Donnerstag, 18. März 2010

Der (geplante) Flughafen in Utzenstorf

Was wäre wohl passiert, wenn dieser schweizerische Grossflughafen Mittelland in Utzenstorf realisiert worden wäre? Dank des Widerstandes der örtlichen Bauern ist die einmalige Landschaft in Utzenstorf - übrigens die Kornkammer des Kantons Bern -  immer noch intakt. Damit blieb ein Stück Land bis heute erhalten, wie es in diesen Dimensionen im Mittelland kaum mehr zu finden ist.

Im gestrigen Beitrag von SCHWEIZ AKTUELL (Filmbeitrag s. unten) wurde schnell klar, weshalb dieses Grossprojekt keine Chance in Utzenstorf hatte, obwohl damals die Berner Regierung alles daran setzte, um in der Ebene bei Utzenstorf  dieses Riesending zu verwirklichen.  Das Gelände erfüllte nämlich alle flugtechnischen Anforderungen und zeichnete sich aufgrund der Lage im Zentrum des schweizerischen Mittellandes und in unmittelbarer Nähe der Ost-West-Hauptverkehrsachsen durch eine gute Erreichbarkeit aus.

Der Flächenbedarf belief sich auf 309 Hektaren, davon 132 Hektaren Wies- und Ackerland und 177 Hektaren Wald. Die Hartbelagflächen umfassten rund einen Drittel des gesamten Flughafenareals, der Rest hätte weiterhin extensiv genutzt werden können. Die Verwirklichung der Anlage erforderte zudem den Abbruch eines Bauernhofes, die Aufhebung zahlreicher Flurwege und die Überdeckung eines kleinen Fliessgewässers. Anstelle der bestehenden Verbindungsstrasse Kirchberg–Utzenstorf sollte eine neue Strasse das Flughafenareal westlich umfahren.

Die Hauptpiste von 2800 x 75 Metern sollte parallel zur häufigsten Windrichtung angelegt und mit einem Instrumentenlandesystem ausgerüstet werden. Für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs bei Querwindlagen waren drei Nebenpisten von je 1700 x 75 Metern vorgesehen.

Im Mittelpunkt befand sich der Kontrollturm, von dort folgten in südöstlicher Richtung ein Verwaltungsgebäude, ein Passagierterminal,daran angebaut ein Hotel- und Restauranttrakt und in einiger Entfernung schliesslich drei diagonal angeordnete Werkbauten. Parallel zur Hauptpiste waren vom Zentrum nach aussen ein Garagentrakt, ein Frachtterminal, ein Flugzeughangar und eine Werfthalle aufgereiht.

Bemerkenswert, weil in dieser Zeit unüblich, war der Anschluss an das Eisenbahnnetz: Eine Gleisverbindung führte von der Emmequerung bei Aefligen an der Strecke Burgdorf–Solothurn zum geplanten Kopfbahnhof vor dem Aufnahmegebäude. Geradezu revolutionär war der Gleisanschluss des Frachtterminals. Für eine bessere bahnseitige Erschliessung aus westlicher Richtung war nämlich der Bau eines Verbindungsgleises zwischen Lyssach und Aefligen vorgesehen.

Aus: Simon Bratschi, Wunschtraum und Wirklichkeit - Flughafenprojekte vom zweiten Weltkrieg bis heute

Hier der Filmbeitrag des Schweizer Fernsehens (SCHWEIZ AKTUELL) vom 17.3.2010: Mega-Vision: Der Kanton Bern plante einen Grossflughafen:

Schweiz aktuell vom 17.03.2010

1 Kommentare:

Titus

Ich denke die Schweiz würde heute generell anders aussehen, wenn nicht in Zürich-Kloten, sondern eben in Utzenstorf der «grosse» Flughafen gebaut worden wäre.

Zürich wäre dann vermutlich nicht so stark gewachsen, dafür aber Bern. Genf hätte heute vielleicht einen Flughafen in der Grösse des heutigen Flugplatzes Bern-Belp. Und die Kornkammer der Schweiz befände sich im Raum Zürich statt im Raum Bern.

Und die Berner würden sich über Fluglärm beklagen... ;-)

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