die Schweiz kann sie nicht (mehr) retten.

Dass ich persönlich NICHT mit einem Beitritt zur EU liebäugle, dürfte wohl kein Geheimnis sein. Meine ablehnende Haltung speise ich jedoch aus philosophischen Quellen und eigenen Schlussfolgerungen. Dazu haben mich v.a. die Bücher des "stillen Weisen" aus der Salzburger "Stille-Nacht-Gemeinde" Oberndorf inspiriert:

 Leopold Kohr, 1909-1994

Leider ist er nicht unter die prominentesten, aber m.E. unter die wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts einzureihen. Mit seiner Philosophie des "small is beautiful", die Fritz Schumacher und Ivan Illich populär gemacht haben, beeinflusste er das Denken und Handeln der grossen Alternativgestalten der vergangenen Jahrzehnte.

Und wahrlich: Seine Ideen und Lehren gewinnen für mich von Tag zu Tag an Aktualität und Brisanz...

Sonntag, 18. Oktober 2009

Gewaltverherrlichende Schriften

Weder Fernsehen, noch ballernde Computerspiele, geschweige denn bunte Schundheftli (wie die damals hiessen) belasteten mein kindliches Gemüt. Ich bin also in einer relativ heilen Welt aufgewachsen. Da kommt mir heute ein etwas abgegriffenes Schulheft unter die Finger. Ich blättere darin und schmunzle. Ich datiere dessen schulischen Inhalt ins Jahr 1964 und erinnere mich, dass wir damals in der 2. Primarklasse das Grimm'sche Märchen von Schneewittchen thematisierten. Wir spielten es dann auch als Theaterstück, wo ich die Rolle eines Hofnarren bekleidete und ziemlich viel Text zu lernen hatte.

Im besagten Schulheft finde ich nun einen Aufsatz über die böse Stiefmutter von Schneewittchen. Und da geht's so richtig zur Sache. Beispiele gefällig?

Das verfluchte Weib soll man ermorden.
Das unverschämte Weib hätte der Jäger erschiessen sollen, und nicht Schneewittchen.
Ein Diener sagt: "Ich laufe jetzt dann noch davon, wenn die verdammte Königin noch lange da ist."
In etwas holpriger Schrift, wir lernten wohl gerade die sog. "verbundene" Schrift, ergeht sich der kleine Hanspeter, damals zwischen 7 und 8 Jahre alt, in gar wüsten Ausdrücken. Wie gesagt: Ich hatte damals keinen entsprechenden Anschauungsunterricht in solchen Dingen.

Was mich noch mehr verwundert, ist die Tatsache, dass meine Lehrerin diese handfesten Ergüsse nicht entsprechend kommentierte. Im Gegenteil: Sie schrieb mir unter diesen Aufsatz ein "Sehr gut"!

Und hier noch der eindeutige Tatbeweis dieses gewaltverherrlichenden Aufsatzes (zum Vergrössern einfach entsprechendes Bild anklicken):






Donnerstag, 15. Oktober 2009

Manipulieren, leicht gemacht

"Der Aufschwung beginnt im Kopf", hiess es doch einmal. Genau diesen lassen wir uns gerne ein Stück kürzer machen. Wer's immer noch nicht glaubt, wie's die hohe Politik mit uns treibt, dem empfehle ich dies HIER  zur Lektüre. Oder diesen Beitrag HIER.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Zum Glück gibt's die Forschung

Nehmen wir einmal an, es gäbe wirklich ein Leben nach dem Tod. Spekulieren wir noch einen Schritt weiter in Richtung Reinkarnation, dann möchte ich in meinem nächsten Leben als "Studierter" auftrumpfen. Ich würde dann forschen auf Teufel komm raus und weltbewegende Ergebnisse liefern wie diese Augenärzte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in München:

Frauen weinen viermal so oft wie Männer
Wenn's jedoch keine weiteren Leben gibt, tröste ich mich im Hier und Jetzt mit Francine Jordi's "Träne":

Dienstag, 13. Oktober 2009

Frau Rossi sucht das Glück

Oh, hab' ich geschmunzelt beim Lesen dieses Blogs (Link s. unten). Da schreibt doch eine "Frau Rossi" über die Tücken ihres Alltags, mit einem chächen Sprutz Selbstironie. Die Sätze leichtfüssig gedrechselt. Schön, dass ich immer wieder auf solche Perlen stosse - nämlich am Morgen früh, wenn zwar nicht immer die Sonne lacht, ich jedoch auf der Pirsch nach spannenden, unterhaltsamen und anregenden Blogs bin. Ich empfehle meinen BlogleserInnen wärmstens dieser "Frau Rossi" demnächst einen Besuch abzustatten. Natürlich habe ich "Frau Rossi" flugs auf meine Blogroll gegürtet, damit ich garantiert keines ihrer köstlichen Häppchen verpasse.

Link: Frau Rossi sucht das Glück

Empirie der Einsamkeit


Foto gefunden auf pixdaus.com
"Ich dachte mich selbst zu verlieren, und verliere nun einen Freund und in demselben die Hälfte meines Daseins. Eigentlich sollte ich eine neue Lebensweise anfangen; aber dazu ist in meinen Jahren auch kein Weg mehr. Ich sehe also jetzt nur jeden Tag unmittelbar vor mich hin, und tue das Nächste ohne an eine weitere Folge zu denken."
(Goethe an Carl Friedrich Zelter, wenige Wochen nach Schillers Tod)

Montag, 12. Oktober 2009

Diener zweier Herren?

Einen bemerkenswerten Beitrag hat Titus heute auf seiner 'Augenreiberei' aufgeschaltet. Er widmet sich einem äusserst heiklen Thema.

Wie kann der Wert eines Menschen bemessen werden?

Gibt es unwertes Leben? Ist es für unsere Gesellschaft ein Segen, wenn dank Pränataldiagnostik nur noch lebenstüchtigen Menschen  der Eintritt ins irdische Leben gestattet wird?

Weshalb gibt es denn noch Eltern, die ihr behindertes Kind umsorgen, damit es trotz seiner Behinderung ein lebenswertes Dasein erfährt? Ein solches Kind ist doch nur Hindernis für die eigene persönliche Entfaltung. Es stiftet keinen ökonomischen Nutzen. Im Gegenteil. Es kostet nur.

Wir sind geneigt, unseres und anderes Leben nur noch aus der ökonomischen Nutzenwarte aus zu betrachten. Werte sind für uns lediglich materielle Werte. Wir sind gefangen in Mammons Ideologie:

Materialismus
Wir ordnen dieser Religion alles unter. Was materiellen Nutzen verspricht, was Arbeitsplätze schafft, ist gut. Alles menschliche Leben, das uns keinen Nutzen stiftet, schieben wir ab. Lassen es in staatlicher Obhut dahinsiechen. Eine ganze Industrie ist daraus entstanden, die Milliarden generiert. Kosten sind staatlich. Gewinne sind privat.  Mammons Lehrsätze.

Weshalb also umsorgen Eltern ihr behindertes Kind?

Ist es möglicherweise Liebe?  Ein Wert, den wir nicht in Zahlen fassen können? Liebe, die keine Bedingungen stellt, keinen Nutzen einfordert?

Liebe, die unsere kalte Welt wärmt.

Mammon hasst sie. Lässt ihr keinen Raum.
Mammon fordert Unterwerfung unters kalte Nutzenprinzip.
Mammon will nützliche Sklaven.

Doch wir Menschen besitzen etwas, das Mammon nicht kennt: Entscheidungsfreiheit.

Freitag, 9. Oktober 2009

Ein richtiger Mann schreibt ein Buch

BodeständiX ist eitel. Beim Durchstöbern seiner bald 700 Beiträge vermeint er, richtige Perlen zu entdecken. Er liest sie bedächtig durch, staunt über sich selbst und findet, dass es eigentlich schade ist, dass solche Perlen einfach im tiefen Archiv dahindümpeln. Deshalb startet BodeständiX eine neue Aktion und stellt unter "Aktion 'wider des Vergessens" regelmässig solche Perlen seinen aufmerksamen LeserInnen (nochmals) zur Verfügung. Also wie gesagt: Ganz und gar unbescheiden.

Dann noch etwas in eigener Sache: BodeständiX hat ja ein bisschen aus Frust mit dem Bloggen begonnen. Damals noch unter dem etwas anrüchigen Namen "Bodeständigi Choscht", welcher ihm immer wieder gutmeinenende Schelte eingebracht hat.

Ich hatte es damals einfach satt, dass die meisten kulturellen Meinungsträger meinten, die sog. "Volkskultur" in die Rechtsaussen-Ecke zu verbannen, ohne sich jemals der Mühe zu unterziehen, diese traditionelle Kultur unvoreingenommen zu sichten. Ich selber bin ja auch ziemlich unvorbereitet in diese Kultur eingestiegen und habe im Laufe der Zeit viele Kostbarkeiten entdecken können. Zugegeben: Auch Einiges, was das hartnäckige Vorurteil (Geistige Landesverteidigung, Vereinnahmung durch eine schweizerische "Volkspartei" etc.) bestätigten. Doch eben: Die "Leckerli" waren eindeutig in der Überzahl. Ich habe also einige Artikel über diese für mich faszinierende Kultur gebloggt und habe meines Erachtens alles darüber geschrieben, was es zu schreiben gilt. Seit geraumer Zeit widme ich mich deshalb eher dem Zeitgeschehen, das sich ja zugegebenermassen äusserst abenteuerlich gestaltet, als der "Volkskultur". Ich möchte jedoch - und jetzt kommt es - diese volkskulturellen Beiträge in einem E-Book zusammenfassen und es den Interessierten kostenlos zur Verfügung stellen. Für meine persönlichen Bedürfnissse und auch für persönliche Geschenke würde ich mir ein paar Hardcover-Bücher (als Book-on-Demand) leisten. Schliesslich habe ich noch kein eigenes Buch veröffentlicht. Und ein "richtiger Mann" sollte dies ja bekanntlich tun.

PS: Wer sich unter einem E-Book möglicherweise ein "Ernstes Buch" (anlog der "E-Musik") vorstellt, liegt nicht ganz richtig. HIER die Aufklärung.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Was heute nicht mehr geschrieben werden kann


Foto gefunden auf pixdaus.com


Google führt mir täglich viele Rilke-VerehrerInnen auf mein Blog. Sie alle suchen nach diesem Gedicht. Ich als glühender Rilke-Verehrer habe ihn HIER ein weiteres Mal gewürdigt. Auch mein gern gelesener Thinkabout, dessen Beiträge mir tägliche Lektüre und Nahrung sind, hat kürzlich Rilke einen Beitrag gewidmet, gleichzeitig auf eine entsprechende Website verwiesen und abschliessend zu Rilkes Dichtkunst gemeint:
Warum nur habe ich das Gefühl, dass all diese Zeilen und Werke jener Künstler, die mich berühren, heute nicht mehr geschrieben werden könnten?
Mitten im (sonnigen) Herbst stehend, möchte ich diesen Beitrag mit einem weiteren Rilke-Gedicht beschliessen:
Der Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Schweiz - Quo vadis?


Da habe ich mich fast am Morgenkaffee verschluckt: Laut britischem Independent wollen einige arabische Staaten zusammen mit China, Russland und Frankreich den Dollar als Öl-Währung abschaffen.
 In a graphic illustration of the new world order, Arab states have launched secret moves with China, Russia and France to stop using the US currency for oil trading.

und weiter...

"These plans will change the face of international financial transactions," one Chinese banker said. "America and Britain must be very worried. You will know how worried by the thunder of denials this news will generate."
Die US-Amerikaner müssen sich warm anziehen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie China und Russland demnächst "demokratisieren" (vgl. dazu Irak-Krieg) werden. Dollar weg - USA weg... und die Schweiz?

Unser Bundesrat klammert sich heftiger denn je an den grossen Bruder USA. Macht Bücklinge, wo es nur geht. Die Uhren ticken heute jedoch ganz anders. Schweiz - Quo vadis?

Update, 11 Uhr: UBS-Einschätzung von vorhin: "...The article talked of a graphic illustration of the new world order, Arab states have launched secret moves with China, Russia and France to stop using the US currency for oil trading. Several Finance ministers then called it absolutely incorrect ..."


Update II, 14 Uhr: Der Artikel im Independent stammt übrigens von Robert Fisk. Ein Journalist, der seine Berichte akribisch recherchiert. Das, was er schreibt, ist normalerweise Fakt. 

Argentinischer Tango ist Unesco-Weltkulturerbe


Tango? Kein Problem. Miau  / Foto: pixdaus.com

Die Unesco hat den argentinischen Tango in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Weitere Neuzugänge zur Liste sind neben vielen andern der kolumbianische "Carnaval de negros y blancos" und die Pfeifsprache der Kanarischen Inseln.

Mit der Aufnahme in die Liste gehört der Tango zu den "schützens- und erhaltenswerten Künste und Traditionen" der Welt. In der Schweiz wird eine derartige Liste des immateriellen Kulturerbes ab 2010 erstellt.

Mit dem Weltkulturerbe beabsichtigt die Unesco die "Förderung von traditionellen und zeitgenössischen kulturellen Ausdrucksformen, weil kulturelle Vielfalt Ausdruck der Einzigartigkeit und Pluralität der Identitäten ist und Austausch, Innovation und Zusammenarbeit zwischen Gesellschaft und Individuum fördert".
Quelle: codexflores


PS: Mir graut vor dem Gedanken, was ab 2010 die Schweizer Förderkraten an "Schützenswertem" in diese Datenbank aufnehmen werden. Wenn überhaupt.

Von Blogger zu Blogger


Kürzlich habe ich im ähnlichen Sinne wie Lupe (der Satireblog) gebloggt. Mich persönlich bei meinen Verlinkern bedankt, weil ich eben durch diese zu mehr (hochwertigen) Besuchern komme (die vielen Google-Schnupperer gucken ja nur mal schnell rein und verschwinden in der Regel auf Nimmerwiedersehen). Marketing-Gurus nennen solches Tun: Empfehlungsmarketing und schreiben sich die Finger wund, um eben diesen Begriff mit Inhalt zu füllen.

Dann möchte ich noch auf einen Beitrag verweisen, der m.E. etwas Wichtiges anspricht, was jedoch bei uns Bloggern kaum ein Echo ausgelöst hat:
Dass beispielsweise eine vierköpfige Familie im nächsten Jahr zwischen zweitausend bis dreitausend Fränkli mehr für ihre Krankenkasse bezahlen muss. Und das in einem zunehmend kritischeren Wirtschaftsumfeld. Um es einmal ganz vorsichtig zu formulieren...
Wir SchweizerInnen sind nicht nur geizig. Wir sind auch Weltmeister im Verdrängen.

Montag, 5. Oktober 2009

Wasserprediger und Biertrinker

Es ist mir so oberpeinlich. Obwohl ich sämtliche Hiebe des Journalistenschredders ugugu (HIER, HIER und HIER) nicht nur gelesen, sondern dabei sogar zustimmend genickt habe, hat mich eine unsichtbare Macht zu Gleichem verführt. Ich habe BodeständiX äusserlich aufgemotzt. Hoffe ich jetzt auch, wie die Verlegenen von NZZ, Tagi und Blick, damit das Inhaltslose zu übertünchen? Mann oh Mann, BodeständiX: "Wasser predigen und Wein trinken!"

Zum Glück zieht Wasser bei mir nicht. Höchstens angereichert mit Hopfen und Malz. Also meine verehrten BlogleserInnen: Ich predige weiterhin Bier und trinke es auch. Prost!

Freitag, 2. Oktober 2009

Ein Wirtschaften auf Pump


Aufwärts mit heisser Luft.

Ach, wie ich diesen Ausspruch meiner Mutter hasste:
Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not (oder: spare in guten Zeiten, für schlechte Zeiten)
Schliesslich bin ich als Kind des ungebrochenen Wirtschaftsaufschwungs zur Welt gekommen. Alles war damals möglich: Bauboom, Autobahnen, Ferien in südlichen Gefilden, steigende Löhne usw., usw.  Neuer Job? Erstmals die Welt erkunden. Damals herrschte nämlich Vollbeschäftigung und es genügte eine einfache Bewerbung, um wieder in "Brot und Ehre" zu sein. Herrliche Zeiten!

Du ahnst es, liebe Leserin, lieber Leser, sparen war nicht gerade eine meiner herausragendsten Tugenden. Doch während vieler Jahre meiner unbewussten "Einweihung" ins irdische Leben (Trial & Error) habe ich hin und wieder Häppchen von Einsichten erhalten, die es mir erlaubten, mein eigenes Leben erträglicher zu gestalten. Nicht die Form, nicht die Menge machen mich glücklich, eher der Inhalt (schön zu beweisen bei einer Flasche gut gefüllten Biers, wobei die Menge mich auch hier nicht glücklich macht, höchstens besoffen!)  Oder: Auch wenn ich drei Superschlitten (Autos) dem neidischen Nachbarn vorführen könnte, brächte mir das wohl nur kurzfristigen Lustgewinn ein. Solange nämlich, bis mir der schreckliche Nachbar vier Autos präsentieren würde. Das Spielchen begänne von vorne.

UND?

Ist es nicht exakt dieses Spielchen, das unsere Wirtschaft am Laufen hält?  Oder andersherum gefragt: Wenn sich diese "ehrenvolle Tugend" des Sparens - von sicher einem Fünftel unserer Industriewelt gelebt und gerne bei jeder Gelegenheit mit Stolz unterstrichen - bei den restlichen vier Fünfteln durchsetzen würde, wäre Wachstum wie bisher "vorgelebt" überhaupt möglich? Klares NEIN. Unser Wirtschaftssystem ist auf eine permanente Verschuldung bezüglich Wachstum angewiesen. Ein Wirtschaften auf Pump.

Der Planet Erde ist jedoch begrenzt.
Eine bittere Erkenntnis, wenn man sie erst einmal verstehen lernen will. Wohlstand für alle zu propagieren, ist wohl ein weiterer grosser Selbstbetrug unserer aktuell gelehrten "modernen" Volkswirtschaftslehre. Eine bewusst genährte Illusion von ein paar wenigen Nutzniessern an uns Schafe und wir folgen ihr im "guten Glauben". Immerhin haben wir doch einen Nutzen davon, zwar in grossen Abstufungen nach unten. Quasi als Bonus, weil wir treu und brav im System mitziehen...

Vor exakt einem Jahr hat unser illusionäres System bedrohlich gewankt. Drohte gar abzustürzen, uns alle mitzureissen. Unsere "Experten" schütteten alles noch einmal mit weiteren Schulden zu (mit Schulden Schulden sanieren!), die Generationen mittels Steuern noch abtragen müssen. Heute verkünden uns die gleichen "Experten" vollmundig, dass es "wieder aufwärts" gehe. Aufwärts mit neuer heisser Luft. Denn auch Heissluftballons steigen schliesslich damit.

Doch eben: Unser blauer Planet ist begrenzt und er will uns kein Diskussionspartner sein. Er lässt uns  keine Möglichkeit für einen weiteren runden Tisch, für ein neues Gesetz oder irgendein Bail-Out-Programm. Natur ist reines Handlungsorgan. Aktion = Reaktion, ohne Wertung, ohne Pardon.

ES GESCHIEHT EINFACH.
“Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.”
Kenneth Ewart Boulding, 1910-1993

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Herbstputz bei BodeständiX

Möglicherweise bin ich doch ein Herdentierchen: Frau Zappadong hat mich mit ihrem Blogumbau zu Gleichem animiert. Hier also das neue BodeständiX-Zuhause. Es hat zwar in der Innerei  noch ein paar Ecken und Kanten (Bugs). Doch werde ich diese wohl auch noch eliminieren können.

Copyright 2007- : BodeständiX

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