Mittwoch, 31. März 2010
Dienstag, 30. März 2010
Achtung Blogger
Blogger werden von der Politik gerne unterschätzt (möglicherweise wissen die gar nicht, was ein Weblog ist), doch der Einfluss wird grösser... Beitrag lesen
Deutsche Blogger mischen (endlich) die Politik auf... Beitrag lesen
Und in der Schweiz, in Österreich???
Apropos Politik (Macht): Unbedingt auch diesen Beitrag lesen: HIER
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Themen: Utopisches, Zeitgeistiges
Sonntag, 28. März 2010
Sommerzeit und Demokratie
Leben wir in einer Demokratie?
- Weshalb wurden gestern Nacht wiederum die Uhren auf "Sommerzeit" durchgestellt?
Nein, wir haben keine Demokratie. Bei jeder Umfrage (europaweit!) sind 80 bis 90 Prozent gegen die Zeitumstellung, und das schon seit langem. Es ist längst erwiesen, dass diese Zeitumstellung nur Nachteile, keine Vorteile mit sich bringt. Würden wir also in einer Demokratie leben, dann könnte es die Zeitumstellung nicht mehr geben.
PS: Die Schweizer StimmbürgerInnen haben übrigens anfangs der 80er Jahre die Einführung der "Sommerzeit" mit wuchtiger Mehrheit abgelehnt...
von BodeständiX 3 Kommentare
Themen: Zeitgeistiges
Donnerstag, 25. März 2010
Datensammlung ohne Ende
Ein weiterer nicht unwesentlicher Punkt, sich aus Facebook & Co. zu verabschieden:
Datensammlung ohne Ende
von BodeständiX 3 Kommentare
Themen: Unkulturelles
Was in der Zeitung steht
Es steht so viel geschrieben. Auch heute, gestern schon und morgen ganz gewiss:
Was in der Zeitung steht
Wie jeden Morgen war er pünktlich dran,
Die Kollegen sah‘n ihn fragend an:
„Sag mal, hast du noch nicht geseh‘n, was in der Zeitung steht?“
Er schloß die Türe hinter sich,
Hängte Hut und Mantel in den Schrank, fein säuberlich,
Setzte sich, „na, woll‘n wir erst mal seh‘n, was in der Zeitung steht!“
Und da stand es fett auf Seite zwei:
„Finanzskandal!“, sein Bild dabei
Und die Schlagzeile: „Wie lang das wohl so weitergeht?!“
Er las den Text, und ihm war sofort klar:
Eine Verwechslung, nein, da war kein Wort von wahr,
Aber, wie kann etwas erlogen sein, was in der Zeitung steht?
Er starrte auf das Blatt, das vor ihm lag,
Es traf ihn wie ein heimtückischer Schlag,
Wie ist es möglich, daß so etwas in der Zeitung steht?
Das Zimmer ringsherum begann sich zu dreh‘n,
Die Zeilen konnte er nur noch verschwommen seh‘n,
Wie wehrt man sich nur gegen das, was in der Zeitung steht?
Die Kollegen sagten, „Stell dich einfach stur!“
Er taumelte zu seinem Chef, über den Flur:
„Aber, selbstverständlich, daß jeder hier zu Ihnen steht!
Ich glaub‘, das beste ist, Sie spannen erst mal aus,
Ein paar Tage Urlaub, bleiben Sie zu Haus‘,
Sie wissen ja, die Leute glauben gleich alles, nur weil‘s in der Zeitung steht.“
Er holte Hut und Mantel, wankte aus dem Raum,
Nein, das war Wirklichkeit, das war kein böser Traum,
Wer denkt sich sowas aus, wie das, was in der Zeitung steht?
Er rief den Fahrstuhl, stieg ein und gleich wieder aus,
Nein, er ging doch wohl besser durch das Treppenhaus,
Da würd‘ ihn keiner sehn, der wüßte, was in der Zeitung steht!
Er würde durch die Tiefgarage geh‘n,
Er war zu Fuß, der Pförtner würde ihn nicht seh‘n,
Der wußte immer ganz genau, was in der Zeitung steht.
Er stolperte die Wagenauffahrt rauf,
Sah den Rücken des Pförtners, das Tor war auf,
Das klebt wie Pech an dir, das wirst du nie mehr los, was in der Zeitung steht.
Er eilte zur U-Bahn-Station,
Jetzt wüßten es die Nachbarn schon,
Jetzt war‘s im ganzen Ort herum, was in der Zeitung steht.
Solange die Kinder in der Schule war‘n,
Solange würden sie es vielleicht nicht erfahr‘n,
Aber irgendwer hat ihnen längst erzählt, was in der Zeitung steht.
Er wich den Leuten auf dem Bahnsteig aus, ihm schien
Die Blicke aller richteten sich nur auf ihn,
Der Mann im Kiosk da, der wußte Wort für Wort, was in der Zeitung steht.
Wie eine Welle war‘s, die über ihm zusammenschlug,
Wie die Erlösung kam der Vorortzug!
Du wirst nie mehr ganz frei, das hängt dir ewig an, was in der Zeitung steht.
„Was woll‘n Sie eigentlich?“ fragte der Redakteur,
„Verantwortung, Mann, wenn ich das schon hör‘!
Die Leute müssen halt nicht alles glauben, nur weil‘s in der Zeitung steht!
Na schön, so ‘ne Verwechslung kann schon mal passier‘n,
Da kannst du auch noch so sorgfältig recherchier‘n,
Mann, was glauben Sie, was Tag für Tag für‘n Unfug in der Zeitung steht!“
„Ja“, sagte der Chef vom Dienst, „da ist wirklich zu dumm
Aber ehrlich, man bringt sich doch nicht gleich um,
Nur weil man aus Verseh‘n was in der Zeitung steht.“
Die Gegendarstellung erschien am Abend schon
Fünf Zeilen, mit dem Bedauern der Redaktion,
Aber Hand aufs Herz, wer liest, was so klein in der Zeitung steht?
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Themen: Alltägliches
Dienstag, 23. März 2010
Killerspiele und "Moderne E-Musik"
Im Jahre 1985 zelebrierte die Kulturelite Europas das "Europäische Jahr der Musik" und ich fasste damals den Auftrag, das adhoc zusammengestellte Europäische Jugendorchester durch Europas Städte zu manövrieren. Inklusive Probezeit waren wir gegen zwei Monate unterwegs. Chefdirigent war übrigens der gleichaltrige Mario Venzago. Vorgängig zu dieser Europatournee veranstaltete die EMU (Europäische Musikschulunion) einen Komponisten-Wettbewerb und das Jugendorchester hatte das "Vergnügen", die beiden erstplatzierten Kompositionen zu spielen. Was war das doch für ein Höllenspektakel. Mario Venzago verriet mir schon während der Probezeit, dass es für ihn höchste Pein bedeute, die Jugendlichen mit diesen Stücken zu quälen. Auch ich hatte daran zu beissen. Mich grauste dieser Brei disharmonischer Töne, meine Rückenhaare stellte es mir auf und ich betete insbrünstig zu allen Göttern, mir diese Höllenpein zu ersparen. Sie erhörten mich nicht. Und die Jugendlichen? Die waren nach einer solchen Probe total aggressiv und ich hatte alle Hände voll zu tun, damit das Ganze nicht ausartete - bei immerhin über 120 Jugendlichen.
Jüngst las ich nun mit grossem Entzücken einen Kommentar auf einen Blogbeitrag von Christian Henner-Fehr, der das "Phänomen Moderne E-Musik" m.E. aufs Trefflichste karikiert:
Klassische Musik wurde für Menschen geschrieben. Moderne (E-Musik) wurde hauptsächlich geschrieben, um den Terror des Krieges zu verarbeiten und darzustellen. Der Rest hat sich mit Experimenten beschäftigt, im Glauben, irgendwann würden die Menschen diese Musik verstehen können. Es ist aber kein Verstehen der Modernen Musik eingetreten. Und wenn man ehrlich ist, dann ist moderne Musik gar keine Musik, sondern angsteinflößender Krach. Moderne Musik schlägt dem Hörer mit voller Kraft eine Abwertung des Menschen um die Ohren, dass man sich nicht wundern muss, dass die Hörer und Enkel dieser Musik zu allem fähig sind.Wir brauchen also keine Killerspiele mehr. Es genügt, die Kids mit dieser Art von Musik im Musikunterricht zu quälen, sie damit aggressiv zu machen. Deshalb liebe Förderkraten: Pumpt noch mehr Geld in diese "Moderne E-Musik". Es braucht dann keine Killergames-Verbote mehr. Garantiert.
Vielleicht gibt es im amerikanischen Raum Moderne Musik, die man hören kann. Aber die europäische Moderne samt 12 Tonmusik ist Tierquälerei. Jetzt willst du diesen Lärm mehr den jugendlichen vermitteln, die sowieso schon mit einem Messer in die Schule gehen. Glaubst du, irgendein Jugendlicher, der erst das Abitur macht, später studiert und dann, weil er nur Durchschnitt ist, keine Stelle bekommt, glaubst du, der wird zur Entspannung und zum seelischen Ausgleich 12 Tonmusik vor sich hinkreischen und neue Klangeffekte, wie zerbrochenes Glas und Totengeheul ausprobieren wollen?
Ganzen Beitrag lesen: HIER
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Themen: Unkulturelles
Die gleiche heisse Luft wie unser Finanzsystem
Klammheimlich habe ich vor ca. 5 Wochen meinen Social-Media-Mix (Twitter, Facebook etc.) ins Nirwana befördert.
Bringt nichts. Kostet nur wertvolle Lebenszeit. Ist die gleiche heisse Luft wie unser Finanzsystem. Weg damit.Dass ich wohl nicht der Einzige bin, dem solches durch die grauen Hirnzellen strömte, beweist stellvertretend für viele andere Bekenntnisse dieser Beitrag. Also dann: Mich trifft man nur noch persönlich, per E-Mail, am Telefon und natürlich hier im Blog.
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Themen: Virtuelles
Montag, 22. März 2010
So lösen wir die Schuldenkrise
Probleme, Probleme! Europa ist in Gefahr. Wir werden alles verlieren. Es gäbe allerdings eine recht einfache Lösung aller Probleme:
Wir müssen die faulen Geldsammler dringend enteignen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Hier gelesen: Schule für Lebenskunst
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Themen: Politisches
Sonntag, 21. März 2010
Historische Musikaufnahmen online verfügbar
Das britische Centre for the History and Analysis of Recorded Music (Charm) macht eine Fülle hoch interessanter historischer Musikaufnahmen, die bis ins Jahr 1914 zurückreichen, unentgeltlich online verfügbar.
Das Charm-Archiv umfasst mehr als 500 Audiodateien, die entweder im MP3-Format online abgehört oder als Flac-Datei heruntergeladen werden können. Viele davon sind Teil des Projektes «Musicians of Britain and Ireland, 1900-1950».
Unter den Aufnahmen finden sich Perlen wie eine Wiedergabe von «Rhapsody in Blue» durch Mischa Spoliansky und das Julian Fuchs Symphony Orchestra aus dem Jahr 1927 oder Chopin-Interpretationen aus den 1910er- und 1920er-Jahren mit Eileen Beattie, Alfred Cortot, Mark Hambourg, Isolde Menges und Irene Scharrer.
Mehr Infos: www.charm.kcl.ac.uk
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Themen: Hochwertiges
Donnerstag, 18. März 2010
Der (geplante) Flughafen in Utzenstorf
Was wäre wohl passiert, wenn dieser schweizerische Grossflughafen Mittelland in Utzenstorf realisiert worden wäre? Dank des Widerstandes der örtlichen Bauern ist die einmalige Landschaft in Utzenstorf - übrigens die Kornkammer des Kantons Bern - immer noch intakt. Damit blieb ein Stück Land bis heute erhalten, wie es in diesen Dimensionen im Mittelland kaum mehr zu finden ist.
Im gestrigen Beitrag von SCHWEIZ AKTUELL (Filmbeitrag s. unten) wurde schnell klar, weshalb dieses Grossprojekt keine Chance in Utzenstorf hatte, obwohl damals die Berner Regierung alles daran setzte, um in der Ebene bei Utzenstorf dieses Riesending zu verwirklichen. Das Gelände erfüllte nämlich alle flugtechnischen Anforderungen und zeichnete sich aufgrund der Lage im Zentrum des schweizerischen Mittellandes und in unmittelbarer Nähe der Ost-West-Hauptverkehrsachsen durch eine gute Erreichbarkeit aus.
Der Flächenbedarf belief sich auf 309 Hektaren, davon 132 Hektaren Wies- und Ackerland und 177 Hektaren Wald. Die Hartbelagflächen umfassten rund einen Drittel des gesamten Flughafenareals, der Rest hätte weiterhin extensiv genutzt werden können. Die Verwirklichung der Anlage erforderte zudem den Abbruch eines Bauernhofes, die Aufhebung zahlreicher Flurwege und die Überdeckung eines kleinen Fliessgewässers. Anstelle der bestehenden Verbindungsstrasse Kirchberg–Utzenstorf sollte eine neue Strasse das Flughafenareal westlich umfahren.
Die Hauptpiste von 2800 x 75 Metern sollte parallel zur häufigsten Windrichtung angelegt und mit einem Instrumentenlandesystem ausgerüstet werden. Für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs bei Querwindlagen waren drei Nebenpisten von je 1700 x 75 Metern vorgesehen.
Im Mittelpunkt befand sich der Kontrollturm, von dort folgten in südöstlicher Richtung ein Verwaltungsgebäude, ein Passagierterminal,daran angebaut ein Hotel- und Restauranttrakt und in einiger Entfernung schliesslich drei diagonal angeordnete Werkbauten. Parallel zur Hauptpiste waren vom Zentrum nach aussen ein Garagentrakt, ein Frachtterminal, ein Flugzeughangar und eine Werfthalle aufgereiht.
Bemerkenswert, weil in dieser Zeit unüblich, war der Anschluss an das Eisenbahnnetz: Eine Gleisverbindung führte von der Emmequerung bei Aefligen an der Strecke Burgdorf–Solothurn zum geplanten Kopfbahnhof vor dem Aufnahmegebäude. Geradezu revolutionär war der Gleisanschluss des Frachtterminals. Für eine bessere bahnseitige Erschliessung aus westlicher Richtung war nämlich der Bau eines Verbindungsgleises zwischen Lyssach und Aefligen vorgesehen.
Aus: Simon Bratschi, Wunschtraum und Wirklichkeit - Flughafenprojekte vom zweiten Weltkrieg bis heute
Hier der Filmbeitrag des Schweizer Fernsehens (SCHWEIZ AKTUELL) vom 17.3.2010: Mega-Vision: Der Kanton Bern plante einen Grossflughafen:
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Themen: Utopisches
Mittwoch, 17. März 2010
Das Axelrod-Experiment
Eines der Modeworte unserer Zeit ist Strategie. Unternehmen suchen nach ihren Erfolgsstrategien. Aufsteiger suchen nach ihrer Karrierestrategie. Parteien entwickeln ihre Wahlstrategie. Das Wort Strategie kommt aus der Sprache der Kriege. Bei der Frage nach der Strategie geht es um die Frage: Wie kann ich den Gegner besser besiegen?
Ist die richtige Strategie dafür entscheidend, ob das Leben gelingt, oder geht es doch um mehr? Eher um die richtige Lebensphilosophie und die richtigen Werte?
Kann man gegen raffinierte Strategien mit starken Werten und einer starken Philosophie überhaupt ankommen? Lohnt es sich Werte zu haben, oder ist dieses in unserer Welt blauäugiges "Geschwätz" von Moralpredigern und Werteaposteln? Gibt es auch zu dieser Frage eine Antwort, die nicht auf Morallehren gründet und nicht auf hehren Erziehungsleitsätzen?
Ja, es gibt sie! Das ist das viel zu wenig bekannte Axelrod-Experiment. Seit den 50er Jahren gibt es die sogenannte Spieltheorie. Begründet von John Neumann und Oskar Morgenstern.
Die beiden Begründer leben nicht mehr, aber drei Wissenschaftler, die die Spieltheorie weiterentwickelt haben, wurden vor zwei Jahren mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Darunter als erster Deutscher Reinhard Selten, Bonn.
Die Spieltheorie stellt die Frage: Welche Verhaltensweisen sind erfolgreicher? Welche zahlen sich besser aus?
Im Rahmen der Entwicklung der Spieltheorie hat im Jahre 1979 ein amerikanischer Politik-Wissenschaftler namens Robert Axelrod ein hochinteressantes Experiment durchgeführt. Er hat unter Spieltheoretikern ein Turnier von Computerprogrammen ausgeschrieben, wer wohl die erfolgreichste Strategie findet, die sich am besten auszahlt. Alles war möglich. Raffinierte Spielstrategien, offene oder solche, bei denen die Karten nicht offengelegt wurden. Es gab nur ein Ziel: Auszahlungserfolg.
15 Programme mit jeweils unterschiedlichen Strategien traten in der ersten Runde gegeneinander an. Einer der Teilnehmer war der Mathematiker und Systemtheoretiker Anatol Rapoport aus Toronto. Er hatte das kürzeste und simpelste Programm geschrieben und nannte es "Tit for Tat". Das Programm hatte vier Regeln:
1.) Ich spiele offen. Ich habe keine geheimen Regeln in der Hinterhand.
2.) Ich spiele immer auf Kooperation, suche Zusammenarbeit und die gemeinsame Optimierung des Nutzens.
3.) Wenn mich einer, weil ich "so nett" spiele, ausnutzen will, schlage ich unverzüglich zurück.
4.) Aber ich bin nicht nachtragend. Schon in der nächsten Runde spiele ich wieder auf Kooperation.
Ich bin also rasch im Vergelten und rasch im Vergeben. Die Runde wurde gespielt, Anatol Rapoport hatte die größte Auszahlung. Das war eine Überraschung. Axelrod veröffentlichte die Analyse dieses Spiels und lud zu einem zweiten Turnier ein.
Die Zahl der Teilnehmer wuchs. Diesmal wollten auch Wirtschaftswissenschaftler, Mathematiker, Ingenieure, Biologen und Computerfreaks mitmachen. Es traten 26 Programme gegeneinander an. Anatol Rapoport blieb bei seiner simplen Strategie. Bei den anderen wuchs der Ehrgeiz. Sollte es denn nicht möglich sein, diese "gutmütige" Strategie zu besiegen? Anatol Rapoport gewann auch das zweite Turnier. Daraufhin entwarf Axelrod eine neue Turniervariante. Er unterwarf die einzelnen Programme einem evolutionären Selektionsprozess. Er simulierte die Wirkung einer natürlichen Auslese in seinem Computer. Die erfolgreicheren Programmvarianten konnten sich stärker vermehren. Die erfolgloseren starben aus. Jetzt setzte sich Rapoports "Tit for Tat"-Strategie sofort an die Spitze und baute ihren Vorsprung aus. Besonders interessant dabei war, dass die Strategien, die auf die rücksichtslose Ausbeutung der Schwächeren setzten, sich anfangs vielversprechend vermehrten, dann aber untergingen. Ausbeutung brachte also kurzfristige Erfolge. Langfristige nicht.
Dieses Axelrod-Experiment kann gar nicht genug bekannt gemacht werden. Es müsste Bestandteil des Schulunterrichts sein, jeder Gemeinschaftskunde und jedes Religionsunterrichts. Das Ergebnis ist dramatischer, als jede Moralpredigt sein kann: Die beste Strategie im Leben heißt: Offen spielen, Zusammenarbeit suchen, kooperativ arbeiten, den gemeinsamen Nutzen fördern. Dies aber gepaart mit dem Signal, dass Kooperation nicht Schwäche ist und dass man jemanden, der so "gutmütig" spielt, nicht aufs Kreuzlegen kann.
Axelrod selbst schreibt in seiner Ergebnisanalyse den Satz: "Sogar Strategie-Experten aus den politischen Wissenschaften der Soziologie, Ökonomie, Psychologie und Mathematik machten systematisch die Fehler, zu wenig kooperativ für ihren eigenen Vorteil zu sein, zu wenig zu geben und zu pessimistisch hinsichtlich der Reaktionsmöglichkeiten der anderen Seite zu sein." Ich bin überzeugt: Die Wertedebatte kann und muss auf einer neuen system-theoretisch naturwissenschaftlichen Ebene geführt werden. Es gibt begründbare Werte, die jenseits aller intellektuellen Beliebigkeit stehen, wie sie das Gedeihen des Lebens in Fülle und Vielfalt fördern.
Quelle: "Lübecker Nachrichten 3./4. Oktober 1997
von: Dr. Manfred Sliwka, Unternehmensberater aus der Vulkaneifel, ist Mitglied des "Club of Vienna", der Ursachen von Wachstumsprozessen untersucht.
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Themen: Weltanschauliches
Mit Geld kann man kaufen
Ein Bett - aber keinen Schlaf
Bücher - aber keine Weisheit
Essen - aber keinen Appetit
Schmuck - aber keine Schönheit
Häuser - aber keine Gemeinschaft
Medizin - aber keine Gesundheit
Luxusartikel - aber keine Freude
Allerlei - aber kein Glück
Sex - aber keine Liebe
Sogar eine Kirche, aber niemals den Himmel
Quelle leider unbekannt.
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Themen: Weltanschauliches
Montag, 15. März 2010
Wer etwas bewegen will, kaufe sich einen Kinderwagen
Dass sich der Jodlerverband aus Gründen des demokratischen Mittelmasses nicht für andere "Jodel-Sichtweisen" erwärmen kann, sollte einleuchten. Beispielsweise regte sich anno 1994 heftigster Widerstand aus seinen Kreisen, als sich Christine Lauterburg zu einem Freundschaftspreis für einen Auftritt im Kornhaus Burgdorf (Haus der Volkskultur) gewinnen liess. Nach dem Dikat des Verbandspräsidenten musste sie wieder ausgeladen werden. Das schlug damals in den Medien - nicht nur in der Schweiz - ziemlich hohe Wellen. Genau zehn Jahre später habe ich sie im Kornhaus Burgdorf auftreten lassen - ohne Nebengeräusche notabene.
Nun prangt sie also auf dieser Jubiläumsbriefmarke und die Wellen gehen hoch. Ich selber würde es begrüssen, wenn auch KünstlerInnen wie eben Christine Lauterburg im Jodlerverband Platz hätten. Doch dieser Verband - wie auch der "Verein Schweiz" - sträubt sich gegenüber jeglicher Bewegung:
Doch wer tatsächlich etwas bewegen will in seinem Leben, kaufe sich lieber einen Kinderwagen für den Sonntagsspaziergang. Denn das Gesetz der Politik/Verbände lautet nicht „bewegen“ sondern „ausharren“. Wer lange genug ausharrt, erlebt dies als Bewegung. Weil dieser und jener Weggefährte auf der Strecke bleibt. Verharren als Bewegung erleben, ist der ultimative Kick für einen Politiker/Verbändsfunktionär...
Aufgepickt bei arlesheimreloaded.ch
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Themen: Jodlerisches, Volkskulturelles
Sonntag, 14. März 2010
Als die Bilder laufen lernten...
Ein nettes "Rezeptchen" gegen kindliche Langeweile:
(reload vom 15.2.2008)
Manchmal ereilt mich das Ungemach, dass ich mich ungebührlich lange der Flimmerkiste aussetze. Eigentlich geschieht solches immer dann, wenn ich mich müde, ein bisschen ausgelaugt fühle und deshalb keine Lust verspüre, mich zu bewegen - geistig wie körperlich. Also genau im Zustand der Passivität und deshalb dankbares Aufnahmegefäss für allerlei wirres Fernsehzeug bin. Mein entsprechendes Träumen danach und das mich daran Erinnern zeigen mir allemal deutlich, welche destruktive Macht solche schnellaufenden Bilder und Schnitte auf mein Nervenkostüm haben können.
Ich selbst bin ohne Fernsehgerät aufgewachsen. Meine Eltern lehnten eine solche Kiste rundwegs ab. Sie meinten, und dies wohl nicht zu unrecht, dass ein Fernseher den Familiensinn und -zusammenhalt kaputt mache.
Im Gegenzug bin ich ein begeisterter Radiohörer gewesen und ich konnte es kaum erwarten, bis endlich Abend wurde und ich mir die entsprechenden Sendungen anhören durfte. Da gab es mehrteilige abenteuerliche Hörspiele, Märchenstunden mit der legendären Trudy Gerster, informative Tiersendungen direkt aus dem Zoo Basel mit dem damals nicht minder legendären Carl Stemmler, und, und, und...
Ich vermisste die laufenden Bilder der Glotzkiste nie. Ich produzierte sie mir beiläufig beim Radiohören wie beim Lesen als bildhaftes Erleben in mir selbst.
Mein Patenkind war letzthin für ein paar Tage bei mir zu Besuch. Er ist gerade in äusserst schwierigen Lebensumständen. Er pubertiert. Trotzdem: Seine liebste Beschäftigung ist nach wie vor, den abenteuerlichen Geschichten seines Göttis zu lauschen, ihn auch mit Fragen zu löchern. Die Fernsehkiste läuft übrigens in diesen Besuchszeiten nie...
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Themen: Alltägliches
Samstag, 13. März 2010
Jodeln - der Schweizer Nationalgesang
Dieses Jahr kann der Eidgenössische Jodlerverband sein 100jähriges Bestehen feiern. Grund genug, um dem Verbandsjodeln einen eigenen Beitrag zu widmen. Wir SchweizerInnen haben da nämlich eine Volkskunst, um die uns das Ausland beneidet.
v.l.n.r. Oskar Schmalz, Albert Gut, Ernst Flückiger
Das Jodeln gilt als typische Singweise des Alpenraums. Es ist aber keineswegs auf Europa oder die Bergregionen beschränkt. Auch in den Steppen Zentralasiens, den Tropenwäldern Afrikas und in der ozeanischen Inselwelt ist diese Gesangstechnik gebräuchlich. Wie alt das Jodeln jedoch ist, lässt sich nicht sagen. Ich vermute, seine Anfänge reichen weit zurück in die Frühgeschichte der Menschheit. Allerdings ist es mir nicht möglich, diese Vermutung zu untermauern. Es fehlt an archäologischen Zeugnissen oder an Berichten, die uns darüber informieren könnten.
Das Alter des (organisierten) Verbandsjodelns in der Schweiz lässt sich jedoch auf exakt 100 Jahre beziffern. 1910 wurde nämlich auf Initiative des bernischen Jodlervaters Oskar Friedrich Schmalz die Schweiz. Jodlervereinigung gegründet, aus der 1932 der Eidg. Jodlerverband hervorging. Diese Gründung war zugleich eine Kampfansage gegen die "leidige Tyrolersingerei" und die Aufforderung zur „Pflege eines schweizerischen Jodelgesanges“.
Obwohl in der alpinen und voralpinen Schweiz seit jeher gejodelt wurde, galt das Jodeln – heute unbestritten der Schweizer Nationalgesang – bis nach 1900 allgemein als typische Tiroler Spezialität. In Europa zogen seit Jahrzehnten so genannte Tiroler Sängergruppen durch die Konzertsäle und Varietés und gaben in folkloristischer Aufmachung Jodelgesänge zum Besten. Auch in der Schweiz hatten die Tiroler Jodlergruppen Erfolg. Nach ihrem Vorbild begannen immer mehr Schweizer als so genannte „Nationalsänger“ aufzutreten und in bunten Fantasiekostümen die Tiroler Salonjodler zu imitieren. Städter und Touristen erfreuten sich an dieser Pseudofolklore.
Ein grosses Problem galt es für den jungen Verband zu lösen. Es fehlte eindeutig an Jodelliteratur. Dieses Dilemma löste wiederum der bereits erwähnte Schmalz mit dem anno 1913 veröffentlichten ersten Band seiner Jodelchorlieder. Er schuf damit endlich jene gesuchte Gattung einer spezifisch schweizerischen Liedform, die sich auch im Chor singen liess. Schmalz, selber ein hervorragender Jodler, versah alte Volkslieder mit eigenen Jodelteilen oder erfand selber neue, einfache Lieder, denen er bestehende oder eigene Jodel anhängte.
Ein solches Jodellied zerfällt in der Regel in den Lied- und Jodelteil. Dies trifft sowohl beim Chorlied als auch beim Solo- und Duettlied zu. Dem Liedteil liegt eine zwei-, drei- oder mehrteilige, dem Jodel meist eine zweiteilige Form zugrunde. Die Chorlieder sind durchwegs vierstimmig gesetzt, der Jodelpart fünf- bis sechsstimmig. Die auf Dur-Harmonie aufgebauten Melodien finden gelegentlich auch Ausweitungen nach den Moll-Harmonien der zweiten oder sechsten Stufe. Die Jodellieder sind grundtönig, die Harmonie baut auf die I., IV. und V. Stufe auf mit Übergängen zu den Tonarten der Dominante und Subdominante. Die Melodien zeichnen sich meist aus durch einfache Thematik, jedoch mit viel lyrischer und dramatischer Ausdruckskraft. Rhythmisch sind sie einer bestimmten Metrik verhaftet und dem "Volksempfinden" angepasst. Die Stimmenführung ist natürlich, einprägsam. In vielen Liedern wird die schlichte Homophonie durch thematische Gegenüberstellungen und Versetzungen aufgelockert.
Heute pflegen übrigens gegen achthundert Jodlerklubs das Jodellied und wenn wir SchweizerInnen unsere geheime Liebe fürs Jodeln auch selbstbewusst im Aussen zeigen, der Jodlerverband sich jedoch auch ein bisschen mehr öffnet, wird des Jodlerwesen mindestens weitere hundert Jahre Bestand haben. Garantiert.
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Themen: Jodlerisches, Volkskulturelles
Freitag, 12. März 2010
Wird BodeständiX in Wien zum Alchimisten?
Bald werde ich meine Blogartikel von hier aus schreiben:
Am noch leeren Pult (links im Bild) werde ich also meinen Computer installieren und weiterhin bodeständix (nun) aus Wien bloggen. Ein ganz gestrenger Herr wird mich vis-à-vis beständig beobachten (Foto leider nicht in hoher Qualität):
Ich habe mich darüber schlau gemacht, dass dieser Herr um 1850 Präsident der österreichischen Nationalbank gewesen ist (die österreichische Nationalbank wurde 1816 als „privilegirte oesterreichische National-Bank“ in der Rechtsform einer privaten Aktiengesellschaft gegründet). Das Leben hält doch immer wieder ironische Schmankerl für BodeständiX bereit.
Auch das Haus, in dem ich inskünftig wohnen werde, hat eine spannende Geschichte. Mich wunderte schon immer, was wohl die Tafel mit der Inschrift "Zum-Küss-den-Pfennig" zu bedeuten hat und liess mich darüber aufklären, dass hier Paracelsus (auch ein Schweizer!) um das Jahr 1514 wohnte und seinem ungestüm fordernden Wirt einen schlechten Pfennig in eitles Gold verwandelt haben soll. Der Herbergsvater war darob so entzückt, dass er den Pfennig küsste, wovon sein Haus den Namen "Zum-Küss-den-Pfennig" erhielt:
Der teure Theophrast, ein Alchimist vor allen,Siehe dazu auch Küssdenpfennig-Haus.
Kam einst in dieses Haus und konnte nicht bezahlen
Die Zech, die er genoss. Er traute seiner Kunst,
Mit welcher er gewann viel grosser Herrn Gunst.
Ein sicheres Gepräg von schlechtem Wert er nahm,
Tingierte es zu Gold; der Wirt von ihm bekam
Dies glänzende Metall. Er sagt, nimm diesen hin;
Ich zahl ein mehreres, als ich dir schuldig bin.
Der Wirt ganz ausser sich bewundert solche Sache,
Den Pfennig küsse ich, zu Theophrast er sprach.
Von dieser Wundergschicht, die in der Welt bekannt,
Den Namen führt dies Haus, zum Küssenpfennig genannt.
Vielleicht gelingt mir dieses alchimistische Kunststück ja auch...
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Themen: Alltägliches
Donnerstag, 11. März 2010
Über das Wesen der Bürokratie
(reload vom 14.1.2008)
Weshalb begehren denn nur die meisten Kunst- und Kulturschaffenden gegen den Begriff 'Kulturbürokratie' auf? Fühlen sie sich persönlich angegriffen, weil sie meinen, ich missgönne ihnen die Fördergelder? Dem ist nicht so. Damit sich Kunst in einem kulturfreundlichen Klima entwickeln kann, bedarf es wahrlich Gelder. Ich möchte eigentlich mit dem Begriff 'Kulturbürokratie' lediglich die Widersprüchlichkeit an sich antippen, wenn das uns geläufige staatliche Modell behauptet, Kunst fördern zu können. Was ist die primäre Aufgabe der Staatsbürokratie?
Die Wahrnehmung von Verwaltungstätigkeiten im Rahmen festgelegter Kompetenzen innerhalb einer festen Hierarchie.Beim positiv besetzten Bürokratiebegriff des Soziologen Max Weber (Wirtschaft und Gesellschaft, 1921/22) verhindert die Bürokratie die Bevorzugung oder Benachteiligung Einzelner in Form von willkürlichen Entscheidungen, weil sich alle an die gleichen und rational begründeten Spielregeln, bzw. Gesetze halten müssen. Dies könnte durchaus als Argument für eine staatliche Kulturförderung herhalten. Doch Kunst ist mehr als beispielsweise das Verfügen von Steuern. Kunst kann sich gerade nicht wegen rational begründeter Spielregeln (Reglementierung) entfalten. Die Kunst hat auch ihre Spielregeln. Die sind jedoch nur kunstbedingt zu verstehen.
Es geht mir, ich wiederhole mich, beileibe NICHT um die Abschaffung von Kulturförderung. Es geht mir nur darum, aufzuzeigen, dass ein staatliches Fördermodell in sich nicht funktionieren kann, weil sich staatliche Bürokratie und Kunst definitionsgemäss ausschliessen müssen.
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Themen: Förderkratisches
Mittwoch, 10. März 2010
Sie macht uns sehend
(reload vom 24.3.2009)
Jetzt, wo das schöne "Anything goes" am Zusammenkrachen ist, kann man ganz zaghaft ein Nachfragen der bereits totgeglaubten, mindestens jedoch geächteten Begriffe "Heimat", "Tradition" und "kulturelle Identität" vernehmen. Diese Begriffe sind natürlich in Zeiten beliebiger Austauschbarkeit ein Anachronismus. Im (nun endenden) postindustriellen Zeitalter zählen nämlich "Flexibilität" und "Mobilität". Mobil sind dabei vor allem die Arbeitsplätze, die schneller ausser Landes verschwinden, als die Statistiker subtrahieren können.
Kann vielleicht in naher Zukunft die oft geschmähte Volkskultur angesichts der vorherrschenden Verunsicherung eine entscheidende Rolle spielen, gerade weil sie auf die Wurzeln unserer Herkunft und Tradition zurückgreift? Gewinnt die Volkskultur wieder an Bedeutung, weil etwa die wirtschaftliche Identität ins Wanken gerät? Ich meine schon. Denn die kulturelle Identität ist jene, die übrig bleibt, wenn die anderen Identitäten in die Krise geraten: Die Politik, die Wirtschaft, die Umwelt.
Vielleicht lehrt uns die sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise, dass wir uns wieder den wahren Werten zuwenden sollten. Und genau da kann uns die Volkskultur kompetente Lehrerin sein. Volkskultur, sei sie im Gewand des Jodelliedes, eines berührenden Mundartgedichtes, eines natürlichen Heilmittels, will uns das Gute, das Aufbauende in Erinnerung rufen, will uns Denkanstösse geben, die uns weiterbringen. Zeigt uns klar und unmissverständlich auf, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen können.
Sie flüstert uns zu, statt auf Gleichmacherei, Flexibilität und Mobilität auf Regionalität und Solidarität untereinander zu setzen. Ist es nicht besser, die bestmögliche Entwicklung der eigenen Region zu erzielen, als die möglichste Angleichung an einen ungreifbaren Durchschnitt? In meiner persönlichen Umgebung kann ich etwas bewirken, kann mich einsetzen und ein klein wenig mehr tun als für eine Region, in der ich mich fremd fühle.
Sie verspricht uns nicht die grosse Welt, sie macht uns jedoch für den Zauber des Alltags sehend.
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Themen: Weltanschauliches
Dienstag, 9. März 2010
Die Vortäuschung wird als Kunst gefördert
Kürzlich habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass ich in einer "wissenschaftlichen" Publikation ziemlich unwissenschaftlich zitiert worden bin:
"... benutzen unterschiedliche politische Interessenkoalitionen das heikle Begriffspaar Volk + Kultur dazu, ein weitverbreitetes dumpfes Ressentiment gegen jene "Hochkultur" zu schüren, die das "Hässliche zur Kunst, das Destruktive zur Fördertauglichkeit" erhebt, wie Hanspeter Gautschin ..."
Aus: Rückkehr in die Gegenwart: Volkskultur in der Schweiz, Autoren: Thomas Antonietti, Marius Risi, Bruno MeierDiese feingeistigen Herren kulturhistorischer Provenienz, welche ich übrigens persönlich nicht kenne, schlagen also reflexartig den Sack, weil sie den Esel partout nicht erkennen wollen/können. Ich hoffe doch sehr, dass sie nicht an ihrem "Glauben" zerbrechen werden in diesen Zeiten der Desillusionierung. Einer Zeit, die uns den Weg zurück befiehlt zu dem Punkt, wo Werte wieder Werte sind, nicht Vortäuschung, nicht Kulisse, nicht Schuld, nicht Spekulationsobjekt.
Verwandte Beiträge dazu:
Das Hässliche wird zur Kunst (daraus zitieren die oben erwähnten Autoren)
Huldigung an die Schönheit
Über die wahre Armut unserer Gesellschaft
PS: Heute würde ich wohl nicht mehr vom "Hässlichen wird zur Kunst" schreiben, sondern lapidar: "Die Vortäuschung wird als Kunst gefördert"
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Themen: Zeitgeistiges
Montag, 8. März 2010
Heut' endet der patriarchale Winter
Männer, Männer!
Habt Ihr's wieder mal vergessen?
Heute ist INTERNATIONALER FRAUENTAG:
I.
Der März ist gekommen - und schon naht der achte.
Ein Tag, der uns Kerle oft unruhig machte,
denn es alzheimert uns eine Ahnung, ganz blass:
Da war doch mal was, da war doch mal was!
Und diese Ahnung, die lässt uns nicht ruhn,
Sie hat irgendwas mit den Frauen zu tun.
Bis uns die Erkenntnis dann übermannt:
Im Märzen ein Tag uns die Frauen ausspannt.
Am Frauentag, national als auch inter-,
da endet der patriarchale Winter.
(Das zumindest hat frau sich davon mal versprochen,
doch der Winter ist nur für 'nen Tag unterbrochen.)
Ein einziger Frauentag im Jahr -
da sagt man als Mann: Okay, das geht klar!
Ansonsten haben wir Männer das Sagen
an allen restlichen Männertagen.
So haben wir Männer permanent uns're Tage.
(Und hört man da je von uns eine Klage?)
Das ist die Regel - die gilt ohne Termin.
Und die Regel ist eindeutig maskulin.
Nur, dass in der Regel die Frau'n dafür bluten.
Das wär' einem Mann auch nicht zuzumuten.
Denn ein wahrer Kerl übersteht seine Tage
mit Gehirn-Tampon, ohne Slip-Einlage.
II.
"Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
himmlische Rosen ins irdische Leben."
Ein Webfehler ist es, der heftig hier schillert,
derweil Schillers Fritze das Weib killekillert.
Wehret den Frauen - so soll es wohl heissen,
bevor uns die Weiber hyänisch wegbeissen.
(Denn werden Weiber erst zu Hyänen,
verdichten beim Schiller sich alle Migränen.)
Ach, die himmlischen Rosen dornen gar mächtig,
ist das Weib erst mal mit der Niedertracht trächtig.
Dann geht es schwanger mit finst'ren Gelüsten,
von denen wir Männer besser nichts wüssten.
III.
Ist die Rose noch jung und zart in der Blüte
erquickt sie dem Knaben Gemächt' und Gemüte.
Dann lockt er bald mutig (am Anfang noch zager)
das Röslein rot auf das Lotterlager.
Auch von späten Knaben, sogar von ganz alten,
wurde die Frau gern auf Lager gehalten.
Und im Hause hielt man sie dann meist danach,
weshalb man auch von Haushaltung sprach.
Doch immer mehr Frauen wollten raus aus dem Haus.
Gehalten zu werden, hielt frau nicht mehr aus.
Sie liess sich nicht mehr halten vom Alten.
Und so wurde sie ziemlich ungehalten.
Plötzlich erkannte die Frau den Mann
nicht mehr als Frauenhalter an,
und damit verlor sie ihren einzigen Halt.
Die Frau wurde haltlos. Und wir spürten es bald.
Als haltlose Wesen in heft'ger Erregung
setzte sich frau von selbst in Bewegung.
Die Frauen liefen uns einfach davon
im frauenbewegten Marathon.
Und wir Männer wimmerten bei dem Gerenn':
Wo laufense denn? Wo laufense denn?
Frauenbewegung - wir fügten uns drein.
Aber musste es gleich so ein Tempo sein?
IV.
Meiner liebwerten Leserin schick' ich zum Schluss
von Hand 'nen gehauchten Lufti-kuss.
Und der einen, nach der ich besonders mich sehne,
der flüstere ich: Guten Morgen, Du Schöne!
Martin Buchholz
Verwandter Beitrag dazu.
Was Männer an Frauen lieben
von BodeständiX 2 Kommentare
Themen: Schmankerl










