Donnerstag, 11. November 2010

Weshalb sind Chefs so gierig?

Da musste also jüngst der Kanton Bern seinen Chefbeamten 171 Millionen Fränkli für ihre "Chrampferei" (Überstundenvergütung) nachwerfen, was natürlich einiges Murren im Grossen Rat Bern auslöste. Immerhin erhält der Kanton Bern aus dem eidgenössichen Finanzausgleich so ca. 900 Millionen Fränkli pro Jahr und davon haben sich die Berner Chefbeamten gegen 20 Prozent gekrallt.

So what? Jeder ist sich selbst der Nächste.

Da erinnere ich mich an meine erste Beamtung vor vielen, vielen Jahren. Der damalige Amtschef war noch von altem Schrot und Korn und schaute dann schon, dass wir nicht zu viel Geld verprassten. So mussten wir sämtliches Büromaterial, das wir benötigten, von ihm persönlich absegnen lassen, bevor wir es vom Verantwortlichen des Büromaterials ausgehändigt bekamen.

Da gab's kein Pardon und ergo auch keine Verschwendung.

Ein anderes Beispiel: Bei Verurkundungen von Erbverträgen mussten jeweils zwei unabhängige Zeugen mit Unterschrift die Handlungsfähigkeit (urteilsfähig und mündig) des Erblassers bestätigen. Da waren wir Beamte aus dem Erbschaftsamt als "unabhängige Zeugen" gefragt. Pro Unterschrift bekamen wir zwei Franken.

Nein, wir bekamen sie nicht.

Immer auf Ende des Jahres wurde nämlich die aufgelaufene Summe unter allen Mitarbeitern, auch an diejenigen, die nie als "unabhängige Zeugen" amteten, aufgeteilt. Da wir damals mehr dem Gemeinsinn statt des Eigensinns frönten, verprassten wir dann diese "Zeugengelder" gemeinsam an einem feuchtfröhlichen Abend.

Unser Amtschef schaute zufrieden diesem bunten Treiben zu.

Tempi passati!

4 Kommentare:

Bobsmile

Naja, heutzutage gibt es ja auch keine Beamten mehr, sondern Bundes-, Kantons- oder Gemeindeangestellte.
Und das Amt ist ein Bundes/Kantons/Gemeindebetrieb.
Und da gelten eben neu betriebswirtschaftliche Regeln, und so wird der ehemalige Chefbeamte zum Verwaltungs-CEO mit entsprechendem Manager-Boni.
Tempora mutantur.

BodeständiX

@Bobsmile: Wie recht Du hast! Jedoch träum' ich halt weiter von den "guten, alten Zeiten", wie früher zu meinem grossen Leidwesen mein Vater...

antoine

Mit dem Essen kommt der Appetit.
Je mehr in den Magen gestopft wird, umso grösser wird er.
Unser Welt fehlt irgendwie ein Magenband.

BodeständiX

@Antoine: Doch, doch... so ein Magenband würde wohl Wunder wirken. Wenn die Selbstbemeisterung fehlt, kommen äussere Einschränkungen dran! Ganz bestimmt.

Copyright 2007- : BodeständiX

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