Dienstag, 23. März 2010

Killerspiele und "Moderne E-Musik"

Im Jahre 1985 zelebrierte die Kulturelite Europas das "Europäische Jahr der Musik" und ich fasste damals den Auftrag, das adhoc zusammengestellte Europäische Jugendorchester durch Europas Städte zu manövrieren. Inklusive Probezeit waren wir gegen zwei Monate unterwegs. Chefdirigent war übrigens der gleichaltrige Mario Venzago. Vorgängig zu dieser Europatournee veranstaltete die EMU (Europäische Musikschulunion) einen Komponisten-Wettbewerb und das Jugendorchester hatte das "Vergnügen", die beiden erstplatzierten Kompositionen zu spielen. Was war das doch für ein Höllenspektakel. Mario Venzago verriet mir schon während der Probezeit, dass es für ihn höchste Pein bedeute, die Jugendlichen mit diesen Stücken zu quälen. Auch ich hatte daran zu beissen. Mich grauste dieser Brei disharmonischer Töne, meine Rückenhaare stellte es mir auf und ich betete insbrünstig zu allen Göttern, mir diese Höllenpein zu ersparen. Sie erhörten mich nicht. Und die Jugendlichen? Die waren nach einer solchen Probe total aggressiv und ich hatte alle Hände voll zu tun, damit das Ganze nicht ausartete - bei immerhin über 120 Jugendlichen.

Jüngst las ich nun mit grossem Entzücken einen Kommentar auf einen Blogbeitrag von Christian Henner-Fehr, der das "Phänomen Moderne E-Musik" m.E. aufs Trefflichste karikiert:

Klassische Musik wurde für Menschen geschrieben. Moderne (E-Musik) wurde hauptsächlich geschrieben, um den Terror des Krieges zu verarbeiten und darzustellen. Der Rest hat sich mit Experimenten beschäftigt, im Glauben, irgendwann würden die Menschen diese Musik verstehen können. Es ist aber kein Verstehen der Modernen Musik eingetreten. Und wenn man ehrlich ist, dann ist moderne Musik gar keine Musik, sondern angsteinflößender Krach. Moderne Musik schlägt dem Hörer mit voller Kraft eine Abwertung des Menschen um die Ohren, dass man sich nicht wundern muss, dass die Hörer und Enkel dieser Musik zu allem fähig sind.

Vielleicht gibt es im amerikanischen Raum Moderne Musik, die man hören kann. Aber die europäische Moderne samt 12 Tonmusik ist Tierquälerei. Jetzt willst du diesen Lärm mehr den jugendlichen vermitteln, die sowieso schon mit einem Messer in die Schule gehen. Glaubst du, irgendein Jugendlicher, der erst das Abitur macht, später studiert und dann, weil er nur Durchschnitt ist, keine Stelle bekommt, glaubst du, der wird zur Entspannung und zum seelischen Ausgleich 12 Tonmusik vor sich hinkreischen und neue Klangeffekte, wie zerbrochenes Glas und Totengeheul ausprobieren wollen?

Ganzen Beitrag lesen: HIER
Wir brauchen also keine Killerspiele mehr. Es genügt, die Kids mit dieser Art von Musik im Musikunterricht zu quälen, sie damit aggressiv zu machen. Deshalb liebe Förderkraten: Pumpt noch mehr Geld in diese "Moderne E-Musik". Es braucht dann keine Killergames-Verbote mehr. Garantiert.

3 Kommentare:

Christian Henner-Fehr

Ich habe das Problem, dass ich gra nicht weiß, was "Moderne E-Musik" eigentlich sein soll. Ist das das Gegenteil von alter E-Musik? Oder von junger U-Musik?

Sorry, ich kann mir doch nicht ein paar Komponisten raussuchen, die mir gerade in den Kram passen. Und alle anderen lasse ich unter den Tisch fallen.

Da könnte ich ja jetzt auch hergehen und mich über die Laxheit der heutigen Jugend aufregen, die in der seditativ wirkenden Musik von Philip Glass ihre musikalische Entsprechung findet.

Nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Christian Henner-Fehr

PS: Bist Du jetzt eigentlich schon in Wien? Dann gehen wir doch mal auf eine Melange und diskutieren das Thema weiter. Ohne hier Zeile um Zeile zu füllen. ;-)

BodeständiX

@Christian: Natürlich hast Du auch hier recht. DIE "moderne E-Musik" gibt's - wie auch DIE "Volkskultur" - so nicht. Tatsache ist jedoch, dass sowohl alte wie auch neue "Neutöner" vom Publikum grösstenteils verschmäht werden. Diese "Neutöner" werden bei "klassischen" Konzerten immer noch KLAMMHEIMLICH zwischen Beethoven, Mozart etc. geschmuggelt, damit das Publikum nicht davonläuft... Trotz Unmengen Fördergeld scheint das Konzertpublikum das "Neutöner-Zeugs" nicht zu mögen...

Nach Ostern diskutiere ich natürlich gerne bei einem guten Bierchen in Wien mit Dir darüber...

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