Montag, 30. August 2010

Ich bin wieder hier

Wir haben nun ein halbes Jahr in Wien gelebt. Ich ein bisschen weniger, weil ich immer wieder pendeln musste (Haus). Plötzlich hat uns dann der "Stadtkoller" befallen und wir haben uns nach dem traulichen Utzenstorf gesehnt. Die Stadt hat uns gelangweilt. Trotz des grossen Angebots an Kultur-, Ess- und anderen Tempeln.

Stadt ist, wie sie immer gewesen ist: Klein- und grossbürgerliches Zeittotschlagen. Nichts Neues. Keine Entdeckungen. Nichts Aufregendes. Alles Mainstream, zwar vom Feinsten, doch eben: Mainstream.

Unser Haus hat sich übrigens standhaft gegen einen Verkauf gewehrt. Trotz vieler Interessenten ist kein Kauf zustandegekommen. Wir können wieder einziehen.

Wien ist schön - besuchshalber.

Also, liebe BlogleserInnen: Ich bin wieder hier:

Montag, 23. August 2010

Wenn Traditionalisten im urbanen Umfeld aufwachsen

Irgendwie gerät die "moderne, aufgeschlossene" Gesellschaft bzw. deren Verkünder in Erklärungsnotstand. Da feiert also die "ganze Schweiz" - wenigstens nach Aussage des Blick - die "Bösen" in Frauenfeld und die Gratis-Postille 20 Minuten resümiert tiefgründig über den neuen Schwingerkönig:

Seine elfjährigen Zwillingsbrüder Ruedi und Marcel sind erfolgreiche Jungschwinger und stehen fast jedes Wochenende irgendwo im Schlussgang. Auch seine Herkunft aus Horboden, einem Weiler in der Gemeinde Diemtigen im Berner Oberland, weist ihn als Traditionalisten aus. Doch die familiäre Situation – seine Eltern leben nicht mehr zusammen – entspricht durchaus dem modernen, urbanen Leben.

via 20 Minuten Online
Also, geschätzte BlogleserInnen: Ländlich aufgewachsen, Eltern jedoch geschieden oder getrennt = MODERN, URBAN. Städtisch aufgewachsen, Eltern jedoch zusammen = TRADITIONALIST

Problem gelöst. Danke Wenger Kilian, danke Schurnis von 20 Minuten.

Mittwoch, 18. August 2010

Das Volkslied im Wandel der Zeiten...

Wo sind sie auch geblieben, die einst so zahlreichen Barden, welche als Liedermacher in den 60ern und 70ern durch die Schweiz zogen: Ernst Born, Fritz Widmer, Jacob Stickelberger, Dieter Wiesmann, Henri Dès, Pascal Auberson, Marco Zappa etc., etc.?

Diese Schweizer Liedermacher des letzten Jahrhunderts, deren Verwendung des Dialekts eigentlich Volksnähe signalisierte, taten sich mit dem Volk schwer. Denn die Tradition des Volksliedes kam vor bald zweihundert Jahren zum Verstummen: Damals ersetzten Pfarrherren und Lehrer das überlieferte Volksgut durch didaktisch-pathetische Chorkompositionen, denen der Bezug zum Alltag abging und die mehr und mehr im Widerspruch zu den lebendigen lokalen Traditionen standen. Diesen „Liedern aus zweiter Hand“ würde wohl besser der Begriff „Volksgesang“ anstehen. Solche „Volksgesänge“, „Volksliedbearbeitungen“, „volkstümliche Liedkompositionen“ oder „Lieder im Volkston“ wurden im Unterschied zum traditionellen Volkslied meist über organisierte grössere oder kleinere Gruppen verbreitet.

Es dauerte seine Weile, bis das ursprüngliche Volkslied durch die Liedermacher wieder zu neuen Ehren kam. Wichtiges Merkmal dieser Liedermacher aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Personaleinheit von Textdichter, Komponist und Vortragendem. Dieses Ideal des „cantautore“ hatte seine Wurzeln in der Vergangenheit - vom blinden Sänger Alois Glutz, 1789-1827, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Lande zog, über die Sängerväter wie Gilles oder Hans Roelli.

Zwei Liederpatriarchen


Gilles (1895-1982)

Diesen Urahnen der Liedermacher hat man auch als "Schutzheiligen des Westschweizer Chansons" bezeichnet. Er nannte sich einfach "Gilles" (eigentlicher Name: Jean Villard-Gilles). Als er 1982 starb, trauerte die ganze Romandie - und die Deutschschweiz mit ihr. Denn Gilles' gutmütig-parodistischer "Männerchor de Steffisbourg" (eine Persiflage auf das helvetische Gesangsvereinswesen, das braven Familienvätern und Dorfburschen gestattet, ungestört unter sich zu sein) fand auch jenseits der Saane Freunde und das für Edith Piaf komponierte Chanson "Les trois cloches" machte ihn gar weltberühmt:


Edith Piaf - Les Trois Cloches
Hochgeladen von doxminos. - Sieh die neuesten vorgestellten Musikvideos.


Hans Roelli (1889-1962)

Weniger kosmopolitisch ist die Laufbahn des 1889 im Luzernischen (Willisau) geborenen Sängerpoeten Hans Roelli. Noch als Gymnasiast von zu Hause ausgerissen, als Sänger und Poet durch die Lande vagabundierend, mit Gelegenheitsjobs als Ski- und Schwimmlehrer die Freiheit bewahrend. Später wurde der gesellige und lebenslustige Sänger sogar Kurdirektor. Noch später – während des Zweiten Weltkrieges – schickte ihn die Abteilung „Heer und Haus“ als singenden Unterhalter zu den Truppen. Zwischen 1908 und Roellis Todesjahr 1962 entstanden über 1‘200 Lieder. Manche von ihnen – „Alle Rosen…“, „Alles fahrt Schi“ – wurden zu Volksliedern im eigentlichen Sinn des Wortes; von der Bevölkerung spontan aufgenommen, erweitert und variiert.

Wo sind sie also geblieben, die Nachfahren dieser beiden Sängerväter? Diese Sängerpoeten, die sich als Teil einer Alternativkultur verstanden - mit eigenen Klubs, eigenem Journal und politischem Auftrag?

Möglich, dass ihre Lieder die historischen Volkslieder von morgen sein werden. Denn nichts vergeht: Lediglich die Formen verändern sich.

Montag, 16. August 2010

Bobbie, komm' mal nach Europa!

Den haben ich leider bis heute nie "live" erlebt: Bob Seger. Eine andere Frage: Ist er überhaupt mal in Europa aufgetreten? Wenn nicht, müsste man ihn sofort dazu überreden. Hoffentlich ist dieses Unterfangen kein Anrennen "gegen den Wind":

Donnerstag, 12. August 2010

Unsere Welt ist (noch) nicht hart genug


Wenn Blumen so dächten
Wie wir es tun:

Würden sie, so bin ich mir sicher,
Nicht mehr blüh'n,
Nicht mal mehr Knospen tragen...

Dienstag, 10. August 2010

Wenn weniger mehr ergibt, gilt auch das Umgekehrte

Alan Greenspan, ex FED-Chef, zeigt wohl Alterseinsicht. Er zweifelt nämlich an der liberalen Theorie, dass Steuerkürzungen das Wirtschaftswachstum fördern (s. HIER). Hier muss ich ihm mal recht geben, denn mich wunderte schon lange,

weshalb sich die Schere zwischen Arm und Reich schliessen soll, wenn die Steuern für die Reichen gesenkt und die Abgaben der Armen erhöht werden...

Freitag, 6. August 2010

Zuckerguss mit Staatsgarantie

Wenn selbst stramm bürgerliche Menschen sich immer mehr Gedanken über unser "System" machen, mag in mir langsam wieder etwas Hoffnung aufkeimen:

Es ist inzwischen eine bekannte Tatsache, dass, wenn man Geld arbeiten lässt, man reicher wird, als wenn man es selbst tut.

Neu hinzu kommt die Erkenntnis, dass grosse Vermögen eine Art Staatsgarantie geniessen. Denn die Banken- und Industrienrettungsaktionen der westlichen Industriestaaten sind auch oder vor allem den grossen Investoren zugute gekommen.
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Donnerstag, 5. August 2010

Weltmusik hat keine Chance

 Bildquelle: pixdaus.com

Das hab' ich doch schon immer vermutet:
Vögel sind rückwärtsgewandte Ewiggestrige. 
Sie können nämlich - insbesondere die Singvögel - unerträglich heimatverbunden sein. Eine Biologin hat jetzt herausgefunden, dass die Tiere vor allem das Gezwitscher aus der Umgebung attraktiv finden und recht schnell eine entsprechende Vorliebe entwickeln. Solche Vögel unterhalten sich also im eigenen Dialekt. Weltmusik hat da überhaupt keine Chance.

Interessant? Dann lies' doch hier einfach den ganzen Artikel: Auch Vögel tun sich mit Dialekten schwer (Spiegel Online).

Sonntag, 1. August 2010

Wenn die Höhenfeuer lodern

Foto gefunden auf: http://pixdaus.com/

Heute feiern die Schweizerinnen und Schweizer ihren Bundesfeiertag. Die geistigen Väter der modernen Schweiz (1848, Bundesverfassung) legten im 19. Jahrhundert den 1. August 1291 als Datum für die Begründung der alten Eidgenossenschaft und damit als schweizerischen Nationalfeiertag fest. 1891 beging man zum ersten Mal den 1. August als Nationalfeiertag. Dieser Feiertag liegt exakt auf einem keltischen Fest: Lughnasadh, das Fest zum Herbstbeginn am 1. August.
Es war das Fest vor der Ernte, das der äusseren und inneren Vorbereitung auf dieselbe dienen sollte und ebenfalls Ursprünge hat, die weit hinter die Kelten zurückreichen. Lughnasadh könnte die Bedeutung „Hochzeit des Lug” haben. Lug(h), der „Meister aller Künste” der irokeltischen Sage, der ursprünglich ein Sonnen- und Blitzheros und ein Erd-Befruchter war, hatte nach diesen Sagen eine „Ziehmutter” namens Tailtiu, die nichts anderes ist als die Nachfolgerin einer steinzeitlichen Erd- und Muttergöttin. „Oenach Tailteann”, das grosse Fest zu ihren Ehren, begann in Irland bereits zwei Wochen vor und endete erst zwei Wochen nach Lugnasad – also genau am 15. August, jenem Tag, an dem heute die katholische Kirche die „Himmelfahrt” der „Gottesmutter” Maria, dere „Hochfest”, feiert.
Quelle: Die Kelten
Lughnasadh war ein erdverbundenes und ein ausgelassenes Fest, ein Volksfest mit Jahrmarkt, Wettkämpfen, Pferderennen, künstlerischen und politischen Vorträgen und religiösen Ritualen, wovon sich in Irland, trotz zeitweiligem Verbot durch die röm.-katholische Kirche, z.B. rituelle Feuertänze oder Bergprozessionen zu Ehren der „heidnischen” Schöpfergöttin, der Erd- und Bergmutter Tailtiu, bis heute nicht nur erhalten haben, sondern munter in die Tourismus-Industrie einbezogen wurden.

Wenn also am 1. August in der Schweiz die Raketen steigen, die Höhenfeuer lodern und mehr oder weniger politische Reden dominieren, dann wissen wir jetzt um den inneren Gehalt dieser Äusserungen.

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