Hebeljahr - die Urbanen finden's dégoûtant
Ich nehm' mal an, dass auch meine BlogleserInnen diesen Dichter kennen: Johann Peter Hebel:
Der wohl berühmteste alemannische Mundartdichter, ist am 10. Mai 1760 in Basel zur Welt gekommen und hat dort auch einen Grossteil seiner Kindheit verbracht. Mit 14 Jahren zog er dann nach Karlsruhe, wo er sich 1791, mit 31 Jahren, schliesslich langfristig niederliess. In Basel ist der Dichter insbesondere bekannt für die Hymne der Stadt "Z'Basel an mym Rhy", deren Text er verfasste (vertont wurde das Gedicht übrigens vom deutschen Komponisten Franz Abt, 1819-1885). Illustre Namen wie Johann Wolfgang von Goethe, Leo Tolstoi und Gottfried Keller bewunderten den Dichter auch für seine alemannischen Gedichte sowie für seine zahlreichen Kalendergeschichten.In diesem Jahr wird an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg das Hebeljahr 2010 begangen, weil sich eben 2010 der 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel (10. Mai 1760 bis 22. September 1826) jährt.
Und nun komme ich zum nicht so Erstaunlichen: Basel hält sich "vornehm" bei der Organisation von Anlässen zurück. Immerhin macht der Bruderkanton Baselland eine klitzekleine Veranstaltung. Das Dichtermuseum in Liestal veranstaltet nämlich eine Reihe, in deren Zentrum Hebel steht.
So ist es halt in der lieben Schweiz: Alles, was nur ein bisschen nach "Volkskultur" riecht, und Johann Peter Hebel kann man durchaus als "Volksdichter" bezeichnen, darüber wird vornehm die Nase gerümpft. Man ist schliesslich urban-modern und solche überholten, ja reaktionären Ansichten eines "Volksdichters" kann der fortschrittsgläubige Urbane (bitte selbständig auch die weibliche Form hinzufügen) auch gar nicht goûtieren.
Ich persönlich schätze Johann Peter Hebel und greife gerne zu seinen alemannischen Gedichten, Kalendergeschichten, Anekdoten und Schwänke. Wer nicht im Besitze von Hebel-Büchern ist, dem empfehle ich hiermit das Projekt Gutenberg.
Ein wunderbares Gedicht über den Winter:
Der Winter
Isch echt do obe Bauwele feil?
Sie schütten eim e redli Theil
in d'Gärten aben un ufs Hus;
es schneit doch au, es isch e Gruus;
und 's hangt no menge Wage voll
am Himmel obe, merki wol.
Und wo ne Ma vo witem lauft,
so het er vo der Bauwele gchauft;
er treit si uf der Achsle no,
und uffem Hut, und lauft dervo.
Was laufsch denn so, du närsche Ma?
De wirsch sie doch nit gstohle ha?
Und Gärten ab, und Gärten uf,
hen alli Scheie Chäpli uf.
Sie stöhn wie großi Here do;
sie meine 's heigs sust niemes so.
Der Nußbaum het doch au si Sach
und 's Here Hus und 's Chilche-Dach.
Und wo me luegt, isch Schnee und Schnee,
me sieht ke Stroß un Fueß-Weg meh.
Meng Soome-Chörnli, chlei und zart,
lit unterm Bode wohl verwahrt,
und schnei's, so lang es schneie mag,
es wartet uf si Ostertag.
Meng Summer-Vögli schöner Art
lit unterm Bode wohl verwahrt;
es het kei Chummer un kei Chlag
und wartet uf si Ostertag;
un gangs au lang, er chunnt emol,
un sieder schlofts, und 's isch em wohl.
Doch wenn im Frühlig 's Schwälmli singt
und d'Sunne-Wärmi abe dringt,
Potz tausig, wacht's in iedem Grab,
und streift si Todte-Hemdli ab.
Wo nummen au ne Löchli isch,
schlieft 's Leben use, jung und frisch. -
Do fliegt e hungrig Spätzli her!
e Brösli Brod wär si Begehr.
Es luegt ein so erbärmli a;
's het sieder nechte nüt meh gha.
Gell Bürstli, sell isch anderi Zit,
wenn 's Chorn in alle Fuhre lit?
Do hesch! Loß andern au dervo!
Bisch hungerig, chasch wieder cho! -
's muß wohr sy, wie 's e Sprüchli git:
"Sie seihe nit, und ernde nit;
sie hen kei Pflug, und hen kei Joch,
und Gott im Himmel nährt si doch."











