Donnerstag, 31. Dezember 2009

Das Jahr grosser Veränderungen


Foto gefunden auf pixdaus.com


2009 legt sich seufzend ins Grab. Wohl die Wenigsten werden ihm gross nachweinen. Es war ein Zwischenjahr - ohne grosse Lichtblicke. 2010 klopft bereits zögerlich an die Tür und begehrt Einlass. Es kündet sich als das Jahr der grossen Veränderungen an. Die herrschende Machtelite versucht nochmals verzweifelt, den unaufhaltsamen Gang der irdischen Dinge aufzuhalten. Versucht mit aller Macht, die Völker Nationen dieser Erde noch mehr auszupressen. Die Ernte der "Schweinegrippe" ist eingefahren, die Klimasteuer und der Handel mit entsprechenden Papieren gestaltet sich noch etwas harzig, Jemen wird demnächst wohl "demokratisiert". Derweil die offizielle Schweiz noch fein säuberlich den Dreck unter den Teppich kehrt, reiben sich immer mehr Menschen verwundert die Augen. Verstehen langsam, dass sie in diesem Spiel lediglich Manövriermasse und Melkvieh für eine Ideologie namens Kapitalismus (Debitismus) sind.
Die globalen Konzerne wollen die Kommerzialisierung unserer Ernten, unseres Trinkwassers, unserer Atemluft und unserer Träume durchsetzen.
Arundhati Roy, indische Schriststellerin
Man könnte ihn auch als dumpfsten Materialismus bezeichnen, der als einzigen Sinn das Mehr erheischt. Ein Materialismus, der unbarmherzig alles einsaugt, was ihm Profit verspricht. Der dafür Tod und Elend vieler Menschen (der ganzen Menschheit?) in Kauf nimmt.
Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.
Mahatma Gandhi
Erinnern wir uns wieder daran, dass wir in einer polaren Welt leben. Auch der Materialismus hat demnach sein Gegenstück: Die Spiritualität, welche jedoch von den Weltreligionen vereinnahmt worden ist und mit grosser Macht verwaltet wird. Spiritualität lässt sich jedoch nicht verwalten, nicht in ein enges dogmatisches Korsett zwängen. Spiritualität dringt nur beim Einzelnen durch, ist und kann NIE Massenphänomen sein. Sie ist das feine Sehnen nach dem Unaussprechlichen. Manchmal ist sie auch schmerzliche Leere, die weder durch Konsum noch Geld gefüllt werden kann. Sie kann für uns leiser Weckruf aus unserem hypnotischen Schlaf sein, denn. sie möchte in uns die stärkste Macht der Welt erwecken:
Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.
Mahatma Gandhi
Ja, 2010 wird ein Jahr der grossen Veränderung sein. Obwohl die alte Machtelite alles daran setzen wird, ihre Pfründe nicht nur zu behalten, sondern weiter auszubauen, zeigt ihr System bereits bedenkliche Risse. Wer immer noch auf dieses System schwört, wird sich wohl im 2010 verwundert die Augen reiben. Undenkbare Ereignisse könnten nämlich eintreten und es wird an uns selbst liegen, wie wir diese interessanten Zeiten erleben und für uns gestalten werden:
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt
Mahatma Gandhi
In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Bloglesern/-leserinnen ein trotz oder dank grosser Veränderungen glückliches 2010!

Sonntag, 27. Dezember 2009

Gute Vorsätze fürs Neue Jahr

Ob du Artist, ob du Franz Liszt,
Ein Christ, ein Mist, ein sonst was bist, –
Bezweifle es. Und dir zum Heil
Bezweifle auch das Gegenteil.

Was dir die Ideale nimmt,
Der Satz: dass nichts, was zutrifft, trifft,
(Ein Satz, der darum selbst nicht stimmt)
Ist nur für Überlegne Gift.

Doch hüte dich, an diesen Satz
Zu glauben, gar ihn zu betonen.
Freu dich an Hatz und Schmatz und Spatz.
An Unzucht oder Kaffeebohnen.

Doch sollte etwas in dir wohnen,
Bewirkend, dass du mich verstehst
Und lachst und dankbar weitergehst
Und dennoch etwas Bessres weisst,
Dann glaub’ ich, dass du richtig reist.

Joachim Ringelnatz, Antwort an einen Kollegen, 1927

Samstag, 26. Dezember 2009

S'isch, wie's isch...

(es ist, wie es ist) meint Rees Gwerder am Schluss dieses Trailers (s. unten) zum Film UR-Musig, den der Filmer, Musiker und Musikproduzent Cyrill Schläpfer anfangs der 90er Jahre gedreht hat. Der Film ist den kantigen, queren Grinden aus dem Muotathal und dem Appenzeller Land gewidmet. Urchig tönt die UR-Musig beim ersten Hören, bei aufmerksamem Lauschen schwingen auch die traurigen Töne mit: "Der Blues der Berge".

Gerade jetzt in der Altjahreszeit tut es ausserordentlich gut, diesen "Alpenblues" reinzuziehen und darauf zu achten, was innerlich mit einem geschieht. Diese Bilder, diese Töne - zum Beispiel das wilde, kehlige Johlen der Innerschweizer Bergbauern - lässt uns unserer eigenen "Wildheit" in uns begegnen. Ich liebe diesen Film, der in eindrücklichen Bildern und Tondokumenten uns für einen kurzen Moment zurückführen kann in eine Ursprünglichkeit, wie wir sie seit unserer Kindheit wohl nicht mehr erfahren haben. Es ist die Art "Volkskultur", welche unsere "Elite" nicht schätzt (weshalb wohl?), mir ist sie innere Heimat.

Den Film UR-Musig kann man als DVD oder VHS-Video direkt auf der Website von Cyrill Schläpfer kaufen: HIER


Donnerstag, 24. Dezember 2009

Tausend Sterne sind ein Dom

Es gibt sicher unter meinen Bloglesern/-leserinnen auch solche, die mit Religion und Gott nichts anfangen können. Dass die Weihnachtszeit ihren Zauber auch ohne christlichen Hintergrund entfalten kann, möchte ich mit nachfolgendem Lied belegen. Das Lied stammt aus der gleichnamigen Weihnachtskantate für Chor und Instrumente von Siegfried Köhler. Es entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unter den Eindrücken der Nachkriegsjahre. Seine dreistrophige Komposition mit ihrem ansprechenden Text entwickelte sich zu einem der bekanntesten Weihnachtslieder in der ehemaligen DDR:

Tausend Sterne sind ein Dom
Tausend Sterne sind ein Dom
in stiller weltenweiter Nacht.
Ein Licht blüht auf im Kerzenschein,
das uns umfängt und glücklich macht.

All dies Schweigen macht uns froh,
ein Leuchten durch die Herzen geht.
Und silbern schwingt der hohe Dom,
vom Hauch der Weihnacht still umweht.

Alles Dunkel sinkt hinweg,
wir haben unser Licht entfacht.
Es leuchtet uns zum neuen Jahr
in tiefer sternverklärter Nacht.
Siegfried Köhler, 1927-1984

...und gesungen vom Rundfunk-Kinderchor Leipzig:

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Dass selbst ein Hartgesottener wie der Brecht sich vom "traulichen Gefühl von Weihnachten" anstecken liess, in seiner ihm eigenen Art natürlich, mag uns bass erstaunen. Dass er seine Weihnachtsgeschichte mit Gott abschliesst, mag uns noch mehr wundern. Doch lest' selbst:

Das Paket des lieben Gottes

Nehmt eure Stühle und eure Teegläser mit hier hinter an den Ofen und vergesst den Rum nicht. Es ist gut, es warm zu haben, wenn man von der Kälte erzählt.

Manche Leute, vor allem eine gewisse Sorte Männer, die etwas gegen Sentimentalität hat, haben eine starke Aversion gegen Weihnachten. Aber zumindest ein Weihnachten in meinem Leben ist bei mir wirklich in bester Erinnerung. Das war der Weihnachtsabend 1908 in Chicago. Ich war Anfang November nach Chicago gekommen, und man sagte mir sofort, als ich mich nach der allgemeinen Lage erkundigte, es würde der härteste Winter werden, den diese ohnehin genügend unangenehme Stadt zustande bringen könnte. Als ich fragte, wie es mit den Chancen für einen Kesselschmied stünde, sagte man mir, Kesselschmiede hätten keine Chancen, und als ich eine halbwegs mögliche Schlafstelle suchte, war alles zu teuer für mich. Und das erfuhren in diesem Winter 1908 viele in Chicago, aus allen Berufen.

Und der Wind wehte scheusslich vom Michigansee herüber durch den ganzen Dezember, und gegen Ende des Monats schlossen auch noch eine Reihe grosser Fleischpackereien ihren Betrieb und warfen eine ganze Flut von Arbeitslosen auf die kalten Strassen.

Wir trabten die ganzen Tage durch sämtliche Stadtviertel und suchten verzweifelt nach etwas Arbeit und waren froh, wenn wir am Abend in einem winzigen, mit erschöpften Leuten angefüllten Lokal im Schlachthofviertel unterkommen konnten. Dort hatten wir es wenigstens warm und konnten ruhig sitzen. Und wir sassen, solange es irgend ging mit einem Glas Whisky, und wir sparten alles den Tag über auf für dieses eine Glas Whisky, in das noch Wärme, Lärm und Kameraden mit einbegriffen waren, all das, was es an Hoffnung für uns noch gab.

Dort sassen wir auch am Weihnachtsabend dieses Jahres, und das Lokal war noch überfüllter als gewöhnlich und der Whisky noch wäßriger und das Publikum noch verzweifelter. Es ist einleuchtend, daß weder das Publikum noch der Wirt in Feststimmung geraten, wenn das ganze Problem der Gäste darin besteht, mit einem Glas eine ganze Nacht auszureichen, und das ganze Problem des Wirtes, diejenigen hinauszubringen, die leere Gläser vor sich stehen hatten.

Aber gegen zehn Uhr kamen zwei, drei Burschen herein, die, der Teufel mochte wissen woher, ein paar Dollars in der Tasche hatten, und die luden, weil es doch eben Weihnachten war und Sentimentalität in der Luft lag, das ganze Publikum ein, ein paar Extragläser zu leeren. Fünf Minuten darauf war das ganze Lokal nicht wiederzuerkennen. Alle holten sich frischen Whisky (und passten nun ungeheuer genau darauf auf, dass ganz korrekt eingeschenkt wurde), die Tische wurden zusammengerückt, und ein verfroren aussehendes Mädchen wurde gebeten, einen Cakewalk zu tanzen, wobei sämtliche Festteilnehmer mit den Händen den Takt klatschten. Aber was soll ich sagen, der Teufel mochte seine schwarze Hand im Spiel haben, es kam keine rechte Stimmung auf.

Ja, geradezu von Anfang an nahm die Veranstaltung einen direkt bösartigen Charakter an. Ich denke, es war der Zwang, sich beschenken lassen zu müssen, der alle so aufreizte. Die Spender dieser Weihnachtsstimmung wurden nicht mit freundlichen Augen betrachtet. Schon nach den ersten Gläsern des gestifteten Whiskys wurde der Plan gefasst, eine regelrechte Weihnachtsbescherung, sozusagen ein Unternehmen grösseren Stils, vorzunehmen.

Da ein Überfluss an Geschenkartikeln nicht vorhanden war, wollte man sich weniger an direkt wertvolle und mehr an solche Geschenke halten, die für die zu Beschenkenden passend waren und vielleicht sogar einen tieferen Sinn hatten.

So schenkten wir dem Wirt einen Kübel mit schmutzigem Schneewasser von draussen, wo es davon gerade genug gab, damit er mit seinem alten Whisky noch ins neue Jahr hinein ausreichte. Dem Kellner schenkten wir eine alte, erbrochene Konservenbüchse, damit er wenigstens ein anständiges Servicestück hätte, und einem zum Lokal gehörigen Mädchen ein schartiges Taschenmesser, damit sie wenigstens die Schicht Puder vom vergangenen Jahr abkratzen könnte.

Alle diese Geschenke wurden von den Anwesenden, vielleicht nur die Beschenkten ausgenommen, mit herausforderndem Beifall bedacht. Und dann kam der Hauptspass.

Es war nämlich unter uns ein Mann, der musste einen schwachen Punkt haben. Er sass jeden Abend da, und Leute, die sich auf dergleichen verstanden, glaubten mit Sicherheit behaupten zu können, dass er, so gleichgültig er sich auch geben mochte, eine gewisse, unüberwindliche Scheu vor allem, was mit der Polizei zusammenhing haben musste. Aber jeder Mensch konnte sehen, daß er in keiner guten Haut steckte.

Für diesen Mann dachten wir uns etwas ganz Besonderes aus. Aus einem alten Adressbuch rissen wir mit Erlaubnis des Wirtes drei Seiten aus, auf denen lauter Polizeiwachen standen, schlugen sie sorgfältig in eine Zeitung und überreichten das Paket unserm Mann.

Es trat eine grosse Stille ein, als wir es überreichten. Der Mann nahm das Paket zögernd in die Hand und sah uns mit einem etwas kalkigen Lächeln von unten herauf an. Ich merkte, wie er mit den Fingern das Paket anfühlte, um schon vor dem Öffnen festzustellen, was darin sein könnte. Aber dann machte er es rasch auf.
Und nun geschah etwas sehr Merkwürdiges. Der Mann nestelte eben an der Schnur, mit der das "Geschenk" verschnürt war, als sein Blick, scheinbar abwesend, auf das Zeitungsblatt fiel, in das die interessanten Adressbuchblätter geschlagen waren. Aber da war sein Blick schon nicht mehr abwesend. Sein ganzer dünner Körper (er war sehr lang) krümmte sich sozusagen um das Zeitungsblatt zusammen, er bückte sein Gesicht tief darauf herunter und las. Niemals, weder vor- noch nachher, habe ich je einen Menschen so lesen sehen. Er verschlang das, was er las, einfach. Und dann schaute er auf. Und wieder habe ich niemals, weder vor- noch nachher, einen so strahlend schauen sehen wie diesen Mann.

"Da lese ich eben in der Zeitung", sagte er mit einer verrosteten, mühsam ruhigen Stimme, die in lächerlichem Gegensatz zu seinem strahlenden Gesicht stand, "dass die ganze Sache einfach schon lang aufgeklärt ist. Jedermann in Ohio weiss, dass ich mit der ganzen Sache nicht das geringste zu tun hatte." Und dann lachte er.
Und wir alle, die erstaunt dabeistanden und etwas ganz anderes erwartet hatten und fast nur begriffen, dass der Mann unter irgendeiner Beschuldigung gestanden und inzwischen, wie er eben aus diesem Zeitungsblatt erfahren hatte, rehabilitiert worden war, fingen plötzlich an, aus vollem Halse und fast aus dem Herzen mitzulachen, und dadurch kam ein grosser Schwung in unsere Veranstaltung, die gewisse Bitterkeit war überhaupt vergessen, und es wurde ein ausgezeichnetes Weihnachten, das bis zum Morgen dauerte und alle befriedigte.

Und bei dieser allgemeinen Befriedigung spielte es natürlich gar keine Rolle mehr, dass dieses Zeitungsblatt nicht wir ausgesucht hatten, sondern Gott.
Bertolt Brecht, 1898-1956

Montag, 21. Dezember 2009

Medienvielfalt, letzter Teil

So schickte ich also die Kopie des Fragebogens an die Chefredaktorin Toya Maissen von der Basler AZ. Dann meinte ich noch, man hat ja nie genug, dass dieser unglaubliche Fall zu Waldenburg auch national besprochen werden müsste. Wer würde sich wohl dazu eignen? Natürlich die Tat (Migros), welche damals als Boulevardblatt in Konkurrenz zum Blick erschien. Roger Schawinski war ihr streitbarer Chefredaktor, der die Konsumenten informieren und schützen wollte sowie einige Skandale aufdeckte.

Die zweite Kopie liess ich also unserem "Roschee national" zukommen. Und was dann folgte, war für mich ein einmaliges Lehrstück (noch) funktionierender 4. Gewalt. Die Toya und der Roschee rissen das Ganze gekonnt an. Schrieben von Leibeigenschaft der Uhren-Büezer. Vergassen auch nicht, dem übermächtigen Verwaltungsratspräsidenten und Vater des Direktors einen gehörigen Hieb ans Bein zu geben. Machten im gleichen Aufwisch auch noch auf das von diesem Clan unterdrückte Buch des Schriftstellers Jakob Bührer aufmerksam (Bührer heiratete nämlich 1921 in diesen Clan ein und schrieb ein Buch darüber). Kurzum: Recherchier-Journalismus vom Feinsten. Und es ging noch weiter: Beide Zeitungen riefen zu einer Protestkundgebung auf und die passierte dann auch tatsächlich. Mit grossen Transparenten protestierten vor den Toren der Uhrenfabrik einige hundert Leute. Zu dieser Zeit waren wir in der Nordwestecke nämlich Profis in der Inszenierung von publikumswirksamen Demonstrationen (AKW-Bewegung). Die Zeitungsmacher nützten diese Demo zusätzlich noch für die Propagierung ihrer eigenen Produkte und ich weiss aus verlässlichen Quellen, dass damit die Basler AZ beispielsweise einige Zusatz-Abonnenten aus dem Waldenburgertal akquirieren konnte.

Der kaufmännische Direktor keifte noch ein bisschen herum und strich dann resigniert die Segel. Doch er liess immerhin drohend verlauten, den Urheber dieser gezielten Aktion ausfindig zu machen und ihn höchstpersönlich "an den Galgen" zu liefern...

Mit zwei einfachen Briefen an die Presse - mit dem Hinweis, dass die mehrheitlich bürgerliche Presse an einem solchen Primeur aus verständlichen Gründen nicht interessiert sei -  war es mir damals möglich gewesen, eine Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Beim heutigen Medien-Einheitsbrei wäre solches nicht mehr denkbar. Schade, denn gerade in heutigen turbulenten Zeiten wäre eine funktionierende 4. Gewalt dringendst nötig.  Doch eben: Die vierte Gewalt hat vor Jahren schon endgültig abgedankt.

PS: Viele Jahre später habe ich dann mit eben diesem Direktor ein paar Fläschchen Wein gezwitschert und in weinseliger Stimmung das Gespräch sachte auf diese Aktion gelenkt. Der Direktor i.R. seufzte nur und meinte, dass er da wohl den Bogen überspannt hätte. Er wollte damit einfach seinem Vater beweisen, dass er denn auch "Pfeffer im Arsch" hätte. Es würde ihn immer noch interessieren, wer der Urheber dieser grossangelegten Aktion gewesen sei. Der habe immerhin etwas von Propaganda verstanden... (nein, ich habe mich nicht geoutet!)

Samstag, 19. Dezember 2009

Medienvielfalt, Teil III

Ja, dieser Fragebogen, den ich unbedingt aus der Welt meines Vaters schaffen wollte, beschäftigte mich die nächsten Tage stark. Ich musste einfach Öffentlichkeit herbeizaubern, um auf diesen "Schandfackel" aufmerksam zu machen. Doch wie?

Die zündende Idee kam mir plötzlich, als ich morgens zur Arbeit nach Liestal fuhr. In der legendären Schmalspurbahn, die wir liebevoll "Crèmeschnitten-Express" nannten (Waldenburgerbahn). Natürlich, das war die Lösung. Ich musste diesen Personalbogen der Presse stecken.

War ich nicht etwa selbst auch Journalist? Ja, klar. Trotz meines jugendlichen Alters war ich nämlich bereits "Presse- und Propagandachef" (so hiess das damals tatsächlich!) des Bezirksturnverbandes Waldenburg. Dementsprechend hatte ich auch einen Presseausweis, der es mir erlaubte, die meisten Sportveranstaltungen im Kanton zu besuchen. Zu meinem Leidwesen durfte ich jedoch lediglich über turnerische Feste berichten und die liefen halt immer in etwa gleich ab. Also nicht gerade die journalistische Herausforderung für einen Jungspund wie mich.

So viel politisches Gespür  hatte ich bereits, um zu wissen, dass ich diesen Primeur wohl kaum der bürgerlichen Presse stecken konnte. Die würde solches kaum in ihrer Zeitung publik machen. Da musste ich mich einer anderen Zeitung bedienen. Ich schickte also eine Kopie des Corpus Delicti an die damalige Chefredaktorin der Basler AZ. Es war übrigens die legendäre Toya Maissen. Eine Frau, vor deren Feder sich viele fürchteten - auch Genossen!. Ja, das war noch eine Journalistin nach altem Schrot und Korn: Unerschrocken, kämpferisch und immer auf der Seite der Zukurzgekommenen. Wahrlich, wahrlich... eine echte Genossin, ganz anders als die heutigen "Cüpli-Sozialisten"...

Leider muss ich hier wieder mal Schluss machen. Vorweihnächtliche Verpflichtungen rufen mich. Dann werde ich halt den Schlusspunkt am Montag setzen. Bis dahin also.

Freitag, 18. Dezember 2009

Medienvielfalt, Teil II

Hier also die versprochene Fortsetzung zur Medienvielfalt im engen Waldenburgertal. Vorausschicken möchte ich, dass ich bereits in ganz jungen Jahren ein richtiger Zeitungs-Junkie gewesen bin. Es waren übrigens dieselben Zeitungen, die mich als ganz Kleinen motivierten, das Lesen und Schreiben so nebenbei zu lernen. Ich konnte es nicht verputzen, dass sich die Erwachsenen täglich mit einem Haufen Papier vergnügten und ich hintenanstehen musste. Mich faszinierte eigentlich alles, was mit dem geschriebenen und gedruckten Wort zu tun hatte. Doch wieder zurück zum Eigentlichen:

Mein Vater arbeitete damals bei einer Uhrenfabrik in Waldenburg. Meine geneigten BlogleserInnen, die das Waldenburgertal einigermassen kennen, natürlich auch die, welche sich in den Kommentaren bereits darüber vernehmen liessen, wissen wohl genau, welche Uhrenfabrik damit gemeint ist. Item - mein Vater arbeitete also jahrzehntelang - ganz genau über 40 Jahre - als Fabrikschreiner bei dieser Uhrenfabrik und es war sein tägliches Mantra, beim Mittagessen über die verd... "Bude" zu schimpfen. Seiner Meinung nach waren alle Vorgesetzten unfähig und nur dafür bezahlt, die "Bude" in den Konkurs zu reiten. Ganz so schlecht machten sie ihre Arbeit wohl doch nicht. Die "Bude" gibt's nämlich auch heute noch.

Eines Mittags schlugen die Wellen beim Mittagessen ganz hoch. Mein Vater wetterte ununterbrochen und konnte sich kaum beruhigen. Was war geschehen? Der neue kaufmännische Direktor, Sohn eines übermächtigen Vaters und Verwaltungspräsidenten der "Bude", hatte einen Fragebogen entworfen, den alle Mitarbeitenden auszufüllen hatten. Wer sich weigern würde, den "Fackel" auszufüllen, den würde er subito entlassen.

"Dieser Fötzelcheib, dieser elende Leuteschinder", keifte mein Vater, "was meint der eigentlich? Diese Fragen werde ich nie und nimmer beantworten. Der kann mich am A... lecken!"

Ich wusste natürlich, dass er das nie in die Tat umsetzen würde. Die damaligen "Büezer" waren nämlich, nicht anders als heute, zu ängstlich, ihren Job zu verlieren. Ich habe dann für mich diesen Fragebogen durchgelesen. Sie waren schon delikat, diese Fragen auf diesem "Fackel". Sie verletzten eindeutig die Privatsphäre der "Büezer". Und für mich war klar: Diese Aktion muss und werde ich kippen.

Im dritten und letzten Teil dieser wahren Geschichte kristallisert sich das propagandistische Geschick des jungen BodeständiX heraus. Gekonnt spielt er lehrbuchmässig die Eigeninteressen der Involvierten gegeneinander aus...

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Hausfrau Hannas Traum

Noch eine Woche bis Weihnachten. Wie jedes Jahr hat Hausfrau Hanna den gleichen Tagtraum: Ein leiser, versöhnlicher Schneefall deckt Dächer, Gärten, asphaltierte Strassen und parkierte Autos zu und dämpft alle Stadtgeräusche.

"Vielleicht hilft es", denkt Hanna, "wenn ich tief in die musikalische Mottenkiste greife und ein paar schöne Versionen des populären ‚I'm dreaming of a white Christmas' von Irving Berlin heraussuche."

Bing Crosby sang das Lied als erster und er tat es leicht verhalten und sonor: http://www.youtube.com/watch?v=0Mjb4yLMeK8.

Ganz anders Robbie Williams:
http://www.youtube.com/watch?v=hyk0b0cOogk. Er macht eine Slapsticknummer daraus, und der fidele Männerchor in blauen Kitteln wirft seine singenden Antworten ein wie Balu, der Bär, in Disneys Dschungelbuch.

Bei Cliff Richard tönt es so kitschig, dass der Schnee glatt wieder dahinschmilzt:
http://www.youtube.com/watch?v=g2joywJHneA

Die wundervolle Ella Fitzgerald hingegen macht den Song zu einem Hörerlebnis: http://www.youtube.com/watch?v=AvdjGs12TP0.

Sogar Bob Marley träumt im sommerlichen Jamaika von weisser Weihnacht. Er unterlegt den Song mit einem Reggaerhythmus und einem heiseren schubidubi, was richtig schräg tönt: http://www.youtube.com/watch?v=hEfGeOcQiQM.

Dolly Parton haucht ihn als üppiger Rauschegoldengel verkleidet in einer winterlichen Landschaft in Nashville oder im Studio: http://www.youtube.com/watch?v=g6ojcZxE7ac&feature=related.

Hannas klarer Favorit ist Otis Redding, der ihn mit viel Soul in der Stimme wiedergibt. So muss es an Weihnachten klingen! Wunderschön und seelenvoll ist das. http://www.youtube.com/watch?v=STFXXsHoVWw.

Zum Schluss wählt Hanna noch eine Jazzversion mit Ecken und Kanten aus, weil Charlie Parker ihrem Mann am besten gefällt: http://www.youtube.com/watch?v=jhl0jGJvIw8.

Hanna summt und singt und trällert mit und vor sich hin.

Plötzlich schweben vereinzelte Flocken vom tiefhängenden Himmel herunter: Vielleicht geht ihr Traum mit einer hohen Schneedecke zu Weihnachten doch in Erfüllung!

Und so wünscht Hausfrau Hanna allen Lesern und Leserinnen von BodeständiX nicht nur weisse Weihnachten, sondern auch

gute, frohe und besinnliche Weihnachtstage!
Und dass trotz des harmlosen, weissen Weihnachtstraums der tiefere Sinn des christlichen Festes im Zentrum steht!

Dienstag, 15. Dezember 2009

Medienvielfalt, Teil I

Ach, ach, ach... früher war alles so einfach, so nett überschaubar. Zum Beispiel im engen Waldenburgertal, wo ich aufgewachsen bin. Man informierte sich im hauseigenen Käsblättli - Basellandschaftlichn Zeitung (bürgerlich), Landschäftler (moderat links), Basler Nationalzeitung (Linksliberal), Basler Volksblatt (die Kahtolischen), Basler Nachrichten (ohne Baselbieter), Basler AZ (für ganz Linke)- und zur Abrundung gab's noch verschiedene Anzeiger, das Gelbe Heft, das Meyer's Modeblatt und den Alphorn-Kalender. Niemand vermisste damals  die Onlinewelt und die Gratis-Postillen. Für die Pflege des eigenen Weltbildes - es reichte höchstens bis nach Liestal, wo die "chaiben Höcheren" sassen - genügte das vollkommen.

- Fortsetzung folgt, u.a. mit der Exklusiv-Enthüllung "Uhrenfirma muss klein beigeben". In den Hauptrollen: Ein Uhren-Direktor, der junge und schlaue Bodeständix, ein nicht ganz unbekannter Medienmann und eine ganz linke Zeitung.

Montag, 14. Dezember 2009

Weitere Abzocker kommen ans Tageslicht

Frau Zappadong, nebst Bloggerin, hauptsächlich Schriftstellerin, hat kürzlich gejubelt: Sie erhielt nämlich von Pro Litteris für ihre drei gemeldeten Bücher die stolze Auszahlungssumme von CHF 34.90. Sie hat's mit viel Humor genommen. Ich jedoch nicht, weil ich solche Bürokraten-Kraken zur Genüge kenne und deren oberste Maxime ist: Zuerst kommen wir, dann unsere weiteren Unkosten, dann nochmals Abzüge und dann, vielleicht, noch unsere Mitglieder (SchriftstellerIn oder JournalistIn, FotografIn oder bildende/r KünstlerIn).

Die ProLitteris ist die schweizerische Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst. Sie wurde 1974 gegründet. Sie ist also noch relativ jung. Umso erstaunlicher finde ich es, wenn deren Geschäftsführer ein stolzes Jahresgehalt von CHF 308'100.00 kassiert. Für EU-BlogleserInnen: Das entspricht in etwa EUR 205'000.00.

Es gibt also nicht nur gierige Banksters, es gibt auch unverschämte Kulturbürokraten. Oder kann mir hier jemand plausibel erklären, weshalb ein Pro Litteris-Geschäftsführer - also ein Monopolist - ein solches Gehalt kassiert?

Quelle: Blick-Online

PS: Auch die übrigen Monopolisten wie SUISA, Suisseimage etc. zocken kräftig ab.

Schadenfreude?

"Weshalb bist Du so schadenfreudig?" fragt mich heute Morgen per E-Mail eine Blogleserin. Schadenfreudig? Etwa wegen des kleinen Youtube-Beitrages über den Knockout von Berlusconi? Ich kann beim besten Willen nichts Schadenfreudiges aus den zwei Zeilen herauslesen. Ich sage damit nur, dass, wer "Wind sät, Sturm ernten wird" und weise damit (wieder einmal) aufs einfache Naturgesetz von "Aktion = Reaktion" hin.

Manchmal verwundert es mich schon, dass die herrschende "Elite" dieses Gesetz partout nicht kennen will. Ansonsten lernen sie doch in ihren Logen so Einiges über magische Wirkungskräfte. Doch diesen wichtigen Punkt scheinen sie in ihrer Abgehobenheit zu übersehen.

Also nochmals: Ich wälz' mich nicht in Schadenfreude, obwohl auch ich davor nicht gefeit bin. Ich weise einfach darauf hin, was gesetzmässig erfolgen muss. Ich kann mir partout nicht vorstellen, dass im Universum Willkür herrscht...

Sonntag, 13. Dezember 2009

Auge um Auge...

Wer dauernd schlägt, der muss damit rechnen, auch mal geschlagen zu werden. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf Kommendes:

Freitag, 11. Dezember 2009

Dummes Schweizer Volk - inkl. Intellektuelle


Die Probleme aus der Wirtschaftskrise werden auf die Arbeitslosen abgewälzt - niemand kümmerts.

Weshalb hat's bis heute noch keine Diskussion über die kürzliche Revidierung der Arbeitslosenversicherung gegeben? Ich habe lediglich HIER und HIER darüber gelesen. Merken wir SchweizerInnen denn nicht, wohin die Reise gehen wird? Ich auf jeden Fall habe mir sämtliche Köpfe im Nationalrat, welche diese Revidierung forcierten, gemerkt. Ihre Voten aufgeschrieben. Interessant, dass es praktisch die gleichen sind, die alles daran setzen, willkommene Sündenböcke fürs Kommende zu präparieren. Dummes Schweizer Volk - inkl. Intellektuelle.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wahre Volkskultur ist gefährlich

In Xining in der chinesischen Provinz Qinghai ist der populäre tibetische Sänger Tashi Dhondup in einem Restaurant verhaftet worden. Ihm wurden von den Behörden bereits früher «konterrevolutionäre Aktivitäten» vorgeworfen.

Laut der vom Nachrichtendienst Swissinfo zitierten Organisation Internationale Kampagne für Tibet (ICT) ist Dhondup mit vorgehaltener Waffe aus einem Restaurant abgeführt worden.

Bereits im September sei der Sänger wegen "konterrevolutionärer Lieder" für eine Woche festgenommen und in der Haft geschlagen worden. Tashi Dhondup tritt in seinen Liedern für mehr Freiheit im Tibet und eine Rückkehr des Dalai Lama in sein Heimtland ein.
Quelle: codexflores

Sag' ich's doch: Wahre Volkskultur ist gefährlich...

Ein neuer Stern weist uns den Weg...


Tausende Menschen beobachteten ein mysteriöses, spiralförmiges Licht über Norwegen

Das will ich doch meinen Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten. Passt doch punktgenau in die "Heilige Zeit". Ein neuer Stern ist aufgegangen und leuchtet uns den Weg. Da hab' ich im Schall-und-Rauch-Blog einen treffenden Kommentar dazu gelesen:
Wir müssen dem Licht folgen, dann kommen wir nach Kopenhagen, wo schon viele Könige und Regierungschefs hingepilgert sind und wir gehen in ein Marriothotel, im Foyer steht eine Wiege, in ihr liegt...


Obama
Er ist gekommen, um die Welt zu retten, heiligt ihn!
Heiligt ihn.
Heiligt ihn.

Wir steigern das Bruttosozialprodukt



Die Augenreiberei macht sich heute berechtigte Gedanken über die "Heilige Zeit":
Heute in zwei Wochen ist Heilig Abend. Bis dahin versucht man noch einige Male, uns die frohe Botschaft zu verkünden das Geld aus der Tasche zu ziehen…
Der Rubel muss rollen, damit das Jahresergebnis des Handels nicht allzu düster ausfällt. Mir würde heute ziemlich grauen, müsste ich nochmals von Vorne beginnen, meinen Patenkindern Spielsachen auf die Schnelle einzukaufen.

Da hab' ich heute wiederum ein uraltes Foto (s. oben) ausgegraben mit zwei Kindern, die sich mit selbstgebasteltem Spielzeug vergnügen. Ich kann nun beim besten Willen in beiden Kindergesichtern keinen Frust ausmachen, weil sie nichts Exklusives in Händen halten.

Ach, bin ich wieder einmal rückständig. Die heutigen Kids haben doch Gescheiteres zu tun, als Spielsachen zu basteln.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Prägendes Handwerk


Foto: Maskenschnitzer von Flums, ca. 1920

Handwerk hatte nicht nur 'goldenen Boden'; es prägte auch den Handwerker...

Dienstag, 8. Dezember 2009

Über eine verloren gegangene Dichtkunst


 Foto: Der Solothurner Schriftsteller Josef Reinhart

Erinnert Ihr Euch an das Pausenzeichen, das von 1926 bis 1966 im Radio Beromünster ertönte? Genau: Die Melodie des bekannten Volksliedes "D Zyt isch do". Der Text wurde vom Solothurner Volksdichter Josef Reinhart verfasst. So wie Josef Reinhart der Volksdichter des Kantons Solothurn gewesen ist, so hatte damals praktisch jeder Kanton seinen hochgeschätzten Dichterfürsten. Auch Frauen gaben vielerorts den lyrischen Ton an. Wie beispielsweise Sophie Hämmerli-Marti aus dem Kanton Aargau. Neben ihren Texten zu politischen und kulturellen Anliegen der Schweiz war die Autorin in ihren Prosastücken auch eine frühe Kämpferin für die Emanzipation der Frau. Oder der Schwyzer Dichter Meinrad Inglin, dem wir die beiden (verfilmten) Klassiker "Der schwarze Tanner" und "Das gefrorene Herz" verdanken. Natürlich müssen wir auch Jeremias Gotthelf aus dem Bernbiet zu den eigentlichen Volksdichtern zählen. Seine Werke geniessen heute bekanntlich den Status von Weltliteratur.

Auch wir Baselbieter hatten unseren Hauspoeten, welcher auch in der damaligen Presse regelmässig zu träfem Worte kam: Emil Schreiber, 1888-1972. Im Brotberuf war er - für die damalige Zeit nicht ganz unüblich - Lehrer. Seine Freizeit gehörte jedoch ganz der Dichtkunst. So war er auch Verfasser des damals vielbeachteten Festspiels des Kantons Basel-Landschaft an der Landi 1939 in Zürich. Auch in Schulbüchern fand er Einlass. Ich kann mich deshalb noch gut daran erinnern, wie wir als 10jährige eines seiner Gedichte auswendig lernen mussten. In einfacher Prosa beschreibt Emil Schreiber dabei das Wunder der uns nährenden Mutter Natur:


Dräck
's Noochbers Chnächt, der Bänz - Gott hett in selig -
er hätt öbbis anders sölle geh.
Aer isch nit gsy, wie die meischte Buure.
Aer hett alls mit bsund're n Auge gseh.

I chönnt allerhand vo ihm verzelle.
Jedes Tierli hett er pfläggt und g'schützt.
Er hett gsait: Gott heeb gar nüt erschaffe,
wo nit dämm und sälbem öbbis nützt.

Ei Uuspruch vom Bänz, dä isch mer blibe.
Aer hett gacheret. - I lauf derzue.
Boodelos ischs gsi, 's het zümpftig dräcket,
und i rüef': "Bänz, hesch du dräckig Schueh!"

"Dräck!? - Das isch kei Dräck, du junge Schnuufer!
Strossedräck und Stubedräck, das gitts,
aber, was bim Ach're n an de Schuehne
hange blybbt, das isch kei Dräck, potz Blitz! -

's isch ess Stück vo euser Mueter Aerde,
vo n ere Mueter, die vo früeh bis spot
schafft, ass d'Möntsche chönne sy und wärde...
in der Aerde, nit im Dräck, wachst 's Brot."

Ja, das war er, der knorrige Schulmeister Emil Schreiber, der jedoch, sobald er ins Gewand des Dichters schlüpfte, ungemein feinsinnige Worte drechseln konnte. Wer würde sich heute noch getrauen, so gefühlvolle und berührende Dichtkunst zu verfassen?

Würde, Stolz und Handwerk


Irgendwie gefällt mir dieses Bild (Wolle-Spinnerin im Prättigau, ca. 1915). Trotz des wohl nicht hochgeachteten Handwerks vermeine ich eine gewisse Würde, sogar Stolz, zu erkennen. Möglicherweise bietet auch ein handwerkliches Geschick eine gewisse Befriedigung. Natürlich nur früher. Heute brauchen wir ja das Handwerk nicht mehr...

Montag, 7. Dezember 2009

Sündenböcke werden in Stellung gebracht

Wohin das noch führen mag? Der Schweizer Narr meint dazu:

"... Gelingt es den Schweizern nicht, diese geschmacklosen Plakate zu unterbinden und zu einer Mässigung in der Rhetorik zu gelangen, so wird das Land möglicherweise die geschichtlichen Erfahrungen Europas im letzten Jahrhundert nachholen müssen ..."
und ich pflichte ihm bei. Ich orakle noch etwas weiter: Hat Herr Dr. B. den Auftrag gefasst, europaweit eine Bewegung zu lancieren bzw. Auslöser zu sein, um damit den willkommenen Sündenbock zu lancieren, an dem sich die gebeutelte Bevölkerung dann abreagieren kann?

Freitag, 4. Dezember 2009

Wenn die Volksseele gärt

Die Minarette gären weiter in der Volksseele. Frau Zappadong schreibt ihre Sicht der Dinge, Bruder Bernhard seine Sicht und ich selbst habe meine Sicht der Dinge vor über einem Jahr auch niedergeschrieben. Ich empfehle meinen BlogleserInnen, alle drei Beiträge aufmerksam zu lesen. Danke.

Frau Zappadong: Tabuzonen - von wegen Minaretten und so
Bruder Bernahrd: Alles zu kurz gekommene?
BodeständiX: Über unbewusste Verschwörungen

Die immer gleiche Masche der Verkäufer

Vor über zwanzig Jahren habe ich - noch jung und ziemlich dumm - die "Lehren des erfolgreichen Verkaufens" in mich aufgesogen. Jetzt wundere ich mich, dass die vielen Verkaufs-Gurus nichts Neues mehr zu bieten haben. Die Verkäufer haben nämlich ausnahmslos die gleiche Masche drauf... Weiterlesen

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Eine längst fällige Glotze-Reform steht an

 Da kann ich Don Alphonso nur zustimmen:

"Es kann mir keiner erzählen, dass der Mensch zu diesem Elend verdammt ist, das da aus der Kiste kommt."
Ganzen Beitrag lesen.
Auch gegen unsere eigene gebührenfinanzierte Unkultur-Glotze sollte mal anständig unanständig angegangen werden. Und wie macht man das? Mit viel Gebrüll auf die Strasse? Nein - einfach Billag-Rechnung in den runden Ordner schmeissen. Wie immer: 10 Prozent, die sich dem SRG-Moloch verweigern, dürften genügen, um in den Chefetagen der SRG-Gewaltigen ein nettes Umdenken einzuleiten. Wetten, dass....?

Dienstag, 1. Dezember 2009

Immer ein Lichtlein mehr

Fast hätte ich es dieses Jahr vergessen, ein vorweihnächtliches Gedicht hier in meinem Blog zu veröffentlichen. Dieses Jahr übergebe ich Matthias Claudius die Bühne:

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiss um den Segen!

Matthias Claudius 1740-1815

PS: Theomix (Zitate-Detektiv!) macht mich gerade darauf aufmerksam, dass dieses Gedicht wohl nicht von Matthias Claudius stammen kann:

"... da der Adventskranz 15 Jahre nach seinem Tod in die Welt kam, kann das Gedicht nicht von Matthias Claudius sein. http://de.wikipedia.org/wiki/Adventskranz#Geschichte

Da muss ich ihm Recht geben und ich frage mich, wer wohl dieses Gedicht  verfasste? Oder war Matthias Claudius auch ein Seher?

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