Wer etwas bewegen will, kaufe sich einen Kinderwagen
Es scheint, es ziehe wieder einmal ein gar arges Stürmchen durch den hundertjährigen Jodlerverband. Was ist passiert? Die Post hat zum hundertjährigen Jubiläum eben dieses Verbandes eine Jubiläumsmarke herausgegeben mit dem Konterfei von Christine Lauterburg. Damit haben die Post-Verantwortlichen einen gehörigen Krach im Verband vorprogrammiert. Die weltweit anerkannte experimentelle Jodlerin Christine Lauterburg ist nämlich so ziemlich ein rotes Tuch für die traditionellen VerbandsjodlerInnen. Sie selbst war übrigens auch einmal Mitglied des EJV (Eidgenössischer Jodlerverband), besuchte sogar als aktive Jodlerin ein paar Verbandsfeste - immer darum bemüht, ein bisschen Farbe ins gewohnte Einerlei zu bringen. Dies passte jedoch den Verbandsoberen überhaupt nicht und Christine Lauterburg wurde vom Verband ausgeschlossen.
Dass sich der Jodlerverband aus Gründen des demokratischen Mittelmasses nicht für andere "Jodel-Sichtweisen" erwärmen kann, sollte einleuchten. Beispielsweise regte sich anno 1994 heftigster Widerstand aus seinen Kreisen, als sich Christine Lauterburg zu einem Freundschaftspreis für einen Auftritt im Kornhaus Burgdorf (Haus der Volkskultur) gewinnen liess. Nach dem Dikat des Verbandspräsidenten musste sie wieder ausgeladen werden. Das schlug damals in den Medien - nicht nur in der Schweiz - ziemlich hohe Wellen. Genau zehn Jahre später habe ich sie im Kornhaus Burgdorf auftreten lassen - ohne Nebengeräusche notabene.
Nun prangt sie also auf dieser Jubiläumsbriefmarke und die Wellen gehen hoch. Ich selber würde es begrüssen, wenn auch KünstlerInnen wie eben Christine Lauterburg im Jodlerverband Platz hätten. Doch dieser Verband - wie auch der "Verein Schweiz" - sträubt sich gegenüber jeglicher Bewegung:
Dass sich der Jodlerverband aus Gründen des demokratischen Mittelmasses nicht für andere "Jodel-Sichtweisen" erwärmen kann, sollte einleuchten. Beispielsweise regte sich anno 1994 heftigster Widerstand aus seinen Kreisen, als sich Christine Lauterburg zu einem Freundschaftspreis für einen Auftritt im Kornhaus Burgdorf (Haus der Volkskultur) gewinnen liess. Nach dem Dikat des Verbandspräsidenten musste sie wieder ausgeladen werden. Das schlug damals in den Medien - nicht nur in der Schweiz - ziemlich hohe Wellen. Genau zehn Jahre später habe ich sie im Kornhaus Burgdorf auftreten lassen - ohne Nebengeräusche notabene.
Nun prangt sie also auf dieser Jubiläumsbriefmarke und die Wellen gehen hoch. Ich selber würde es begrüssen, wenn auch KünstlerInnen wie eben Christine Lauterburg im Jodlerverband Platz hätten. Doch dieser Verband - wie auch der "Verein Schweiz" - sträubt sich gegenüber jeglicher Bewegung:
Doch wer tatsächlich etwas bewegen will in seinem Leben, kaufe sich lieber einen Kinderwagen für den Sonntagsspaziergang. Denn das Gesetz der Politik/Verbände lautet nicht „bewegen“ sondern „ausharren“. Wer lange genug ausharrt, erlebt dies als Bewegung. Weil dieser und jener Weggefährte auf der Strecke bleibt. Verharren als Bewegung erleben, ist der ultimative Kick für einen Politiker/Verbändsfunktionär...
Aufgepickt bei arlesheimreloaded.ch






1 Kommentare:
Als ich vor ein paar Wochen das Werbematerial der Post mit den neuen Briefmarken sah, musste ich schmunzeln. Man kann ja die Entstehung dieser Briefmarke loben oder kritisieren, wie man will: Was Marketing und PR anbelangt, haben die Post und der Künstler ganze Arbeit geleistet. Diese Marke wird betrachtet und es wird rege darüber gesprochen. Das gelingt nicht immer allen Künstlern...
Für den Jodlerverband sieht's meines Erachtens etwas anders aus. Zwar wird auch über ihn gesprochen und geschrieben, aber nicht nur positiv. Es zeigt sich, dass Irritationen, wie der Verband sie im Jahre 1994 in Zusammenhang mit Lauterburg ausgelöst hat, lange nachwirken und imageschädigend wirken. Solche Ereignisse werden von Journalisten immer wieder "neu aufbereitet" und es ist für sie ein Kinderspiel, an der Basis ein paar Jodelstimmen einzufangen, die gegen Lauterburg Position beziehen. Sie sind unbewusst und ungewollt Teil eines Systems, welches regelmässig den Jodlerverband als verstaubt und reaktionär darstellt. Anders die Zentralpräsidentin Karin Niederberger: Sie hat dieses System offensichtlich durchschaut und hat einen anderen Weg eingeschlagen, wird aber von der Basis teilweise im Stich gelassen - schade. Leider gehört im Kreis des Jodlerverbandes nicht nur Jodelgesang zur Tradition, sondern auch Besserwisserei und Separation anstatt offenere Kommunikationskultur und Integration. Wenn sich innerhalb der Jodlerszene gerade niemand zur Miesmacherei anbietet, dann gibt's ja ab und zu von aussen her eine Gelegenheit - diesmal geliefert von der Post (und erst noch pünktlich)!
Jürg Röthlisberger, Mühlethurnen
Kommentar veröffentlichen