Montag, 18. Oktober 2010

Wenn Gott Lokus ferne ist


Pharmama, deren Blog ich täglich mit Hochgenuss lese, hat mich wegen dieses Beitrages an ein überaus traumatisches Erlebnis in Wien erinnern lassen...

Ich war noch nicht lange in Wien ansässig, da machte ich mit ein paar Kumpels in einer urigen Gasthausbrauerei ab. Wir trafen uns also da, frohgemut und redeten über Gott, Götter und die Welt. Dem vorzüglich eigengebrauten Bier - ich bevorzugte dabei ein köstliches Rauchbier - sprachen wir tüchtig zu. Ein Glas gab sich dem anderen. Es wurde spät und spät machte ich mich zu Fuss auf den Heimweg.

Mitten im Nachhauseweg überfiel es mich. Ein unwiderstehlicher Drang, mich von allerlei Bierlitern zu befreien, befiel mich. Doch überall nur Häuserschluchten und immer wieder Fussvolk. Ich "Landei" hatte es - ganz im Gegensatz zu meinen Profi-Städtern - unterlassen, mich vor dem Nachhauseweg regelkonform im Wirtshaus zu erleichtern.

Das rächte sich jetzt fürchterlich.

Der Drang wurde immer stärker und ich immer bleicher. Was sollte ich nur tun? Mir eine ordentliche Busse wegen öffentlichen Urinierens einhandeln? Dazu war ich dann doch zu geizig.

Gottseidank, im allerletzten Augenblick kam mir "Landei" die erlösende Idee: Restaurant-Toilette (für Frauen naheliegend. Für uns Männer eine bahnbrechende Eingebung!).

Doch es war wie verhext. Kein Restaurant weit und breit.Nur schnöde Hausfassaden. Ich betete zum Biergott, dass er mir den nötigen Durchhaltewille schenken möge und redete meiner arg geplagten Blase gut zu. Hin und wieder machte ich Halt, um die Beine zu kreuzen.

Endlich, endlich konnte ich innerlich jubeln. Eine etwas schmuddelige Bar tauchte vor meinen in der Zwischenzeit vernebelten Augen auf. Ich nix wie rein. Verzweifelt suchte ich das Männchen bzw. den heiligen Ort des göttlichen Lokus. Dank des Barkeepers, der meine Notsituation in Sekundenbruchteilen erkannte, fand ich mich alsbald im Paradies wieder. Ach, war das eine Erleichterung. Alle, die Gleiches schon mal durchmachen mussten, können mir da sicher nachfühlen.

Nun bin ich also wieder zuhause im heimeligen Gotthelfdorf. Hier kann ich mich getrost auf den Heimweg machen, nachdem ich einige Bierchen auswärts gezwitschert habe. Ich weiss, dass mich der Heimweg einige Minuten durch einen Wald führt und meine lieben Baumfreunde haben gar nichts dagegen, mir den nötigen Schutz bei der obligaten Biererleichterung zu gewähren.

Es lebe das ländliche Leben.

2 Kommentare:

theomix

Ich sag's ja immer: Die Natur stellt immer wieder unsagbar viele Herrentoiletten in die Landschaft...

BodeständiX

..und da die Natur weiblich ist, weiss sie um die vielen Schwächen des männlichen Geschlechts

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