Europaweit - sogar in der Schweiz - protestieren zahlreiche Studierende im Rahmen einer internationalen Aktionswoche "Education is not for sale". Sie kritisieren dabei insbesondere die Bologna-Reform, die allgemeinen Tendenzen zur Ökonomisierung der Hochschulen, undemokratische Strukturen, die Untervertretung von Frauen bei Professuren und Leitungsfunktionen, Studiengebühren sowie die schlechten Studien- und Arbeitsbedingungen.
In vielen Blogs wird eifrig darüber diskutiert. Soll ich mich da auch noch einklinken? Nein, ganz sicher nicht. Dazu fehlt mir eindeutig der Bezug. Bekanntlich hat sich BodeständiX nie durch Hörsäle gequält. Das war ihm zuwider, weil er sich seit seiner Kindheit als Autodidakt verstanden hat. Lernen ist reine Privatsache, war immer schon sein Credo gewesen. Mit allen Nachteilen...
Doch wieder zurück zur Aktionswoche. Möglicherweise steckt dahinter ein weiteres Unbehagen, welches die Studierenden auf die Barrikaden getrieben hat: Ihre prekären Arbeitsplatzmöglichkeiten in einer krisengeschüttelten Welt. Wenn ich daran denke, wie viele Studierende Politik- und Medienwissenschaften belegen, obwohl heute praktisch niemand nach Politologen und Medienwissenschaftern ruft (Kunststück beim momentanen Sterben der Holzmedien!), finde ich diesen Umstand zumindest sonderbar.
In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts war übrigens ein Archäologiestudium äusserst beliebt, obwohl die entsprechenden Berufsaussichten damals mehr schlecht als recht gewesen sind. Da hatte ich berufliche Kontakte zu einem Archäologen, der allerdings als Kunstschmied allerlei Replikate (Waffen, Schmuck, Rüstungen) anfertigte, sie auch bestens verkaufte und entsprechende Workshops gab. Sein Archäologiestudium kam ihm dabei sicher zugute. Er sagte zu mir: "Weisst Du, anstatt als arbeitsloser Archäologe auf die wenigen Aufträge von Kantonsarchäologien (vergeblich) zu warten, habe ich einfach mein handwerkliches Talent verfeinert und bin damit auf allen Ebenen gut gefahren, auch finanziell...
In den nächsten Jahren werden die Berufsaussichten für AkademikerInnen äusserst schlecht sein. Dazu brauche ich wohl nicht ein grosser Seher zu sein. Vergewissern wir uns nur einmal, wer AkademikerInnen heute beschäftigt:
Der grösste Arbeitgeber ist wohl überall der Staat. Je komplexer dieser wird und je mehr er sich auflädt (aufladen muss), umsomehr braucht er auch davon
Danach kommen die globalen Konzernzentralen. Dort ist üblicherweise die „Intelligenz“ konzentriert: Bürokratie, Entwicklung, Marketing, Finanzierung
Dann alle, welche mit dem Staat oder den Konzernzentralen wesentlich zu tun haben. Etwa Steuerberater, Anwälte, Lobbyorganisationen etc.
Forschungsintensive und High-Tech-Firmen
Wer beschäftigt kaum AkademikerInnen:
Handwerksbetriebe
Generell kleinere Firmen
Wir stecken in einer Zeitenwende. Die Dinosaurier müssen abspecken, möglicherweise sogar verschwinden. Die Staatswesen sind massivst überschuldet. Ein Zurückzahlen dieser Schulden wird kaum möglich sein. Es verbleiben also nur Staatsbankrott und/oder Währungsschnitt.
Wer soll also in Zukunft all' die vielen AkademikerInnen beschäftigen?