Dienstag, 14. Februar 2012

Von der guten, alten Bahnhofszeit

 Bahnhof-Wartesaal I. und II. Klasse im Jahr 1914 
(Bild-Lizenz: Public Domain)

Früher konnte ich es mir kaum anhören, wenn ältere Menschen über den Winter klagten und den Frühling herbeisehnten. Unbegreiflich, dass diese älteren Menschen keine Freude an der kalten Jahreszeit hatten. Doch langsam kommt BodeständiX auch in diese Klagejahre. Er sehnt sich nach der wärmenden Frühlingssonne, nach der duftenden, frischen Erde, nach den Schneeglöckchen, Krokussen und "Guggerblumen"...

Letzten Freitag musste er berufshalber ins Baselbiet verreisen und kam spätabends zurück ins trauliche Bernerdorf, wo er seit nunmehr acht Jahren seine Zelte aufgeschlagen hat. In Olten musste er über eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten. Es zog fürchterlich durch diesen Bahnhof und es gab keine Aufwärmoasen. Alle geschlossen um diese Zeit. BodeständiX liess frierend seine Erinnerungen zurückschweifen in die Zeit, als die Bahnhöfe noch mit gut geheizten Wartesälen aufwarten konnten. Sogar Raucher-Wartesäle gab es damals! Es war köstlich, in diesen warmen Stuben sich die Zeit mit Lesen zu verkürzen. Vielleicht lag sogar ein munteres Schwätzchen mit anderen Reisenden drin. Ach ja, damals gab es auch noch sogenannte Bahnhofbuffets, die selbverständlich auch nach 22 Uhr offen waren.

Und heute? Alles durchökonomisiert. Das scheinbar Unrentable wurde wegrationalisiert. Es macht für BodeständiX deshalb selten mehr Freude, vor allem im Winter, mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs zu sein. Trotz dieser Sparmassnahmen schreibt die SBB regelmässig tiefrote Zahlen. Im Gegensatz zu früher, als es noch "muttelig-warme" Wartesäle, rauchige Bahnhofbuffets und öffentliche Bahnhof-Toiletten (gratis!) gegeben hat.

Auch lange noch nach 22 Uhr.


6 Kommentare:

Hausfrau Hanna

Endlich,
lieber BodeständiX,
ich habe meinen Augen nicht getraut...
Schön, einfach schön,was dir atmosphärisch mit diesem Blogbeitrag gelungen ist!
Trotzdem. Ich bin froh, dass diese nach Rauch stinkenden Beizen, Wartesäle und Zugabteile der Vergangenheit angehören...

Herzlich Hausfrau Hanna

BodeständiX

Das freut mich ausserordentlich, liebe Hausfrau Hanna, dass Dir mein erster Beitrag in diesem Jahr zusagt. Wenn ich mein inneres Phlegma erfolgreich überreden kann, werden die Beiträge hoffentlich wieder mehr.

Alice Gabathuler

Auch mir sind die Augen beinahe aus den Höhlen gekullert. ENDLICH wieder einmal ein Beitrag!

Bei mir ist es anders. Was habe ich früher den Winter gehasst! Ich habe ihn mögen gelernt und dieses Jahr liebe ich ihn sogar. Allerdings nicht an Bahnhöfen. Ich glaube, die SBB macht sich einen Sport daraus, diese Orte so garstig und zugig wie möglich zu halten.

Herzliche Grüsse

Alice

BodeständiX

Hallo Alice,
Ja, ich habe mir vorgenommen, wieder täglich ein bisschen Fingerübungen zu machen und dazu eignet sich halt BodeständiX schon.

Theomix

Auch ich war erstaunt. Und erfreut.

Ein hochinteressantes thema. Hier sind ja bviele frühere Schnellzugstationen zu regionalbahnhöfen degradiert, sie verkommen allmählich, sind innen bestenfalls vermietet und außen verschmiert. wenn es hoch kommt, findet man einen kiosk oder eine gaststätte mit angeboten in niederer qualität.
Große bahnhöfe haben eine "launch", auf deutsch ein wartesaal für die erste klasse.

BodeständiX

Man könnte dazu auch sagen: Sparen, koste es, was es wolle!

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