Sonntag, 16. Mai 2010

Die letzte Portion Tsatsiki

Die Lage spitzt sich zu. Die Zeit der hohlen Phrasen ist angebrochen:

"Wir haben ÜBER unsere Verhältnisse gelebt. Wir müssen sparen!"
Auch Schweizer PolitikerInnen bemühen mantramässig den sog. "Griechenland-Effekt" (z.B. in der Arena) und verschliessen bewusst oder auch aus eigener Unkenntnis die Augen vor dem, was sich demnächst abspielen wird:
„Ein junger Berliner/Wiener/Zürcher leiht sich bei seiner Bank 1'000 Eierchen für ein flottes Wochenende in München/Salzburg/Basel. Alles bestens. Nach einem Jahr will er sich wieder 1'000 Eierchen leihen. Ja, sagt die Bank, wir müssen aber 100 Eierchen Zinsen einbehalten. Wieder ein Jahr später will er wieder 1'000 Eierchen. Die Bank sagt: Klar, abzüglich 200 Eierchen Zinsen. Mit den 800 Eierchen fährt der Mann nach XY. Und so weiter. Schliesslich kommt der Mann in die Bank und sagt: Noch mal 1'000 Eierchen. Ja, sagt die Bank, aber 900 Eierchen gehen inzwischen für Zinsen ab, die wir gleich einbehalten. Hier sind die restlichen 100 Eierchen. Die nimmt der Mann und geht mit Bruder und Freundin um die Ecke zum Griechen. Sie bestellen Retsina, Oliven, Weinblätter, drei Portionen Gyros. Obwohl der Mann jedes Jahr 1'000 Eierchen Schulden gemacht hat, ging seine Nachfrage nach den Dingen des Lebens immer mehr zurück. Noch ein Jahr später wird er wieder 1'000 Eierchen Schulden machen, aber er kriegt keinen Pfennig ausgezahlt. Er kann sich nicht mal mehr den Griechen leisten. Er läuft heulend am Lokal vorbei. Der Grieche ist ein netter Mensch und schenkt dem Mann – was? Eine Portion Tsatsiki. Genau das ist die Lage des Staates. Obwohl er immer weiter Schulden macht, hat er immer weniger Geld zur Verfügung, das er ausgeben könnte. Der Finanzminister läuft heulend durch die Strassen. Der Staat macht Schulden, weil er Schulden hat. Das ist das Finale.“
Frei nach Paul C. Martin, aus: Wann kommt der Staatsbankrott?

2 Kommentare:

antoine

Diesen Zustand habe ich die Afrikanisierung Europas getauft. Obwohl die Schulden mit den Zinsen schon längstens zurückbezahlt sind, müssen die Kredite immer noch bedient werden. Das geht bis zu dem Punkt, an dem der gesamte Staatshaushalt für den Zinsdienst aufgewendet werden muss, ohne dass die Schulden abgetragen werden können.
Nach dem die Dritte Welt so zugrunde ging, ist heute Europa an der Reihe.
Die einzige Medizin dagegen, ist die Abschaffung des Zinses und die Einführung der Umlaufgesichten Währung aka Schmrupfgeld oder Freigeld.
Jetzt wirst Du sagen: Träum mal schön weiter und ich sage, Wunder geschehen immer wieder und die Dummen (also wir) haben immer Glück.

BodeständiX

@antoine: ...doch die "Dummen" wachen langsam auf...

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